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Endometriose: Fehlgeleitet

Hinweisschild GynäkologieRechtzeitig entdeckt, ist eine Endometriose gut behandelbar. An ihr erkranken nur Frauen im gebärfähigen Alter, sie kann schmerzfrei verlaufen und im schlimmsten Fall zu Unfruchtbarkeit führen: Bei einer Endometriose setzen sich Teile der Gebärmutterschleimhaut im Unterbauch fest, statt ihn während der Menstruation zu verlassen.

Wie jedes hohle Organ im menschlichen Körper wird auch die Gebärmutter von einer Schleimhaut ausgekleidet. In ihr können sich befruchtete Eizellen einnisten. „Passiert das nicht, werden die Zellen der Schleimhaut mit der Regelblutung abgestoßen“, erklärt Primar Dr. Wolfgang Stummvoll, Leiter der gynäkologischen Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz. Deshalb erneuert sich die Schleimhaut der Gebärmutter im wahrsten Sinn des Wortes „regel-mäßig“. „Normalerweise verlassen die Schleimhautzellen mit der monatlichen Menstruation durch die Scheide den Körper“, so Stummvoll. Bei Frauen, die an einer Endometriose leiden, können einzelne Zellen durch den Eileiter in den Bauchraum wandern und sich dort einnisten. Sie vermehren sich und können zu inneren Blutungen und zu Entzündungen führen. Primar Stummvoll: „Eine chronische Entzündung verursacht Verwachsungen und eine fortschreitende Vernarbung des Gewebes kann zu langsam zunehmenden Schmerzen führen.“

Frauen, die während der Regel, beim Geschlechtsverkehr oder beim Stuhlgang immer wieder Schmerzen im Unterbauch haben, sollten unbedingt einen Arzt aufsuchen. Eine Endometriose kann auch am Mastdarm entstehen, der hinter der Gebärmutter liegt. „In diesem Fall verläuft eine Endometriose meistens sehr schmerzhaft und die Herde müssen operativ entfernt werden. Bereitet die Endometriose am Darm keine Beschwerden, ist auch keine Operation notwendig“, sagt der Mediziner.


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Jede zweite Frau

Eine Endometriose kann aber nicht nur Schmerzen verursachen, sondern sogar zu Unfruchtbarkeit führen. „Etwa die Hälfte der Frauen, die keine Kinder bekommen können, hat eine Endometriose“, berichtet Stummvoll. „Daher sollten sich Frauen mit Kinderwunsch einmal jährlich gynäkologisch untersuchen lassen. Oft verursacht eine Endometriose keine Schmerzen. Die Gefahr, dass sie unentdeckt bleibt, ist daher groß.“ Eine Endometriosezyste ist am Ultraschallbild gut erkennbar. Wolfgang Stummvoll: „Ist sie sehr klein, muss sie noch nicht sofort entfernt, aber unbedingt regelmäßig kontrolliert werden.“ Erst wenn sie sich vergrößert oder vermehrt, ist eine Operation notwendig.

Oft muss es aber gar nicht zu einer Operation kommen. In leichten Fällen kann eine Endometriose mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln oder einer Hormonbehandlung therapiert werden. Primar Stummvoll: „Sehr gut wirkt auch die Pille. Sie gaukelt dem Körper eine Schwangerschaft vor, indem sie die Eierstockfunktion unterdrückt. Das bremst in der Folge auch die Endometriose. Erst wenn Schmerzmittel oder die Pille nicht wirken, muss operiert werden.“

Nach den Wechseljahren wird in der Gebärmutter keine Schleimhaut mehr produziert. Die Gefahr, an Endometriose zu erkranken, ist dann vorbei.

Cornelia Schobesberger
März 2009

Foto: Bilderbox, privat

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Kommentar

Endometriose: Fehlgeleitet„Zwei bis zehn Prozent der Frauen zwischen der Pubertät und dem Wechsel leiden an einer Endometriose. Die Krankheit ist nicht erblich und wächst sich nur äußerst selten zu einer bösartigen Erkrankung aus.“
Prim. Dr. Wolfgang Stummvoll
Leiter der Abteilung Gynäkologie am KH der Barmherzigen Schwestern in Linz

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020