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Barfuß statt Einlagen

Barfuß statt EinlagenOrthopädische Schuheinlagen werden von Ärzten zunehmend kritisch gesehen. Dafür gibt es eine Reihe Gründe, berichtet der deutsche Mediendienst obx-medizindirekt.

„Viele Menschen laufen problemlos ein Leben lang auf Plattfüßen“, erklärt der Regensburger Arzt Dr. Stephan Hülsmann. Er will darauf hinweisen, dass nicht jeder Fuß, der Abweichungen von der Idealform zeigt, orthopädische Einlagen benötigt. Immer häufiger, so kritisieren Mediziner, werden Einlagen verordnet, wo vielleicht Fußgymnastik oder regelmäßiges barfuß gehen eine bessere Wirkungen erzielen könnten.

Einlagen nicht immer angezeigt

Nicht immer sind orthopädische Einlagen auch das Mittel der Wahl, stellt auch das Fachmagazin „Der Allgemeinarzt“ fest. Vor allem wird der Nutzen von Einlagen für Kinder unter zehn Jahren angezweifelt. Eine Studie an der Universitätsklinik für Orthopädie in Wien bestärkt, bei der die Füße von mehr als 800 drei- bis sechsjährigen Kindern untersucht wurden, hat diese Zweifel verstärkt.

Fußmuskel erst mit Zehn Jahren „austrainiert“

Eine gesunde Fußwölbung beruht in erster Linie auf Muskelkraft. Bei Kindern wird diese jedoch erst im Laufe der ersten sechs bis zehn Jahre durch Gehen, Laufen und Spielen erworben. Deshalb ergab die Wiener Untersuchung auch, dass 54 Prozent der Dreijährigen einen Knick-Senkfuß hatten, während diese Fehlbildung nur noch bei 26 Prozent der Sechsjährigen auftrat. Nur in einem einzigen Fall war der flache Fuß eines Kindes krankhafter Natur. Allerdings trug jedes zehnte untersuchte Kind Einlagen. Obendrein trugen einige der Kinder ihre linke und rechte Einlage vertauscht oder gar mit der Unterseite nach oben.

Einlagen behindern

Einlagen können manchmal eher schaden als nützen. Denn weil Muskelkraft zur Bildung des gesunden Fußes nötig ist, die Einlagen aber als starre Unterlage wirken und dadurch die Muskeln eher schwächen, sind Einlagen zunehmend umstritten, so obx-medizindirekt. „Ich rate meinen Patienten zu regelmäßigen Übungen, wie auf den Zehen wippen oder auf den Zehen stehen wie im Ballett oder die Füße kreisen lassen“, erklärt Hülsmann. Barfuß gehen sollte möglichst auf Waldboden, Wiesen oder Sandstrand, besser nicht auf glatten, ebenen Flächen ausgeübt werden.

Einlagen nur gezielt einsetzen

Einlagen sollten laut dem Fachmagazin „Der Allgemeinarzt“ jedenfalls ganz gezielt eingesetzt werden. Etwa bei einem Knick-Senkfuß, der brennende Schmerzen der Fußsohle verursacht und auch für Schmerzen im Stehen verantwortlich ist. Oder aber beim Spreizfuß, bei Hallux valgus (Schiefstand der großen Zehe), bei so genannter Reiterzehe (Fehlstellung der Zehen, bei der eine Zehe über der benachbarten Zehe liegt), bei Fersensporn und nach Mittelfuß- oder Fersenbeinbrüchen.
Kritik an der Verordnungspraxis übt auch der Traunsteiner Orthopädie-Schuhmacher Michael Weiß: „Einige Ärzte haben keine Ahnung, welche Materialien und Möglichkeiten es von handwerklicher Seite her gibt. Somit entsteht für den Orthopädie-Schuhmacher auch eine Zwickmühle: Rechtlich gesehen muss er das anfertigen, was auf dem Rezept steht, auch wenn der Hintergrund fraglich ist.“ Allerdings ist es für Weiß „unbestreitbar, dass Einlagen dabei helfen, schmerzhafte Fußzonen zu entlasten, damit diese sich regenerieren können“, so obx-medizindirekt.

Mag. Christian Boukal
März 2013


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020