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Haustiere: Spielkamerad der anderen Art

Spielkamerad der anderen ArtGerade in der Vorweihnachtszeit ist es in vielen Familien wieder einmal so weit: An oberster Stelle des Wunschzettels der Kids an das Christkind steht ein Haustier. Vieles, wie etwa der positive Einfluss auf die Entwicklung des Sozialverhaltens, spricht dafür, dass die Familie einen neuen Hausgenossen aufnimmt. Wenn da nicht auch die vielen „Wenn und Aber“ wären, die bei einer derartigen Entscheidung unbedingt bedacht werden sollten.

Der positive Einfluss eines Tieres auf die Psyche eines Kindes ist eine durchaus fundierte wissenschaftliche Erkenntnis. Das haben Univ.-Prof. Dr. Giselher Guttmann und Dr. Michaela Zemanek vom Psychologischen Institut der Universität Wien in einer Studie festgestellt. Demnach bewirken die Tiere in der Persönlichkeitsbildung eines Kindes, dass Fähigkeiten wie Rücksichtnahme, Verantwortungsgefühl und Kontaktfreudigkeit besser und rascher entwickelt werden. Ein Effekt übrigens, der sich verstärkt, wenn die Kinder schon als Säugling Kontakt zu Tieren haben.

 

Das Risiko, dass Tiere Krankheiten auf Kinder übertragen, wurde ebenfalls wissenschaftlich untersucht. June McNicholas von der University of Warwick (GB) kam in einer Studie zu der Erkenntnis, dass Bello, Mieze & Co. das Immunsystem ihrer jungen Besitzer sogar stärken. Tiere könnten zwar Krankheiten auf Menschen übertragen, jedoch sei dies bei entsprechenden Vorsorgemaßnahmen wie Impfungen und Entwurmungen einfach zu vermeiden. Dass im Fall einer Tierhaarallergie auf ein entsprechendes Haustier verzichtet werden muss, liegt auf der Hand. Im Normalfall jedoch würden die Vorteile gegenüber dem gesundheitlichen Gefahrenpotenzial durchaus überwiegen.

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Drum prüfe, wer sich …

Auch wenn diese Studien eindeutig für ein Tier im Kinderzimmer sprechen, warnt Elisabeth J. Koch, Tierpsychologin und -therapeutin, vor falscher Erwartungshaltung. Denn weder Hund noch Katze oder Sittich können Erziehungsaufgaben der Eltern übernehmen. Vielmehr ergänzen und verstärken sie deren Bemühungen, ihre Kinder zu rücksichtsvollen, sozial gefestigten Menschen zu machen.

 

Wobei zu bedenken ist, dass Bello oder Mieze durch ihre artspezifische Integration in der Familie etwa einen anderen Einfluss auf Kinder ausüben als Piepsi oder Goldfisch Oskar. „Man muss unterscheiden, ob das Kind sich ein Tier zum Beobachten wünscht oder als Spielkamerad“, gibt Elisabeth J. Koch zu bedenken. Je nachdem wird die Wahl auf einen Goldfisch, einen Hamster oder einen größeren Vierbeiner fallen. Wobei auch zu beachten ist, dass es tag- und nachtaktive Tiere gibt.

 

„Meistens ist es so, dass Kinder an Tieren, die sie nur beobachten können, sehr schnell das Interesse verlieren“, so Koch, „weshalb Tiere, mit denen man spielen und schmusen kann, eher zu bevorzugen sind“. Doch auch da ist es fraglich, ob nicht das Interesse am Tier erlischt, sobald sich zu Spiel und Spaß die Pflichten des Alltags gesellen. „Wie dauerhaft der Wunsch nach einem Tier ist, können daher nur die Eltern des Kindes feststellen, die es ja am besten kennen“, meint Elisabeth J. Koch. Deshalb rät sie dringend davon ab, dass Oma und Opa, Tante und Onkel ein Hündchen als Überraschung unter den Christbaum legen.

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Neues Familienleben

„Grundsätzlich sollte die Entscheidung, ob ein Tier ins Haus kommt, von der ganzen Familie getroffen werden, weil alle Familienmitglieder davon betroffen sind“, erklärt die Tierpsychologin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, zum harmonischen Zusammenleben von Mensch und Tier beizutragen. Denn gerade die gemeinsame Betreuung des Tieres durch die Familie stelle eine ganz besondere Erfahrung und einen wichtigen Lernprozess für das Kind dar.

 

Gabriele Beran
Dezember 2010

Foto: Bilderbox

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Kommentar

Haustiere: Spielkameraden der anderen Art„Meistens ist es so, dass Kinder sehr schnell das Interesse an Tieren verlieren, die sie nur beobachten können. Tiere, mit denen man spielen und schmusen kann, sind daher eher zu bevorzugen. Wie dauerhaft der Wunsch nach einem Tier ist, können nur die Eltern des Kindes beurteilen. Deshalb sollten auch sie die Entscheidung treffen.“
Elisabeth J. Koch
Tierpsychologin und -therapeutin, Mehrnbach, Oberösterreich

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020