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GfK-Umfrage: „Österreichs Gesundheitssystem ist Spitze, aber ganzheitliche Reformen sind notwendig“
Nr. 47 vom 16. Dezember 2010
  • Sanierungskurs der Krankenkassen und Inhalte sind bekannt
  • Mehrheit fühlt sich von kostendämpfenden Maßnahmen nicht betroffen
  • 77 Prozent fordern ganzheitliche Gesundheitsreform

Österreich hat ein ausgezeichnetes Gesundheitssystem. Das Kassensanierungspaket allein reicht als zukunftssichernde Maßnahme nicht, erforderlich sind ganzheitliche Reformen. Derart lässt sich die aktuelle Stimmungslage der Österreicher zum Thema Gesundheitsreform zusammenfassen. Die Aussage, dass Österreich im Vergleich zu anderen Ländern Westeuropas eines der besten Gesundheitssysteme hat, stößt auf breite Zustimmung bei Jung und Alt, allen Bevölkerungsschichten sowie Gesunden und Kranken. Im Schnitt bezeichnen nur 13 Prozent aller 4000 von GfK Austria im Auftrag des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger Befragten die Aussage als eher bzw. sehr unglaubwürdig.

Das Thema Gesundheitsreform und Diskussionen um das Gesundheitswesen werden daher von der Bevölkerung mit höchster Aufmerksamkeit verfolgt. So gaben 64 Prozent der Bevölkerung an, vom Krankenkassensanierungspaket gehört zu haben. Bei den Jungen sinkt dieser Wert auf knapp unter 50 Prozent, dafür steigt er bei den Älteren auf 73 Prozent an. Und wer vom Sanierungskurs gehört hat, kennt auch überwiegend dessen Inhalte: nämlich 81 Prozent im Schnitt aller Befragten.

Die Bevölkerung hat somit auch mehrheitlich erkannt, dass es bei der Sanierung der Krankenkassen nicht um Einsparungen zu Lasten der Patienten sondern um Kostendämpfung geht. Dies lässt sich daraus interpretieren, dass sich 55 Prozent von Kostensenkungsmaßnahmen eher oder gar nicht betroffen fühlen.

Bei der Bekanntheit von kostendämpfenden Maßnahmen steht der Generika-Einsatz mit 83 Prozent bei den Befragten an der Spitze, gefolgt von der allgegenwärtigen Einsparung bei den Verwaltungskosten. Erstaunlich ist, dass bereits 16 Prozent meinen, dass die Qualitätssicherung bei den niedergelassenen Ärzten kostensenkend wirkt.

Die finanzielle Gesundung der Krankenkassen reicht allerdings für die Zukunft nicht aus. Eine satte Mehrheit von 77 Prozent fordert eine ganzheitliche Reform. Nur jeder fünfte glaubt, dass die bisher gesetzten Maßnahmen reichen. In den Reformmaßnahmen sind sich Experten und die Bevölkerung einig: für 68 Prozent geht es um die Vereinfachung der Finanzströme, also die Finanzierung aus einem Topf, für knapp die Hälfte um Reformen im Spitalswesen. 27 Prozent fordern, dass bei der Qualitätssicherung und 26 Prozent, dass bei den niedergelassenen Ärzten angesetzt wird.

GfK-Umfrage erhebt „begeisterte“ Zustimmung der Bevölkerung zur „e-Medikation“
  • Bewusstsein für Wechselwirkungen von Arzneimitteln bei den Patienten vorhanden
  • Erwartet werden mehr Sicherheit, informiertere Ärzte und eine bessere Abstimmung in der Medikamentierung

Das Projekt e-Medikation, welches vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger (HVB) federführend umgesetzt wird, stößt auf „begeisterte“ Zustimmung bei der Bevölkerung. In einer repräsentativen GfK-Umfrage bei 4000 Befragten im Auftrag des HVB hielten es satte 90 Prozent der Befragten für eine gute bzw. sehr gute Idee, wenn alle konsumierten Arzneimittel in einer Datenbank erfasst werden und Arzt bzw. Apotheker nach Erlaubnis des Patienten die gesamte Medikamentierung auf Wechselwirkungen- prüfen können.

Die hohe Zustimmung äußern Frauen und Männer, Arzneimittelkonsumenten und auch Nicht-Konsumenten und sie geht quer durch alle Altersgruppen.
Die „e-Medikation“, die wie alle elektronischen Anwendungen im Gesundheitsbereich auf die Schlüsselkarte „e-card“ der Sozialversicherung aufsetzt, könnte sich daher zu einem ähnlichen „Renner“ entwickeln, wie die Karte selbst: seit Jahren sind mit der e-card 96 Prozent zufriedener als mit dem Krankenschein.

Die euphorische Zustimmung zum Projekt „e-Medikation“ ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass tendenziell immer mehr Befragte immer mehr Arzneimittel konsumieren. So erhob GfK im Spätsommer, dass bereits 69 Prozent der Befragten im Monat vor der Befragung mindestens ein Arzneimittel genommen hatten. Im Jahr 2009 wurde dieser Wert noch mit 62 Prozent erhoben. Da vor allem der mehrfache Konsum von Arzneimitteln zugenommen hat, rückt die Problematik von Wechselwirkungen- immer mehr in den Fokus der Bevölkerung.

Sicher bzw. sehr sicher, dass sich alle eigenommenen Arzneimittel untereinander vertragen sind rund 55 Prozent der Befragten, der Rest ist weniger bzw. gar nicht sicher. Signifikante Unterschiede im Sicherheitsgefühl gibt es nur zwischen Arzneimittel-Konsumenten und –Nichtkonsumenten: fast drei Viertel jener Befragten, die mehr als fünf Arzneimittel nehmen, sind überzeugt, dass es zwischen diesen kein Risiko unerwünschter Wechselwirkungen gibt, selbst wenn die Verordnungen durch verschiedene Ärzte erfolgen. Die Nicht-Konsumenten von Arzneimitteln sehen dies ganz anders: rund 60 Prozent glauben an das Risiko von Wechselwirkungen.

Um sich abzusichern, erkundigen sich 44 Prozent der Befragten beim Arzt, 38 Prozent lesen den Beipacktext durch und 17 Prozent fragen beim Apotheker nach.
Letzteres reicht schon, dass neun von 10 Befragten daher wünschen, dass der Apotheker in die Lage versetzt wird, Wechselwirkungen zu beurteilen.
Da etwa ein Drittel der ÖsterreicherInnen dem Arzt in allen Fragen unerwünschter Wechselwirkungen vertraut, wünscht auch eine klare Mehrheit, dass der Arzt die Gesamtmedikation seiner Patienten – auch die rezeptfreien – kennt: 56 Prozent halten dies für sehr wichtig und 32 Prozent für eher wichtig.

Das Projekt e-Medikation wird 2011 von den Projektpartnern Bund, Länder, Sozialversicherung, Österreichische Ärztekammer und Österreichische Apothekerkammer in einer Pilotphase gestartet. Daher konnten die Befragten zu den konkreten Vorteilen spontan noch wenig sagen. Am ehesten ortet man mehr Sicherheit für den Patienten (20 Prozent) und eine bessere Information für die Ärzte (18 Prozent).

Viel klarer ist die Erwartungshaltung, wenn konkret Vorteile abgefragt werden: Die Sicherheit des Patienten steht mit 67 Prozent an der Spitze, gefolgt von der Informationen des Arztes (55 Prozent) und der besseren Abstimmung von Krankenhaus, Arzt und Apotheke (51 Prozent). Weniger stark befürwortet werden Kosten- oder Kontrollargumente. Sehr ähnlich fallen die Antworten auf die Frage aus, wofür die e-Medikation als geeignet angesehen wird: Information des Arztes, Abstimmung zwischen Krankenhaus, Arzt und Apotheke sowie Sicherheit des Patienten stehen an der Spitze.

Eindeutig sind auch die Wünsche der Bevölkerung, wer die Prüfung vornehmen soll: Als Hauptverschreiber von Medikamenten die niedergelassenen Ärzte. 77 Prozent treten dafür ein. Gegenüber Apothekern ist dieser Wunsch mit 36 Prozent weniger stark ausgeprägt.

Mit einem Angebot der e-Medikation könnte sich die Bevölkerung besonders stark anfreunden, so die Ergebnisse der GfK-Umfrage: der aktuellen Online-Arzneimittelliste. Mehr als zwei Drittel möchten zumindest die Liste einsehen, drei Viertel der Befragten würden sie sogar inklusive der Dosierungsinfos gerne ausdrucken. 68 Prozent würden diesen Ausdruck selbst etwa via Internetportal vornehmen und 67 Prozent erwarten einen Ausdruck vom niedergelassenen Arzt.

Die Sozialversicherung garantiert unabhängig von Alter, Einkommen, sozialer Herkunft und Bildung hochwertige Gesundheitsversorgung und eine sichere Pensionsvorsorge. Aktuell sind rund 8,2 Millionen Menschen anspruchsberechtigt (Versicherte und mitversicherte Angehörige). Der Behandlungsanspruch aus der Krankenversicherung wird beim Arzt durch das e-card-System angezeigt: Die e-card als Schlüsselkarte enthält keine medizinischen Daten, ermöglicht dem Arzt aber die Überprüfung des Versicherungsstatus eines Patienten bzw. einer Patientin und die Nutzung weiterer Services. Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger ist das organisatorische Dach über der solidarischen Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung Österreichs.


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