DRUCKEN

Reanimation ohne Beatmung

Reanimation ohne Beatmung Lebensrettende Sofortmaßnahmen gehören zum Lehrprogramm jedes Erste Hilfe-Kurses: Kombinierte Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Überlebens-Wahrscheinlichkeit bei plötzlichem Herzstillstand deutlich gesteigert werden, wenn nur Herzmassage durchgeführt wird und auf die Beatmung verzichtet, berichtet die Austria Presse Agentur (APA).

Das zeigt eine Analyse österreichischer Mediziner, die in Wien und St. Louis (US-Bundesstaat Missouri) durchgeführt und in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde. Der aus Österreich stammende Ao.Univ. Prof. Dr. Peter Nagele, Leiter der Abteilung für Trauma-Anästhesie am Barnes-Jewish-Hospital am Washington University Medical Center in St. Louis, und Dr. Michael Hüpfl von der Universitätsklinik für Anästhesie der Medizin-Uni Wien haben die Daten von drei Studien analysiert, so die APA.

up

Anweisungen aus der Notrufzentrale

Voraussetzung dafür war, dass die Helfer entsprechende telefonische Anweisungen aus der Notrufzentrale erhielten – entweder nach der herkömmlichen Methode mit Herzmassage und Beatmung oder nur mit Herzmassage. Denn es empfiehlt sich nur bei Patienten mit plötzlichem Herzstillstand, auf die Beatmung zu verzichten. „Dann ist noch genug Sauerstoff im Körper und es ist wichtiger, die Blutzirkulation so regulär wie möglich aufrechtzuerhalten als zusätzlich zu beatmen“, so Nagele. Er schätzt, dass dadurch in Nordamerika und Europa 5.000 bis 10.000 Leben gerettet werden können.

up

Studien zusammengefasst

Weil die einzelnen Studien jeweils zu wenige Patienten hatten, konnten statistisch keine Überlebensvorteile bei einer der beiden Methoden nachgewiesen werden. Mit Hilfe einer speziellen statistischen Methode konnten die Wissenschafter aber die Daten der drei Studien kombinieren und somit 3.700 Fälle analysieren. „Dabei zeigte sich, dass Patienten mit Herzstillstand eine um 22 Prozent höhere Überlebenswahrscheinlichkeit haben, wenn sie nur mittels Herzmassage wiederbelebt wurden, verglichen mit der klassischen Methode mit Mund-zu-Mund-Beatmung“, erklärte Nagele gegenüber der APA.

up

Nicht immer verzichtbar

Der Verzicht auf Beatmung sollte aber nicht erfolgen, wenn der Herzstillstand eine Folgeerscheinung ist, etwa nach einem Unfall oder bei Ertrinken. Dann ist es sehr wohl entscheidend, durch Beatmung wieder Sauerstoff ins System zu bringen und die Herztätigkeit durch Massage wieder anzuregen.

up

Atemspende bei Kindern immer

Auch im seltenen Fall eines Herzstillstandes bei einem Kind ist weiterhin eine Kombination von Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage als lebensrettende Sofortmaßnahme angezeigt, betonen die Mediziner. Üblicherweise ist der Herzstillstand bei Kindern eine Folgeerscheinung etwa eines schweren Asthma-Anfalls oder einer allergischen Reaktion. In diesen Fällen brauche der Körper Sauerstoff. „Wir raten nachdrücklich, bei Kindern die von den Kinderspezialisten des European Resuscitation Council und der American Heart Association empfohlenen Vorgangsweise durchzuführen: so schnell als möglich auch zusätzlich die Beatmung durchzuführen“, so Nagele, langjähriger Notarzt beim Roten Kreuz, und Hüpfl, Chef-Arzt der Johanniter-Unfall-Hilfe.

up

Nichtstun schadet auf jeden Fall

Einig sind sich die Studienautoren: Die schlechteste Alternative für alle Fälle ist es, weder Herzdruckmassage noch Beatmung in den ersten Minuten durchzuführen. Darum sollen alle, die ein solches Ereignis beobachten, sofort Hilfe rufen und zumindest Herzdruckmassage durchführen, bis weitere Unterstützung eintrifft – da kann nichts falsch gemacht werden.

Mag. Christian Boukal

Oktober 2010

Foto: APA

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015