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Dr. Google weiß nicht alles

Dr. Google weiß nicht alles_shutterstockInternet ersetzt keine ärztliche Diagnose. Internetseiten mit medizinischen Informationen boomen. Sie sind leicht zugänglich, kostenlos und geben viele Antworten auf Fragen von Patienten. Um an seriöse Informationen zu gelangen, sollte man einige Qualitätsmerkmale beachten.

Es zwickt im Kreuz, die Nase rinnt oder das Knie tut weh. Kein Problem, wenn gerade kein Arzt erreichbar ist, denn es gibt ja das Internet. Immer mehr Menschen informieren sich zuerst einmal dort, wenn sie Schmerzen verspüren. „Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Wenn einem etwas wehtut, erkundigt man sich ja auch im Bekanntenkreis, ob jemand Abhilfe weiß oder bereits eine ähnliche Krankheit hatte“, sagt Raimund Dehmlow vom Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem (afgis) e. V., Hannover. Hier werden Qualitätssiegel für medizinische Seiten im Internet vergeben. Allerdings ist das Internet ein sehr weites Feld, nicht jede Information ist hilfreich. afgis empfiehlt daher, einige Merkmale zu überprüfen, bevor man sich den Rat einer Internetseite zu Herzen nimmt. Zunächst sollte man schauen, wie alt die dargebotenen Inhalte sind. „Es nützt wenig, wenn die Seite schon fünf Jahre lang nicht mehr aktualisiert worden ist. Auf solche Informationen kann man sich nicht verlassen“, meint Dehmlow.


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Quellenangaben

Wichtig sind auch Quellenangaben. Auf einer seriösen Seite sollte ersichtlich sein, wer die Informationen anbietet, und woher er sie hat. Gibt ein Mediziner einen Rat, so kann man davon ausgehen, dass dieser über die entsprechende Qualifikation und Erfahrung verfügt. Auf der Seite einer Selbsthilfegruppe hingegen sollten Schilderungen als Erfahrungsberichte gekennzeichnet sein. „Auf keiner ernstzunehmenden Seite wird man den Rat eines Mediziners finden, man möge vom Medikament X drei Tabletten täglich nehmen und dann werde alles gut“, warnt Dehmlow. Denn auch wenn viele Seiten und Portale umfassende und gute Informationen bieten, ein Krankheitsverlauf ist immer individuell, und die vielen Faktoren, die ihn beeinflussen, kann nur ein Arzt richtig einschätzen. Wenn ein bestimmtes Medikament einer Person hilft, heißt das noch lange nicht, dass es auch bei jemand anderem positiv wirkt. Der Arzt wird auf Nebenwirkungen und Kontraindikationen achten – das kann das Internet nur begrenzt. Sauber getrennt müssen bei medizinischen Informationen Werbung und redaktionelle Beiträge sein. Eine vermeintlich objektiv-informative Seite zum Thema Haarausfall, die von einem Hersteller von Haarwuchsmitteln gesponsert wird, ist unseriös – erst recht, wenn die „Experten“ auf der Seite die Information geben, bloß das Mittel Y könne gegen Glatzenbildung helfen, und man auch gleich zur Bestellmöglichkeit weitergeleitet wird. Dehmlow: „Das ist plumpe Werbung, man sollte sich daher immer gut ansehen, wer überhaupt etwas ins Internet stellt und von wem es finanziert wird.“

Grundsätzlich sollte man es bei der Suche nach medizinischen Informationen im Internet so halten wie im „richtigen“ Leben auch – also im Fall der Krankheitsfälle eine Zweitmeinung einholen. Das bedeutet: nicht alle Tipps auf einer Seite eins zu eins als Handlungsanleitung verstehen, sondern sich zu einem Thema bei verschiedenen Anbietern informieren. Und schon beim Verdacht auf eine ernsthafte Erkrankung einen Arzt aufsuchen. Gesundheit kommt immer öfter auch auf das Handy. All jene, die ein Smartphone haben, können sich aus dem Internet Apps herunterladen. App, das ist die Abkürzung für Application und bezeichnet ein Programm, das man über einen Onlineshop direkt auf das Handy laden kann. Natürlich gibt es mittlerweile auch jede Menge medizinische Apps, die man entweder gratis oder für ein paar Euro bekommt. „Der deutschsprachige Markt steckt allerdings noch in den Kinderschuhen“, sagt Sebastian Merkel vom Institut Arbeit und Technik der Fachhochschule Gelsenkirchen, der sich ausführlich mit medizinischen Apps beschäftigt.

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Kleine Assistenz im Alltag

Die meisten Nutzer wollen reine Information, interessieren sich etwa für bestimmte Krankheitsbilder, die Öffnungszeiten von Nachtapotheken oder Therapiemöglichkeiten. Beliebt sind auch Diätprogramme oder Trainingspläne zur Stärkung der Rückenmuskulatur. Das Smartphone übernimmt jedoch bei mehr und mehr Usern auch bestimmte Funktionen. So gibt es Programme, die an die Einnahme von Tabletten erinnern, mit denen man Blutzuckertagebücher oder Lauftagebücher führen kann. „Das sind kleine Assistenzen im Alltag und es schadet nicht, wenn die Benutzer sich dadurch mehr mit ihrer Gesundheit oder ihrem Körper beschäftigen“, sagt Merkel. Klar müsse jedoch auch hier sein: Die Informationen eines App können den Arztbesuch nicht ersetzen. Für Apps gibt es zurzeit noch kein einheitliches Qualitätssiegel. Bewertungen, die im Internet zu finden sind, werden von anderen Nutzern erstellt und sind nicht wissenschaftlich belegt.

Birgit Baumann
Juni 2012

Foto: shutterstock, privat

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Kommentar:

Kommentarbild_Dr. Google_Dehmlow„Wer sich auf medizinischen Seiten im Internet informiert, sollte schauen, ob die Informationen noch aktuell sind. Wichtig ist auch zu wissen, wer für den Inhalt verantwortlich ist. Man darf nie vergessen: Eine individuelle Beratung durch den Arzt können Informationen aus dem Internet nicht ersetzen.“
Raimund Dehmlow
Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem, Hannover

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020