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Eisenmangel: Kranke Blässe

Kranke BlässeMeist steckt hinter der Anämie ein Eisenmangel. Wenn die Medien von Anämie sprechen, meinen sie wissenschaftlich den Mangel an rotem Blutfarbstoff. Dahinter verbirgt sich aber eher ein Bündel von Symptomen und Ursachen, als eine einheitliche Erkrankung. Hinter der Blutarmut – so der deutsche Name – verbirgt sich immer eine andere Krankheit oder eine Mangelerscheinung. Deshalb ist eine Anämie ein Alarmsignal des Körpers. Die meisten Ursachen einer Blutarmut sind harmlos und lassen sich gut behandeln – aber eben nicht alle...


Die Wissenschaft listet je nach Ursache und klinischem Bild mehr als ein Dutzend verschiedene Arten von Anämien auf, die sich weiter in Unterarten verästeln. Allen gemeinsam ist, dass der Sauerstofftransport im Blut nicht mehr ausreichend funktioniert. Die Unterversorgung des Körpers mit dem lebenswichtigen Gas führt zu einer Reihe von Symptomen, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können: Eine Blässe von Haut und Schleimhäuten wird begleitet von Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und allgemein verminderter Leistungsfähigkeit sowie Kopfschmerzen und Herzklopfen. In manchen Fällen ist ein schwarzer oder blutiger Stuhl ein Hinweis auf Blutungen und eine damit verbundene Anämie. All das ist jedenfalls Grund genug einen Arzt aufzusuchen. Univ.-Prof. Dr. Ulrich Jäger, Leiter der hämatologischen Abteilung an der Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin: „Für die Diagnose ist es wichtig zu wissen, ob sich die Symptome schleichend über Monate entwickelt haben oder plötzlich aufgetreten sind.

Letzteres wäre ein starkes Indiz für einen raschen Blutverlust als Auslöser der Anämie.“ In der überwiegenden Mehrheit der Fälle wird jedoch eine Anämie diagnostiziert, die auf einen Eisenmangel zurückzuführen ist. Dieses Metall spielt bei der Versorgung des Körpers mit Sauerstoff eine entscheidende Rolle. Den Sauerstofftransport besorgen die roten Blutkörperchen oder Erythrozyten. Ein Erwachsener verfügt insgesamt über rund 25 Billionen dieser scheibchenförmigen Zellen. Ihr wichtigster Bestandteil ist der Blutfarbstoff Hämoglobin, der aus Eiweiß und einer Eisenverbindung besteht, die Sauerstoff an sich binden kann. Bei einem Eisenmangel kann nicht genug Sauerstoff gebunden und transportiert werden.

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Entwarnung für die Vegetarier

Professor Jäger: „In den meisten Fällen ist Eisenmangel der Auslöser einer Anämie. Glücklicherweise lässt sich das meist ebenso leicht diagnostizieren wie behandeln.“ Bei einer Blutuntersuchung wird nicht nur die Zahl der roten Blutkörperchen bestimmt, sondern auch der Hämoglobingehalt und der so genannte Hämatokrit-Wert, der anzeigt, wie hoch der Anteil der Blutkörperchen am Gesamtvolumen des Blutes ist. Die WHO hat festgelegt, dass unterhalb eines Hämoglobinwertes von 13,0 Gramm pro Deziliter Blut bei Männern und von 12,0 Gramm bei Frauen eine Anämie vorliegt. Zur Verunsicherung von Patienten und Hausärzten führt die verbreitete Praxis mancher Labors, eigene Grenzen festzulegen. Ulrich Jäger: „Unverständlicherweise gibt es Labors, die etwa schon bei einem Hämoglobinwert von 14 Gramm pro Deziliter ein Sternderl dazumachen und so für unnötige Aufregung sorgen.“


Der Hämatologe kann auch in einem anderen Zusammenhang Entwarnung geben: „Die verbreitete Meinung, dass eine vegetarische Ernährung zu Eisenmangel und damit zu Anämie führen kann, stimmt ganz eindeutig nicht.“ Das gilt auch für Vitamin B12 und Folsäure. Ein Mangel an diesen Vitaminen führt zu einer Anämie, weil sie eine wichtige Rolle bei der Zellteilung der roten Blutkörperchen spielen. Wie übrigens auch beim Eisen legt der Körper bei Vitamin B12 und Folsäure Speicher an, die den Bedarf im Normalfall zumindest über mehrere Monate hinweg decken kann. In seltenen Fällen kann eine Anämie auch ein Hinweis auf eine gefährliche Erkrankung sein. Blutungen im Verdauungstrakt oder der Gebärmutter können sich dahinter ebenso verbergen wie Tumore oder Blei- und Arsenvergiftungen.


Auch seltene Erkrankungen des Knochenmarks, die die Bildung gesunder Blutkörperchen verhindern, führen zu einer Anämie. Univ.-Prof. Ulrich Jäger: „Während sich beispielsweise ein Eisenmangel sehr gut vom Hausarzt in den Griff bekommen lässt, gehören diese Sachen in die Hand eines Spezialisten.“ Häufig unbehandelt bleiben kann hingegen die so genannte Schwangerschaftsanämie. Die vermehrte Einlagerung von Wasser führt bei schwangeren Frauen dazu, dass sich der Hämoglobin- und Hämokritwert nach unten bewegen, ohne dass dadurch der Sauerstofftransport vermindert wird.


Heinz Macher
Oktober 2007

Foto: Bilderbox, privat

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Kommentar

Eisenmangel: Kranke Blässe„In der überwiegenden Zahl der Fälle hat eine Anämie harmlose Ursachen und kann auch recht gut behoben werden. In manchen Fällen verbirgt sich dahinter aber auch eine gefährliche Krankheit. Alleine schon deshalb sollte eine Anämie abgeklärt werden.“
Univ.-Prof. Dr. Ulrich Jäger
Leiter der Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie der Universität Wien

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020