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„Gefühlsmanagement“ am Arbeitsplatz

Gefühlsmanagement am Arbeitsplatz Gefühle gehören zum Leben; überall haben wir mit ihnen zu tun – im Berufsalltag sind sie häufig jedoch nicht erwünscht. Was dort zählt, ist Sachlichkeit. Welche Ursachen Emotionen haben, auf welche Ziele sie hinweisen und wie sie sich steuern lassen, erklärt Mag. Helga Kernstock-Redl vom Berufsverband Österreichischer Psychologen.

Gefühle sind die Sprache der Seele. In vielen Unternehmen wird diese Sprache allerdings nicht gesprochen. Denn das Zeigen von Emotionen – vor allem von vermeintlich negativen wie Wut oder Angst – ist am Arbeitsplatz nach wie vor nicht gern gesehen. Und das Ausleben dieser Emotionen wird nicht selten als Schwäche oder als Zeichen der Instabilität gewertet. „Eine Ausnahme dabei bildet das Stress-Gefühl: Es ist mittlerweile offiziell erlaubt, am Arbeitsplatz gestresst zu sein. Das Gefühl dient nicht nur als Beweis der eigenen Wichtigkeit, sondern auch als Schutzschild vor neuen Arbeitsaufträgen“, erklärt Kernstock-Redl.

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Kein Leben ohne Emotionen

Es gibt praktisch kein Leben ohne Gefühle – jeder Mensch hat Emotionen, ob diese nun ausdrückt werden oder nicht. Emotionen entstehen ständig, ohne dass das Bewusstsein dies steuert oder Menschen es beeinflussen könnten. In weiterer Folge gibt es auch keine „schlechten“ Emotionen: „Einige Emotionen sind natürlich unangenehm. Bei näherem Hinsehen jedoch haben selbst die entsetzlichsten Empfindungen eine nachvollziehbare Notwendigkeit oder einen Nutzen“, so Kernstock-Redl. Niemand ist zwar für seine Emotionen verantwortlich, in der Verantwortung eines jeden liegt es jedoch, wie man mit diesen Kräften umgeht.

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Leere durch unterdrückte Emotionen

Werden Emotionen nicht ausgedrückt, können Menschen in Zeiten von Stress oder Spannungen von den Emotionen überrollt werden: Verlust der Kontrolle über sich selbst und der Situation oder extreme Konflikte und Krisen kann die Folge sein. „Wer unangenehme Emotionen ständig verdrängt, läuft zudem Gefahr, auch die angenehmen Emotionen wegzusperren. Man wird leer und gefühllos“, so die Wirtschafts- und Gesundheitspsychologin. Gerade im Berufleben lauern viele belastende Gefühle, sei es im Kontakt mit Kunden, im Umgang mit Kollegen oder bei extremen Belastungssituationen.

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Bewusster Umgang mit Gefühlen

Emotionen lassen sich steuern. Das bedeutet jedoch nicht, dass man die eigenen Gefühle dabei streng kontrollieren muss. Die Psychologin: „Emotionsmanagement bedeutet vielmehr, mit den eigenen Gefühlen bewusst umzugehen. Ziel ist, explodieren oder runterschlucken zu vermeiden, sich von einer heftigen Reaktion nicht mitreißen zu lassen, sondern Gefühle beruhigen und sie zielgerichtet einsetzen zu können.“

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Emotionen steuern lernen

Um Gefühle bewusst zu steuern, gilt es zunächst, diese Emotionen überhaupt wahrzunehmen und sie schließlich zu bremsen, um einen Kontrollverlust zu vermeiden. „Tief durchatmen, ein Glas Wasser trinken oder sich während Besprechungen eine kurze Auszeit zu nehmen sind gesunde Werkzeuge, um ein Gefühl zu reduzieren. Dabei sollte das Gefühl jedoch nicht verdrängt, sondern lediglich gemildert werden“, rät die Psychologin. Im zweiten Schritt muss das Gefühl erforscht werden, um es zu verstehen. Ist man beispielsweise zornig, sollte man nach dem Warum fragen. Der nächste Schritt im Gefühlsmanagement beinhaltet das Suchen nach Lösungen, so die Psychologin: „Wie ist es mir früher gelungen, diese Emotion zu beeinflussen? Was würde ich mir selbst raten, um in einen guten Zustand zu kommen?“

Schlussendlich gilt es, die erarbeiteten Lösungen in die Tat umsetzen: Welche Schritte bedarf es endgültig, um die Emotion zu minimieren und das Problem zu lösen? Sind diese Schritte gesetzt, erfolgt ein Rückblick: „Es ist wichtig, dass man erfolgreiche Strategien bewusst registriert und sammelt“, so Kernstock-Redl.

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Schlüsselwort: Emotionale Kompetenz

Auch wenn Emotionen zu regulieren, nicht von heute auf morgen funktioniert, ermutigt die Psychologin zum Gefühlsmanagement. „Viele Studien belegen, dass belastende Gefühle auf Dauer die Abwehrkräfte schwächen, positive Emotionen jedoch stärkend wirken.“ Nicht zuletzt ist emotionale Kompetenz ein im Berufleben immer öfter geforderte Fähigkeit. Dies schließt ein, mit allen Emotionen – „negativen“ wie „positiven“ – selbstbestimmt umgehen zu können. Eine Fähigkeit, die sich erlernen lässt.

MMag. Birgit Koxeder
Dezember 2009


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015