DRUCKEN

Übelkeit oder Herzinfarkt: Bis zum Erbrechen

Frau hält sich den BauchÜbelkeit kann auch ein Zeichen für Herzinfarkt sein. Wenn es Frauen den Magen umdreht, sind sie nicht automatisch schwanger oder leiden an einer Magenverstimmung. Vielmehr kann Übelkeit ein Zeichen für eine psychosomatische Erkrankung oder gar für einen Herzinfarkt sein.

Frauen ist öfter schlecht als Männern“, sagt Mag. Martha Scholz, Leiterin des Frauengesundheitszentrums (FGZ) Wels. Der Grund ist sprichwörtlich erklärt: Frauen liegt mehr im Magen. Erbrechen ist eine Form der Abwehr – wenn man nichts mehr schlucken kann, muss es auf diesem Weg heraus. „Aufgrund der Erziehung haben Frauen gelernt, demütig, liebe- und verständnisvoll zu sein. Viele trauen sich nicht, ihre Meinung zu äußern, sich zu widersetzen, und fressen alles in sich hinein“, so Scholz.
 

zum Seitenanfang springen

Mehrfachbelastung

Zudem existiert nach wie vor die traditionelle Rollenverteilung. Die Frau ist für Familie, Haushalt und Pflege von Angehörigen zuständig, die Rolle des Mannes beschränkt sich oft auf die Existenzsicherung. Da aber viele Frauen zusätzlich berufstätig sind, entsteht eine Mehrfachbelastung. „Das verursacht einen extremen Stress bei Frauen, was fast schon der Normalzustand ist“, unterstreicht die Expertin und belegt mit Zahlen, um wie viel weniger Freizeit das weibliche Geschlecht hat: Ein voll berufstätiger Mann zwischen 30 und 55 Jahren, der daheim mithilft, kommt auf 48 Arbeitsstunden pro Woche. Eine Frau, die Vollzeit tätig ist, schafft insgesamt 65 Stunden wöchentlich. „Das kann sich auf den Magen schlagen, der sich dann umdreht“, so Scholz. Die Folgen der Dauerbelastung können ein Burn-out sowie Magen-, Darm- und Herz-Kreislauf- Beschwerden sein. 

zum Seitenanfang springen

Andere Verdauung

Aber nicht nur Stress ist Auslöser für Übelkeit, denn: „Auch der Verdauungstrakt funktioniert bei Frauen anders als bei Männern“, erläutert die Leiterin des FGZ. Speisen werden von Frauen weniger schnell verdaut und liegen damit länger im Magen. Auch Getränke werden langsamer absorbiert. Das erklärt, warum Frauen weniger Alkohol vertragen als Männer. Zudem leiden Frauen – hormonell bedingt – öfter unter Gallensteinen. Auch Essstörungen sind fest in weiblicher Hand: Bis zu 97 Prozent der Betroffenen sind weiblich. „Und da laut Sprichwort im Darm die Seele sitzt, leiden Frauen sechsmal häufiger an Reizdarm als Männer“, sagt Scholz, die auf einen weiteren gravierenden Unterschied hinweist: die Symptome eines Herzinfarktes. Während ein Mann ein Stechen in der Brust und ein Ziehen im Arm verspürt, kann eine Frau an Unwohlsein, Schwindelgefühl, Rücken- und Nackenschmerzen sowie Übelkeit leiden. Dazu Scholz: „Der Weg vom Herz zum Magen ist bei der Frau kürzer, die Schmerzen strahlen in den Magen aus. Umgekehrt kann es aber auch passieren, dass Herzbeschwerden in Wirklichkeit Magenschmerzen sind.“ Sie rät daher allen Frauen, denen oft schlecht ist, unbedingt einen Arzt aufzusuchen: „Frauen neigen oft dazu, ihr Leiden herunterzuspielen. Auf der anderen Seite werden Frauen von Medizinern aber öfter abgespeist. Eine Frau muss erst beweisen, dass sie so krank ist wie ein Mann, damit sie ernst genommen wird.“ Das heißt: Hat sich eine Frau zum Arztbesuch entschlossen, sollte sie unbedingt auf einer genauen Abklärung ihrer Übelkeit bestehen. „Der Mediziner sollte nicht nur eine genaue körperliche Untersuchung durchführen, sondern auch psychische und soziale Faktoren einbeziehen.“ Ist einer Frau wegen psychosomatischer Ursachen schlecht, muss abgeklärt werden, was ihr im Magen liegt. „In diesem Fall helfen eine Beratung, Psychotherapie oder Coaching“, so Scholz.

Cornelia Schobesberger
September 2009

Foto: Bilderbox, privat

zum Seitenanfang springen

Kommentar

Übelkeit oder Herzinfarkt: Bis zum Erbrechen„Frauen leiden öfter an Übelkeit, weil sie dazu neigen, viel hinunterzuschlucken. Das sollte jedenfalls vom Arzt abgeklärt werden, weil die Übelkeit ein Hinweis auf eine ernste Erkrankung sein kann – etwa einen Herzinfarkt.“
Mag. Martha Scholz
Leiterin PGA-Frauengesundheitszentrum, Wels

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020