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Hörprobleme bei Kindern frühzeitig behandeln

Hörprobleme bei Kindern frühzeitig behandelnHörprobleme können die Entwicklung von Kindern beeinträchtigen und sollten deshalb so früh wie möglich erkannt werden. Nicht nur das im Mutter-Kind-Pass vorgeschriebene Hörscreening, sondern auch die Beobachtung durch die Eltern sind wesentliche Parameter bei der Feststellung einer Schwerhörigkeit, wie Dr. Thomas Keintzel vom Klinikum Wels-Grieskirchen erklärt.

Zirka ein bis zwei von 1.000 Kindern kommen jährlich in Österreich mit schweren Hörproblemen auf die Welt. Dabei handelt es sich meist um eine Schallempfindungsschwerhörigkeit, die durch Schäden im Innenohr verursacht wird. „Unter dieser hochgradigen Hörstörung leiden rund 100 Neugeborene pro Jahr in Österreich“, so Primarius Dr. Thomas Keintzel, Leiter der Abteilung für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten am Klinikum Wels-Grieskirchen. Viel häufiger tritt eine Schallleitungsschwerhörigkeit auf. Dabei handelt es sich um eine Hörstörung, die das äußere Ohr oder das Mittelohr betrifft und auf eine Störung der Schallübertragung zurückzuführen ist. Mögliche Ursachen sind ein Verschluss des Gehörgangs durch einen Ohrenschmalzpfropf (Cerumen), ein Mittelohr-Erguss (Ansammlung von Flüssigkeit) oder eine Mittelohrentzündung. 30 bis 40 Prozent aller Kinder sind von dieser Form der Schwerhörigkeit betroffen. „Der Altersgipfel liegt zwischen dem ersten und dem dritten Lebensjahr“, weiß der Facharzt für HNO-Krankheiten.

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Folgen von Hörstörungen: Unsicherheit und Sprachentwicklungsstörungen

Hörprobleme können nicht nur die Sprachentwicklung beeinflussen, sondern in weiterer Folge auch die soziale Entwicklung des Kindes. Viele Kinder werden verunsichert und ziehen sich zurück, sie sind ängstlich und haben wenig Selbstvertrauen. Um eine gute Entwicklung der betroffenen Kinder sicherzustellen, ist eine rechtzeitige Diagnose der Hörstörung entscheidend. „Da die Hörbahnreifung mit drei Jahren abgeschlossen ist, sind die Heilungschancen bei frühzeitiger Behandlung deutlich besser. Eine wertvolle Untersuchung ist das Neugeborenen-Hörscreening. Dadurch konnte der Diagnosezeitpunkt von 37,6 auf 3,9 Monate gesenkt werden“, erklärt Keintzel.

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Schmerzloses Hörscreening

Dieses Hörscreening ist im Mutter-Kind-Pass vorgeschrieben. Bei der Untersuchung wird eine Sonde in den Gehörgang eingeführt, die ein Schallsignal absendet. Das gesunde Ohr antwortet mit einem nicht hörbaren Echo (eine so genannte otoakustische Emission), das über ein Messgerät nachgewiesen wird. Das Hörscreening ist völlig schmerzfrei für die kleinen Patienten.

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Wie Eltern eine Schwerhörigkeit erkennen

Neben der Untersuchung durch den HNO-Arzt ist aber auch die Beobachtung des Kindes durch die Eltern wichtig. Eltern sollten deshalb immer wieder die Reaktion ihres Kindes auf akustische Reize überprüfen. Ständiges Falschverstehen, häufiges Nachfragen, lautes Sprechen und fehlendes Konzentrationsvermögen können wichtige Hinweise auf eine bestehende Schwerhörigkeit liefern. „Sprechen Kinder sehr undeutlich, indem sie beispielsweise Buchstaben verschlucken, oder reagieren sie nicht, wenn man ihnen von hinten zuruft, kann das auf eine Hörstörung deuten“, betont der Mediziner.

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Therapie: Von Medikamenten bis zum Implantat

Die Therapie der Schwerhörigkeit hängt von der Ursache ab. Schallleitungsstörungen lassen sich meist gut durch Medikamente oder in selteneren Fällen durch eine Operation beheben. Leidet das Kind unter einer Schallempfindungsstörung, kommen Hörgeräte zum Einsatz. „Reichen diese Maßnahmen nicht aus und sind trotz Hörgerät keine Fortschritte bei der Sprachentwicklung feststellbar, greift man auf das Cochlea Implantat zurück“, so der Facharzt.

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Cochlea Implantat für taube Kinder

Cochlea Implantate werden noch im ersten Lebensjahr in die Hörschnecke, die auch als Cochlea bezeichnet wird, eingesetzt. Das Implantat besteht aus Mikrofon, Sprachprozessor, Sendespule und dem eigentlichen Implantat. Dr. Thomas Keintzel: „Kinder mit Implantat haben, wenn sie keine zusätzlichen Beeinträchtigungen aufweisen, eine annähernd gleich gute Hör- und Sprachentwicklung wie hörgesunde Kinder.“

MMag. Birgit Koxeder
Februar 2011


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020