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Gute Reisevorbereitung: Urlaub wie geplant

Gute ReisevorbereitungMama will Kunstschätze besichtigen, Papa in Ruhe Zeitschriften lesen, Kind eins Karten spielen, Kind zwei in der Sonne braten – kommt eine Familie erst im Hotel drauf, welche Vorstellung jeder Einzelne von Urlaub hat, sind Konflikte vorprogrammiert. Damit Zank und Hader daheimbleiben und Harmonie und Erholung die Reisebegleiter sind, gilt: Eine gemeinsame Planung ist das Um und Auf für einen erholsamen Urlaub.

Die „schönste Zeit des Jahres“ endet für manche Ehepaare vor dem Scheidungsrichter. Schuld daran sind die unterschiedlichen Wünsche, die im Vorfeld nicht berücksichtigt werden.

„Nach Weihnachten ist der Urlaub die emotional wichtigste Zeit. Man freut sich, bereitet sich vor und spart“, sagt Mag. Peter Zellmann, Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien. Die Erwartungshaltungen sind daher besonders hoch. Besonders hoch ist aber auch das Frustpotenzial, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden. „Jede zweite Familie streitet im Urlaub“, so Zellmann.

Damit man also nach der Reise nicht gleich wieder urlaubsreif ist, sollte jedes Familienmitglied seine Wünsche bekannt geben und mit den anderen abstimmen. „Oft ist man sich selber nicht im Klaren, was man eigentlich will. Deshalb sollte jeder einen Urlaubsfilm im Kopf haben, diesen mit den anderen besprechen und einen gemeinsamen Film drehen. Dafür muss man sich aber Zeit nehmen“, betont Zellmann.

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Planung hilft

Mit dem Zelt nach Korsika? All-inclusive in der Türkei? Sightseeing in Frankreich? Die Planung des Sommerurlaubs sollte bereits kurz nach Weihnachten beginnen, und zwar mit dem gemeinsamen Festlegen des Reiseziels. Dann hat jedes Familienmitglied ein paar Wochen Zeit, in Prospekten und im Internet zu stöbern, bevor es schließlich im März an die konkrete inhaltliche Planung geht. „Ganz wichtig ist der zeitliche Ablauf des Urlaubs. Wo schafft man sich Freiräume? Was will ich unbedingt machen? Sind diese Themen im Vorfeld geklärt, beginnt die Debatte nicht vor Ort“, erklärt der Experte. „Hat man einen Plan, kann der auch wieder geändert werden.“ Heißt: Die emotionale Gesprächsebene ist eine andere. Anstelle von: „Ich will aber jetzt“ heißt es dann: „Seid ihr einverstanden, wenn wir statt dem das machen?“

Natürlich kommt es bei der Planung auch darauf an, ob man für Kinder oder mit Kindern Urlaub macht und wie alt sie sind. Dazu Professor Zellmann: „Ist die Reise nur dem Nachwuchs gewidmet, stehen die Wünsche der Kids im Mittelpunkt, und die Eltern organisieren alles für sie. Das ist zwar selbstlos, aber auch die einfachere Variante.“ Viel schwieriger ist es schließlich, die Wünsche aller unter einen Hut zu bekommen.

Dass Babys und Kleinkinder kein Mitspracherecht haben, liegt auf der Hand. „Ab dem Volksschulalter können Kinder schon selbst sagen, was sie wollen. Das sollten Eltern ernst nehmen und sie in die Gestaltung einbeziehen“, unterstreicht Zellmann. Eine „Problemaltersgruppe“ sind drei- bis fünfjährige Knirpse. „Mit ihnen kann man noch nicht wirklich planen. Eltern müssen sich daher in die Rolle des Kindes versetzen.“ Ganz wichtig dabei: Mama und Papa sollten ihnen nichts unterstellen, von dem sie glauben, dass das der Sprössling will. „Am schlimmsten ist die sogenannte sinnvolle Freizeitbeschäftigung“, warnt der Tourismusforscher. Jener Elternteil, der im Alltag die meiste Zeit mit dem Kind verbringt, meint oft zu wissen, was gut für das Kind ist. Wissen das aber das Kind und der andere Elternteil nicht und haben was ganz anderes vor, führt das unweigerlich zu Konflikten.

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Kleinigkeiten nerven

Womit wir beim Unterschied zwischen Alltag und Urlaub wären. „Die gegenseitigen Gewohnheiten zu kennen, ist was anderes, als 14 Tage und Nächte ununterbrochen miteinander zu verbringen“, so Zellmann. Es sind die Kleinigkeiten, die einem plötzlich auf die Nerven gehen und an die im Vorfeld gedacht werden muss. Sonst nützt die beste Planung nichts. Also: „Ich muss mir vorher bewusst sein, dass ich mit jemandem einige Zeit auf engstem Raum zusammenlebe. Das gilt für berufstätige Ehepaare genauso wie für Patchworkfamilien.“ Bei der Planung des Urlaubs sollten daher ein paar wenige Grundregeln aufgestellt werden, die jedem wichtig sind, „etwa, ob Kinder akzeptieren sollten, dass beim Buffet zu viel auf den Teller geschaufeltes Essen im Regelfall dann auch aufgegessen werden soll oder eben nicht“, erklärt Zellmann.

Zusammengefasst heißt das: Jene Familien, die „ungeplant“ auf Reisen gehen, einen schönen Urlaub genießen und keine Krise als Souvenir im Gepäck haben, „machen es richtig“, so Zellmann. Jene, für die ein Urlaub schon einmal in einem Fiasko geendet hat, sollten keinesfalls wieder „ins Blaue“ reisen, sondern sich im Vorfeld viel Zeit für die Planung nehmen.

Cornelia Schobesberger

Juli 2012

Foto: Bilderbox, privat

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Kommentar

Gute Reisevorbereitung„Den meisten Familien mangelt es an der gemeinsamen Planung des Urlaubs und sie beginnen wegen Kleinigkeiten zu streiten. Eine Planung gibt jedoch Sicherheit und Orientierungshilfe. Sich ausreichend Zeit dafür zu nehmen, ist nicht nur die beste Art der Vorfreude, sondern verhindert vorprogrammierte Streitereien.“
Mag. Peter Zellmann
Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020