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Vom Fieber geschüttelt

Vom Fieber geschütteltEin Fieberkrampf ist ein dramatisches Ereignis. Die Kinder sind plötzlich nicht mehr ansprechbar, zucken mit Armen und Beinen und verkrampfen sich. Da bekommt man es als Mama oder Papa schon mal mit der Angst zu tun. Gut zu wissen, dass Fieberkrämpfe in der Regel nicht lebensbedrohlich sind.

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Was ist ein Fieberkrampf?

Ein Fieberkrampf ist eine Reaktion des kindlichen Gehirns auf Fieber mit einem Krampfanfall. Eine erblich bedingte Veranlagung kann dabei eine Rolle spielen. „Ein Fieberkrampf tritt plötzlich und ohne Warnzeichen auf. Kleinkinder fiebern schnell hinauf. Und bei Kleinkindern ist die Bereitschaft zu Krampfanfällen höher als bei Erwachsenen“, erläutert Dr. Roswitha Meindl, Oberärztin an der Landes- Frauen- und Kinderklinik Linz. Deshalb sind Fieberkrämpfe bei Kindern zwischen sechs Monaten und fünf Jahren auch keine Seltenheit – drei bis fünf von 100 sind davon betroffen.

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Wie gefährlich ist ein Fieberkrampf?

Die heftigen Symptome ähneln denen eines epileptischen Anfalls. Fieberkämpfe hinterlassen bleibende Erinnerungen, aber keine bleibenden Schäden, vor allem wenn sie einfach verlaufen, also nicht länger als 15 Minuten dauern. „Dauert der Krampfanfall länger als 15 Minuten, spricht man von einem komplizierten Fieberkrampf; dann handelt es sich um einen Notfall“, erklärt Meindl. In der Regel endet ein Fieberkrampf jedoch nach fünf bis zehn Minuten von selbst. Die Kinder sind dann oft benommen und sehr müde und schlafen bald darauf ein.

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Wie reagiert man am besten?

Klingt einfach, ist es aber nicht: Die Eltern sollten in erster Linie Ruhe bewahren. „Versuchen Sie nicht, das Kind festzuhalten und die Zuckungen zu unterdrücken. Legen Sie das Kind in sein Bett oder auf eine Decke am Boden, damit es sich nicht verletzen kann. Decken Sie es mit einem leichten Laken zu. Wenn es erbricht, drehen Sie es vorsichtig zur Seite, damit das Erbrochene nicht in die Lunge gelangt“, rät Meindl. Das Kind sollte im Anschluss an einen Fieberkrampf in jedem Fall hausärztlich untersucht werden, um schwerere Erkrankungen wie Meningitis oder Enzephalitis ausschließen zu können. Wenn ein Anfall länger als zehn Minuten dauert oder mehrmals auftritt, empfiehlt es sich, den Notarzt zu alarmieren.

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Kann man Fieberkrämpfen vorbeugen?

Vor dem ersten Anfall weiß man in der Regel nichts von der Krampfneigung seines Kindes. Nach dem ersten Anfall aber sehr wohl. Dann sollte man bei einem neuerlichen fieberhaften Infekt einen Temperaturanstieg über 38,5 °C verhindern – mit Essigpatschen und/oder fiebersenkenden Medikamenten. Bei letzteren gilt es jedoch, die empfohlene Menge einzuhalten. Trotzdem: Bei aller Vorbeugung kann es wieder zu einem Fieberkrampf kommen. „Eltern dürfen sich hier keine Vorwürfe machen, ein Krampfanfall lässt sich oft einfach nicht verhindern“, betont die Spezialistin. Kommt es zu einem Fieberkrampf, sollte man dem Kind das vom Arzt verschriebene krampflösende Medikament (enthält meist Diazepam) rektal verabreichen. „Diese Rectiolen sollen aber nicht prophylaktisch gegeben werden – Untersuchungen haben gezeigt, dass man dadurch Fieberkrämpfe nicht sicher verhindern kann“, sagt Meindl.

 

Michael Leithinger
Juni 2008

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020