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Schilddrüse: Kleine Drüse mit enormer Kraft

Schilddrüse_WIKIPEDIA_800px-Struma_001_151x131Erkrankungen und Funktionsstörungen der Schilddrüse sind nach wie vor eine Massenerscheinung. Überfunktion, Unterfunktion, Kropf, Basedow und Tumore sind Ausdruck und Folge einer Störung, die den gesamten Stoffwechsel des Körpers in Mitleidenschaft ziehen kann.

Die Schilddrüse liegt im Hals direkt unter dem Kehlkopf und beiderseits der Luftröhre. Sie ist so groß wie eine Walnuss, hat die Form eines Schmetterlings und ist dennoch ein zentrales Hochleistungsorgan des menschlichen Körpers. Sie produziert mehrere lebenswichtige Hormone und reguliert fast den gesamten Stoffwechsel eines Menschen. Die Schilddrüse reguliert die Körpertemperatur, den Wasserhaushalt, den Sauerstoffverbrauch und ist wesentlich für die geistige Entwicklung und die Leistungsfähigkeit mitverantwortlich. Sie wirkt auf Psyche und Körper in mannigfaltiger Weise.
Ihre Leistungskraft und komplexe Aufgabe fällt erst auf, wenn ihre Funktion beeinträchtigt ist. Dem frühzeitigen Erkennen einer Funktionsstörung der Schilddrüse kommt große Bedeutung zu, da eine Reihe von Störungen und Erkrankungen daraus resultieren können: Hormonstörungen, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Unfruchtbarkeit, Haarausfall, Störungen des Verdauungsapparates, Depressionen und rasche Zu- oder Abnahme an Körpergewicht. Nur bei auffälligen Gewichtsschwankungen denken Betroffene rasch an die Schilddüse als mögliche Ursache.

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Einfache Untersuchung

Oft dauert es viele Jahre, bis man die Symptome richtig deutet. Vor allem bei einer Unterfunktion sind die Beschwerden oft diffus. Man fühlt sich energie- und lustlos, die Lebensqualität sinkt. Die Schilddrüse kann sehr einfach auf ihre Funktionsfähigkeit untersucht werden. Eine Blutabnahme ist ausreichend, um einen aussagekräftigen Marker (TSH) zu erhalten. TSH (Thyreoidea-Stimulierendes Hormon) ist zentral an der Steuerung der Schilddrüsenfunktion beteiligt. „Ist dieser Marker in Ordnung, ist es auch die Schilddrüse“, sagt Univ.-Doz. Primar Dr. Peter Wamser, Leiter der Chirurgischen Abteilung am LKH Vöcklabruck. Auch eine Ultraschalluntersuchung ist möglich. Sie zeigt, ob Knoten vorliegen.

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Zuwenig Jod in Wasser und Nahrung

Für die Herstellung der Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) ist das chemische Element Jod von entscheidender Bedeutung. Da der Körper Jod nicht selbst bilden kann, bedarf es einer Zufuhr über die Nahrung. Wird zu wenig Jod zugeführt, wird die Schilddrüse zu vermehrter Aktivität angeregt. Sie wächst und vergrößert sich knotig. Eine stark vergrößerte Schilddrüse – der so genannte Kropf (Struma) – wird durch Jodmangel ausgelöst.
Der Kropf ist die häufigste Erkrankung der Schilddrüse. Um Jodmangel zu begegnen, wird in Österreich Speisesalz jodiert. Seit dieser Maßnahme sind deutlich erkennbare Kröpfe selten geworden. Jodmangel im heimischen Trinkwasser und in der Nahrung ist aber nach wie vor für eine Jodunterversorgung verantwortlich. „Ganz anders etwa ist die Lage in Japan, wo der reichliche Fischverzehr für ausreichend Jod sorgt“, sagt Wamser. Es gibt mehrere Gründe, warum sich die Schilddrüse vergrößern kann, die häufigste Ursache ist nach wie vor der Jodmangel. Andere Gründe sind Entzündungen, Autoimmunerkrankungen, gutartige und bösartige Tumore und nicht selten Medikamente. Der Kropf kann sichtbar oder erst durch eingehende Untersuchung feststellbar sein.

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Unterfunktion

Wenn im Körper zu wenig Schilddrüsenhormon zirkuliert, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion. Alle Stoffwechselvorgänge im Körper laufen vermindert und verlangsamt ab. Eine Unterfunktion der Schilddrüse ist meist unproblematisch zu beheben. Die Therapie besteht in der Verabreichung von Schilddrüsenhormonen. „Hier gibt es Medikamente, die dies ausgleichen. Allerdings sind die Tabletten lebenslang einzunehmen“, so Wamser. Symptome bei Unterfunktion: ständige Müdigkeit, Blässe, Neigung zu depressiven Verstimmungen und zu Gewichtszunahme.

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Überfunktion

Die Symptome bei einer Überfunktion der Schilddrüse: Erhöhte Herzfrequenz, hohe Schweißabsonderung, Überaktivität, deutlich rote Gesichtsfärbung, deutliche Gewichtszu- oder Abnahme. Behoben werden kann eine Überfunktion entweder durch Thyreostatika, das sind Medikamente die den Jodeinbau hemmen (nur beschränkte Zeit geben, teilweise gravierende Nebenwirkungen), eine Radiojodtherapie (Jod 131 wird injiziert) oder durch Operation.

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Operation bei Karzinomverdacht

„Jeder zweite über 60-Jährige hat einen Knoten in der Schilddrüse. In bis zu fünf Prozent aller Knoten sitzt ein Karzinom“, sagt der Vöcklabrucker Chirurg. Schilddrüsenkarzinome gehören zu jenen Tumoren, die am besten behandelbar sind. „Daher ist eine frühe Untersuchung und Behandlung so wichtig“, sagt Wamser.
Bei den modernen Operationsverfahren wird die komplette Schilddrüse entfernt, dadurch kann der Kropf nicht nachwachsen. Das LKH Vöcklabruck ist das erste Spital Oberösterreichs, das eine neuartige Methode zur Schilddrüsen-Operation anbietet. Eine Schere, die mit Ultraschall Blutgefäße gleichzeitig durchtrennt und versiegelt, erlaubt zügiges Operieren. Für die Patienten bedeutet das eine kürzere Narkosezeit, weniger Blutverlust und weniger Fremdmaterial im Körper. „Alle Patienten nach einer Totalentfernung müssen Schilddrüsen-Hormone schlucken, eine Tablette täglich, ihr Leben lang. Die Schilddrüse ist eines der wenigen Organe, deren Funktion ohne Abstriche ersetzt werden kann", sagt Wamser.

Dr. Thomas Hartl
November 2009


Foto: Wikipedia

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020