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Warzen im Genitalbereicht: Unter dem Feigenblatt

Mann bei Arztgespräch Diese Warzen sollten unbedingt vom Hautarzt untersucht werden. Sie wuchern wo bei Kunstwerken früher ein Feigenblatt Schutz bot. Daher auch ihr Name: Feigwarzen. Die von Viren verursachten Hautwucherungen sind eine sexuell übertragbare Krankheit und nicht nur optisch ein Problem.


Die Feigwarzen, in der Sprache der Medizin auch Condylomata acuminata oder kurz Kondylome genannt, werden vom Humanen Papillomavirus (HPV) verursacht. Die Warzen können stecknadelkopfgroß bis mehrere Zentimeter groß werden und in rötlicher, graubräunlicher oder weißlicher Färbung zu Tage treten. Oft neigen die Warzen zur Bildung ganzer Beete, eher selten bilden sie größere Gewächse, die in ihrer Form an Rosenkohl erinnern. Betroffen ist die Genital-Region bis zum After, gefährdet sind praktisch alle sexuell aktiven Menschen. Beim Mann ist hauptsächlich der Penisschaft, die Eichel, die Vorhaut und die After-Region betroffen, die Feigwarze kann aber auch den Hodensack und die Harnröhre befallen. Bei Frauen werden vor allem Schamlippen, Scheide und Damm befallen. Übertragen werden die Viren durch Geschlechtsverkehr, eine Schmierinfektion, etwa durch ein Handtuch, kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Die Papillomaviren sind leicht ansteckend. Deshalb wird angenommen, dass rund 60 Prozent der Erwachsenen mit HPV infiziert sind, in Erscheinung getreten dürfte die Krankheit bei rund einem Prozent der Bevölkerung sein. Die Krankheit kommt offensichtlich dann zum Ausbruch, wenn die Immunabwehr geschwächt ist. In den meisten Fällen verursachen die Feigwarzen keine körperlichen Beschwerden. Schon häufiger führen sie zu psychischen und psychosozialen Folgen und verändern oft das Sexualleben der Patienten.

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Abklärung durch den Hautarzt

Nicht zuletzt deswegen sollte schon beim geringsten Verdacht ein Hautarzt aufgesucht werden. Univ.-Prof. Dr. Josef Auböck, der Leiter der Dermatologischen Abteilung am Linzer AKh: "Wenn an den Geschlechtsteilen ein warzenähnliches Gebilde zu wachsen beginnt, sollte das unbedingt abgeklärt werden. Denn es besteht auch die Möglichkeit, dass es sich dabei um etwas Ernsteres handelt. Es gibt zum Beispiel Symptome der Syphilis, die sich ähnlich äußern." Auch die Feigwarze muss nicht immer harmlos sein. Bei Männern wie Frauen steht das Papillomavirus sogar im Verdacht unter bestimmten Bedingungen das Entstehen von Krebs zumindest zu unterstützen.

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Viele Behandlungsformen

Bei der Behandlung der Feigwarzen steht je nach Lage des Falls eine ganze Palette von Möglichkeiten offen – vom gezielten Schlag gegen die Viren über die Verätzung der Warzen und dem Laserangriff bis hin zum chirurgischen Eingriff. Primar Auböck: "Ein erfahrener Arzt muss von Fall zu Fall entscheiden, welche Therapie angezeigt und effizient ist." Gezielt und vorsichtig wird den Warzen unter anderem auch mit dem Zellgift Podophyllotoxin oder mit Trichloressigsäure zu Leibe gerückt. Erst ganz kurze Zeit ist eine völlig neue Therapieform zur Hand. Der sogenannte Immunmodulator mit dem Wirkstoff Imiquimod macht den Papillomaviren den Garaus. Es stimuliert örtlich begrenzt das Immunsystem des Körpers derart, dass die Viren nicht überleben können. Nachteil: Die Immunstimulation führt zwangsläufig auch zu einer umschriebenen, subjektiv unangenehmen Entzündung. Alle Therapien haben eines gemeinsam: Bei einem hohen Prozentsatz der Patienten kommen die Feigwarzen früher oder später wieder. Wie man dem vorbeugen kann? Professor Auböck: "Selbstverständlich müssen die Geschlechtspartnerinnen oder Geschlechtspartner in die Behandlung einbezogen werden. Und der beste Schutz ist auch bei der Feigwarze das Kondom."

Heinz Macher

April 2006


Foto: shutterstock, privat

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Kommentar

Kommentarbild von Univ.-Prof. Dr. Josef Auböck zum Printartikel "Wenn an den Geschlechtsteilen ein warzenähnliches Gebilde zu wachsen beginnt, sollte das unbedingt abgeklärt werden. Denn es besteht auch die Möglichkeit, dass es sich dabei um etwas Ernsteres handelt. Es gibt zum Beispiel Symptome der Syphilis, die sich ähnlich äußern."
Univ.-Prof. Dr. Josef Auböck
Leiter der Dermatologie, AKH Linz

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015