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Blutgefäß in Not

Blutgefäß in NotThrombose-Vorbeugung gehört zum Langstreckenflug. Schäden an der Blutgefäßwand, unregelmäßiger Blutfluss und verdicktes Blut durch Flüssigkeitsmangel im Kreislauf – der gemeinsame Auftritt dieses Trios steigert die Gerinnungsneigung des Blutes abnorm. Dann bildet sich leicht ein Hindernis im Blutstrom – die Thrombose.

Herzklappenfehler, Rhythmusstörungen, Bewegungsmangel durch Bettlägerigkeit oder Gipsverband, eingeschränkte Durchblutung zum Beispiel durch langes beengtes Sitzen („Economy-Class-Syndrom“), langes Stehen, Entzündungen in einem Blutgefäß sowie zu wenig trinken bei starker körperlicher Anstrengung, großer Hitze, trockener Luft und bei Fieber – das sind gefährliche Wegbereiter. Zudem kann ein Gendefekt die Thromboseneigung vervielfachen. Auch Rauchen, vor allem in Verbindung mit der Pille oder einer Hormonersatztherapie, ist thrombosefördernd.

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Gefährlicher Streuner

Ein Blutgerinnsel heißt Thrombose, solange es an seinem Entstehungsort sitzt. Sobald der Pfropfen in andere Herz-Kreislauf-Bereiche abwandert, wird er zur Embolie. Ein Blutklumpen, der über eine Halsarterie ins Gehirn gelangt, wird zum Schlaganfall. Eine Lungenembolie tritt auf, wenn das Gerinnsel etwa aus einer Beinvene in den Lungenkreislauf verschleppt wird und dort die Lungendurchblutung und damit den Sauerstoffaustausch beeinträchtigt – bis zum völligen Kreislaufversagen.

Kniearthroskopien – ein scheinbar minimaler Eingriff – sind häufige Thromboseauslöser, ebenso wie Sehnen- und Gefäßoperationen an den Beinen, Knochenbrüche und Verbrennungen. Der Thrombosevorbeugung gilt in der Chirurgie großes Augenmerk. Trotzdem gelingt sie nicht immer, weil mehrere Risikofaktoren gemeinsam oft stärker sind als die sorgfältigste Prophylaxe. Schwangerschaft und Geburt bedeuten eine erhöhtes Thromboserisiko vor allem der Beckenvenen. Eine Thrombose in den Armvenen kann nach schwerer körperlicher Tätigkeit wie zum Beispiel Holzhacken auftreten, etwa wenn die Anstrengung eine innere Gefäßverletzung hervorgerufen hat. Wenn eine Thrombose wie aus heiterem Himmel auftaucht, ohne vorangegangenes verdächtiges Ereignis, ist immer auch nach einem eventuellen Tumorgeschehen zu suchen. Tumore vor allem des blutbildenden Systems verändern das Blutbild, andere können wichtige Blutwege einengen. Thrombosen sind anfangs oft unauffällig, warnt Priv.-Doz. Dr. Clemens Steinwender von der 1. Medizinischen Abteilung am AKh Linz. Eine Nierenvenenthrombose macht sich etwa erst sehr spät durch Übelkeit und schlechten Allgemeinzustand bemerkbar. Ähnliche Spätsymptome und Schmerzen im rechten Oberbauch begleiten die Lebervenenthrombose. Eine Thrombose der Hohlvene führt zu schmerzhaften Schwellungen bis zur bläulichen Färbung der Beine. Auch in Augen- und Gehirnvenen kommen Thrombosen vor. Am allerhäufigsten aber befallen sie die tiefer gelegenen Beinvenen – für den Laien der Inbegriff eines Thromboseleidens.

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Aktiv vorbeugen

Der heimtückische Prozess beginnt meist nur mit leichten Wadenschmerzen ähnlich einem Muskelkater. Eine sichere Diagnose bringen Ultraschall und Phlebografie, wo im Röntgenbild die Verteilung eines injizierten Kontrastmittels in der Vene sichtbar wird. Eine spürbare Entzündung mit heißer Rötung und Schmerzen betrifft meist nur die oberflächlichen Beinvenen. Krampfadern stellen nur dann ein Thromboserisiko dar, wenn gleichzeitig eine Blutverdickung und Gefäßwandschädigung besteht. Als venenfreundliche Beinübung nicht nur auf Reisen dient die Wadenpumpe – aus der Ferse mehrmals auf die Zehenspitzen wippen. Dabei drücken die Muskeln das Blut durch die Venenklappen in Richtung Herz. Kompressionsstrümpfe haben den Zweck, das Blut in die tiefen Beinvenen zu pressen und dort den Blutstrom zu beschleunigen. Aspirin als Reiseprophylaxe ist sinnlos, weil es nur in den Arterien, nicht aber in den Beinvenen wirkt.

Blutgerinnungshemmer wie Heparin und Hirudin beeinflussen direkt bestimmte Gerinnungsfaktoren, werden aber nur kurzfristig eingesetzt, weil sie nur als Injektion beziehungsweise Salbe verfügbar sind. Pflanzliche Blutgerinnungshemmer wie Marcoumar – sogenannte Cumarinderivate – sind Gegenspieler des gerinnungsfördernden Vitamins K. Ihre Langzeitanwendung ist eine schwierige Gratwanderung zwischen erwünschten und unerwünschten Wirkungen. Priv.- Doz. Dr. Steinwender ist jedoch sicher, dass schon in naher Zukunft die heute gebräuchlichen Gerinnungshemmer durch die neue Arzneimittelgruppe der Gatrane ersetzt werden. Diese sollen leicht dosierbar sein und können in Tablettenform verabreicht werden. Dann wird auch vor dem unbeschwerten Langstreckenferienflug statt der Spritze eine Pille zur Thrombosevorbeugung bereitstehen.

Klaus Stecher
Juli 2012


Foto: © Matthias Balzer / pixelio.de, shutterstock, privat

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Kommentar

Blutgefäß in Not„Jedem ab 40 würde ich vor einem Transatlantikflug eine Heparinspritze empfehlen. Schon drei bis vier Stunden Reisezeit sind Anlass für eine Thrombosevorbeugung mit viel Bewegung und viel Trinken – aber ohne Alkohol.“
Priv.-Doz. Dr. Clemens Steinwender
Innere Medizin, Kardiologie und Intensivmedizin, AKh Linz

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020