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Nierenkrebs: Durchbruch mit neuen Medikamenten

Nierenkrebs In Österreich wird jährlich bei rund 1.200 Personen ein Nierenzellkarzinom diagnostiziert. Rund 440 Patienten pro Jahr sterben daran. Die Zahl der Neuerkrankungen ist stabil. Neue Medikamente zeitigen gute Ergebnisse und lassen Betroffene hoffen. 

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Keine Früherkennung möglich

Das Tückische im Zusammenhang mit dem Nierenzellkarzinom: Es gibt keine Möglichkeit der Früherkennung. Keine Vorsorgeuntersuchung kann Hinweise liefern oder das Karzinom gar erkennen. „Das ist das Problem. Es gibt momentan kein Verfahren, das frühzeitig auf das Karzinom hinweisen könnte“, sagt Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin I im AKH Wien.

Erst wenn sich das Karzinom bereits gebildet hat, kann man es entdecken. „Es verursacht lange Zeit keine Beschwerden, manchmal fühlt man Schmerzen in der Flanke. Sonst ist Blut im Harn der einzige Hinweis auf eine mögliche Erkrankung“, sagt Zielinski. Wer das entdeckt, solle sich sehr rasch untersuchen lassen, um abzuklären, ob ein Karzinom die Ursache dafür ist.

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Risiko ab 50+

Beim Nierenzellkarzinom handelt es sich um einen klassischen Tumor des mittleren und älteren Lebensalters. Vor allem Menschen ab dem 50. Lebensjahr sind betroffen. Männer erkranken doppelt so häufig wie Frauen.

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Rauchen als Risiko

Ob der Lebensstil, also Ernährung, Bewegung und Stress auf das Erkrankungsrisiko Einfluss hat, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. „Einzig beim Rauchen gibt es Hinweise, dass Zigaretten das Risiko erhöhen“, sagt Zielinski. 

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Nicht vorhersehbar

Es gibt zwar eine genetische Disposition, ob man zur Erkrankung neigt, diese ist aber für die Wissenschaftler (noch) nicht erkennbar. „Es gibt keine erkennbare Vererbung des Risikos. Es lässt sich im Vorhinein einfach noch nichts feststellen. Es ist ein Geschehnis, das nicht vorhersehbar ist“, so Zielinski.
Momentan sei es Glückssache, ob man ein Nierenzellkarzinom vor der Metastierung entdeckt und damit operativ entfernen kann, oder ob die Streuung bereits eingesetzt hat. Im ersten Fall lässt sich der Tumor meist problemlos entfernen und die Heilungschancen sind gut. Im zweiten Fall kann man den Metastasen mit Medikamenten begegnen. Chemotherapie kommt bei Nierenkrebs nicht zum Einsatz, da sie hier kaum oder gar nicht wirkt. 

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Neue Medikamente mit guten Ergebnissen

Die gute Nachricht: „Neue Medikamente zeigen selbst bei Metastierung gute Ergebnisse und führen momentan zu einer signifikanten Verlängerung des Überlebens“, berichtet Zielinski. Ob es sich um eine vorübergehende Abnahme der Sterblichkeit handle oder ob dieser Erfolg dauerhaft sei, müsse sich aber erst zeigen, schränkt der Experte ein.
Galt Nierenkrebs früher als schlecht behandelbar, so ist das heute nicht mehr der Fall. „Was die Tumorbehandlung betrifft, so gab es in den letzten Jahren beim Nierenzellkarzinom den größten Durchbruch“, so der Experte. Verschiedene Wirkstoffe, zum Teil lediglich oral verabreicht, zeigen bei der Bekämpfung des Nierenzellkarzinoms gute, zum Teil hervorragende Ergebnisse:
Der Wirkstoff Sutinib ist ein großer Hoffnungsträger und weist die besten Ergebnisse aus. „Gleich fünf verschiedene Signalwege von Tumorzellen werden blockiert. Bei vier von zehn Patienten kann damit der Tumor zum Schrumpfen gebracht werden. Menschen mit sonst nicht heilbaren Nierenkarzinomen überleben sechs Monate länger“, sagt Zielinski.

Der Wirkstoff Sorafenib greift die Tumorzellen und die Tumorgefäße an. Er ist eine gute Option für die Erhaltung und Verlängerung des Lebens. Er blockiert verschiedene Enzym-Klassen in bösartigen Zellen, die für das Wachstum und die Bildung von Blutgefäßen in Tumoren verantwortlich sind. 

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Keine Gefäßneubildung

Bei all diesen Medikamenten ist die Unterdrückung des Signals für die Gefäßneubildung der Schlüssel zum Erfolg. Auch eine fortgeschrittene Nierenkrebs-Erkrankung kann damit beeinflusst und lange unter Kontrolle gehalten werden. „Hat der Tumor bereits metastiert, so besteht mit diesen Medikamenten zwar noch nicht die Möglichkeit, die Metastasen auszuschalten, aber die Erkrankung lässt sich in einen Zustand vergleichbar mit einer chronischen Krankheit überführen“, sagt Zielinski.
Der Forscher plädiert dafür, sich nicht auf diesen Erfolgen auszuruhen, sondern dafür zu sorgen, das die Krebsforschung weiter vorangetrieben wird. „Wir haben in der Krebsforschung Durchbrüche erlebt, von denen wir nicht zu träumen gewagt haben. Jetzt gilt es dafür zu sorgen, dass die Bevölkerung davon profitiert und alle Zugang zu den neuesten Therapien bekommen“, sagt Onkologe Zielinski.

Dr. Thomas Hartl
August 2009

Foto: Bilderbox
 

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015