Back Office

Zusammenlegen und Zusammenarbeiten in der Sozialversicherung:

Konzentration der Arbeit statt der Organisation

Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger hat eine Reihe von gemeinsamen Aufgaben für die Versicherungsträger: die Krankenkassen zB sind zwar selbständig geblieben, lassen aber einen Teil ihrer Aufgaben, wie zB die Datenverarbeitung, in einem gemeinsamen Rechenzentrum ablaufen. Die Zusammenarbeit der Versicherungsträger im Hintergrund, im "Back Office" ist damit stärker gemeinschaftlich organisiert, als es das Erscheinungsbild im Kundenkontakt, im "Front Office" glauben lässt.

Zu den Aufgaben des Hauptverbandes für die Versicherungsträger gehören (siehe § 31 ASVG)

  • das Führen einer gemeinsamen EDV-Anlage (seit 1972) und die Vergabe einheitlicher Ordnungsbegriffe für die Speicherung der Versicherungsdaten: die Sozialversicherungsnummer

  • der Abschluss der Gesamtverträge für die Krankenversicherungsträger über die ärztliche Behandlung

  • das Aufstellen von Richtlinien für die einheitliche Durchführung der Gesetze durch die Sozialversicherungsträger

  • Controlling, Kennzahlenvergleiche

  • und viele andere Aufgaben (Aufzählung u. a. in § 31 ASVG)

 

Diese Entwicklung hat nicht nur in der Sozialversicherung stattgefunden, sondern auch bei Gemeinden, Banken, Versicherungen und anderen großen Organisationen: Nach außen hin, dem Kunden gegenüber, bleibt die gegliederte Organisation bestehen, intern werden gemeinsame Aufgaben gemeinsam erledigt und damit Kosten gespart. Die Kunden (Versicherten) haben weiterhin ihre gewohnten Ansprechpartner, wo aber das Rechenzentrum steht (und von wem es betrieben wird), ist ein anderes Thema.

Die Zusammenarbeit in der Sozialversicherung gilt auch für Anträge, Meldungen und andere rechtlich wichtige Schriftstücke: jeder Sozialversicherungsträger ist verpflichtet, Anträge und Meldungen fristwahrend an den zuständigen Versicherungsträger weiterzuleiten, wenn er selbst nicht zuständig ist und auch, den anderen Versicherungsträgern - unaufgefordert - alle Mitteilungen zukommen zu lassen, die für deren Geschäftsbetrieb wichtig sind (Allspartenservice, one-stop-shop, vgl. § 321 und § 361 Abs. 4 ASVG und den Beitrag in der Fachzeitschrift "Soziale Sicherheit" Jahrgang 1994, Seiten 357 bis 364).
Die Entwicklung geht derzeit weiter in die Richtung der hier geschilderten "Arbeitskonzentration" und weniger in Richtung "Organisationskonzentration".

Die Organisation der Sozialversicherung (zB eine Gebietskrankenkasse pro Bundesland) hat einen Stand erreicht, auf dem eine weitere Zusammenlegung Auswirkungen auf die allgemeine Organisation der Republik Österreich hätte:

Die Gliederung Österreichs nach Bundesländern spiegelt sich vielfach bei Behörden und privaten Einrichtungen (zB Finanzlandesdirektionen, Landesstellen von Versicherungen, Landesligen im Sport), Interessenvertretungen (Kammern) wider und wäre im Rahmen einer Verwaltungsreform, einer Reform der Länderorganisation usw. zu diskutieren, nicht allein an Hand der Sozialversicherungsorganisation.