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Juckreiz: Alarmglocke

Juckreiz: AlarmglockeJuckreiz kann ansteckend sein. Für manche Menschen ist es zum „Aus-der-Haut-Fahren“. Aber nicht Ärger oder Wut machen ihnen das Leben schwer, sondern unerträglicher Juckreiz. Der ist ein wichtiges Warnsignal unseres Körpers. Oft weist der Juckreiz auf organische Krankheiten hin.

An der Haut war nichts zu sehen, aber sie hat trotz Eincremen permanent gejuckt. Es war mir nicht nur vor den anderen Leuten peinlich, sondern hat mich verrückt gemacht“, erzählt Birgit S. Besonders schlimm war es in der Nacht. Stundenlang machte sie kein Auge zu, weil es permanent am Rücken, Bein, Bauch und Gesicht juckte. Als Birgit S. einen Bluttest machte, kam die richtige Diagnose ans Licht: Cholestase – eine Störung des Gallenflusses aus der Leber. Die Störung wurde behandelt, seitdem ist Birgit S. „juckfrei“.

In vielen Fällen, wie bei Birgit S., steckt die Ursache des Juckreizes gar nicht in der Haut. „Hinter dem Juckreiz ohne sichtbare Hautveränderungen steckt hingegen sehr oft eine Erkrankung der inneren Organe, die durch umfangreiche Untersuchungen abgeklärt werden muss“, informiert Dr. Gernot Lechner, Dermatologe am Klinikum Wels-Grieskirchen. Nieren- und Lebererkrankungen, Stoffwechselstörungen, Blut- und Nervenerkrankungen können dafür verantwortlich sein. Und nicht zuletzt kann Pruritus, wie der Juckreiz in der Fachsprache heißt, auch psychische Ursachen haben. Bei Hautkrankheiten, wie beispielsweise Neurodermitis, Pilzinfektionen, Nesselsucht, Verhornung oder Sonnenallergien, die Juckreiz auslösen können, stehen bei der Behandlung die Hauttrockenheit und die Entzündung der Haut im Vordergrund. „Werden die Hauttrockenheit und auch die Entzündung der Haut behandelt, wird automatisch auch der Juckreiz besser“, erklärt Gernot Lechner. Wenn Allergien das Jucken auslösen, helfen antiallergische Medikamente (Antihistaminika). Akuter Juckreiz wie nach Insektenstichen hält meistens nicht lange an. Dr. Gernot Lechner: „Eine Ausnahme ist die Krätzmilbe, die unbehandelt jahrelang in der Haut verbleiben kann und vor allem bei Wärme chronisch und quälend juckt. Gottlob kann sie gut behandelt werden.“

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Teufelskreis Kratzen

Bewusst und ohne medizinische Behandlung lässt sich gegen den Juckreiz kaum etwas machen. Kratzen wirkt erleichternd, weil kurzfristig die oberflächlich gelegenen Juckreiz-Rezeptoren zerstört werden und das Gehirn durch den Schmerz das Juckreizempfinden überlagert. Doch die Erleichterung ist nicht von langer Dauer. Die nächste Kratzattacke kommt mit Sicherheit, weil die Rezeptoren „nachwachsen“. Sogenannte Spiegelneuronen im Gehirn sind übrigens dafür verantwortlich, dass Juckreiz „ansteckend“ ist. Die „geistige Infektion“ verläuft – ähnlich wie beim Gähnen – über die Imitation.

Pruritus wird durch mechanische oder thermische Reizungen direkt oder indirekt über chemische Botenstoffe ausgelöst. Dieses Signal wird dann von bestimmten Nervenfasern ins Gehirn weitergeleitet, wo unmittelbar das Verlangen zum Kratzen ausgelöst wird. Grundsätzlich steckt hinter dem Juckreiz eine sinnvolle Absicht des Körpers, sich vor schädigenden Einflüssen wie hautreizenden Pflanzen oder Parasiten zu schützen, indem diese durch Kratzen oder Wischen entfernt werden.

Wirklich Sicherheit über die Ursache von anhaltendem und unerträglichem Juckreiz gibt nur eine ärztliche Diagnose. Nur wer die Ursache kennt, kann sichergehen, dass hinter dem lästigen Jucken nicht eine ernsthafte Krankheit steckt.

Mag. Kornelia Wernitznig
Jänner 2013


Foto: Bilderbox, privat

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Das hilft, wenn‘s juckt


  • Kühlende feuchte Umschläge, etwa mit schwarzem Tee
  • Luftige, keine synthetische Kleidung
  • Lauwarmes Duschen statt heißer Bäder
  • Regelmäßiges Einfetten der Haut bei Hauttrockenheit
  • Vermeidung von Alkohol und stark gewürzten Speisen
  • Kühles Klima im Schlafzimmer

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Kommentar

Juckreiz: Alarmglocke„Um eine Linderung das Juckreizes zu erreichen, kann bei verschiedenen entzündlichen Hautkrankheiten die Anwendung von Cortison erforderlich sein. Das soll grundsätzlich nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.“
OA Dr. Gernot Lechner
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten am Klinikum Wels-Grieskirchen

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020