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Darm: Unser Hirn in der Körpermitte

Darm: Unser Hirn in der Körpermitte Der Darm ist eine Diva und zeigt sich zeitweise recht „zickig“. Immerhin klagt die Hälfte aller Landsleute über zeitweilige Beschwerden, wie Durchfall, Verstopfung, Blähungen oder Reizdarm. Weil der Darm aber mehr ist als nur ein Verdauungsorgan, ist es wichtig, ihm entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken.

„Der Tod sitzt im Darm", lautet ein alter Medizinerspruch, der wahrscheinlich auf den bedeutenden Arzt Philippus Theophrastus Aureolus Bombast von Hohenheim, besser bekannt als Paracelsus, zurückgeht. Heute weiß man: Paracelsus hatte zumindest teilweise recht.

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Schaltzentrale

Insgesamt ist der Darm rund sechs bis acht Meter lang und besitzt aufgeklappt eine Größe von 400 bis 500 Quadratmetern. Dabei ist Verdauen nur eine von vielen wichtigen Aufgaben: Mediziner gaben dem Organ den Spitznamen „zweites Gehirn“. Das Nervensystem des Darms besteht aus über 100 Millionen Zellen und bildet damit die größte Ansammlung von Nervenzellen außerhalb des Gehirns. Die neue Erkenntnis, dass diese Nerven zusammenarbeiten, adelte die kleine Schaltzentrale in der Körpermitte zum Bauchhirn. Der Darm hat im wahrsten Sinne des Wortes viel zu schlucken. Ärger, Stress, zu viel Fett und Alkohol, Medikamente, Umweltschadstoffe oder Krankheiten wie Zöliakie oder Laktoseintoleranz – all das muss der Darm „verarbeiten“.

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Wie funktioniert der Darm?

„Der Dünndarm ist der wichtigste Abschnitt des Verdauungstraktes“, sagt der Gastroenterologe Dr. Dieter Nitsche vom Darmgesundheitszentrum der Barmherzigen Schwestern in Linz. „Der Dünndarm beginnt direkt hinterm Magen als Zwölffingerdarm und hat die Aufgabe, Nahrungsbestandteile herauszufiltern. Hier wird der aus dem Magen kommende Speisebrei mit Darmsaft, den Sekreten der Schleimhautdrüsen des Dünndarms sowie Galle und den Sekreten der Bauchspeicheldrüse versetzt.“
Die enzymreichen Sekrete spalten Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate. Die Darmzotten haben dabei eine wichtige Bedeutung, da sie die Oberfläche des Darms extrem vergrößern. Durch die Darmzotten werden Nährstoffe ins Blut aufgenommen. Die nicht zur Aufnahme geeigneten Substanzen gelangen in den Dickdarm und von dort in den Mastdarm, um danach ausgeschieden zu werden.

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Der Dickdarm entzieht dem Nahrungsbrei Wasser

Der etwa eineinhalb Meter lange Dickdarm (Colon) hat die Hauptaufgabe, dem Stuhl Wasser zu entziehen und ihn damit einzudicken. Daher auch sein Name. Weiters werden vom Dickdarm auch bestimmte Elektrolyte in den Stuhl abgegeben. Ähnlich wie der Magen hat der Dickdarm Speicheraufgaben: Er verwahrt den Kot, damit dieser nicht ständig in kleinen Mengen ausgeschieden wird. Bei Entzündungen des Darmes kann es zu Durchfällen mit Wasserverlusten und Blutungen kommen. Durch bestimmte Medikamente (Antibiotika) kann die Darmflora schnell aus dem Gleichgewicht geraten. „Der Darm spielt eine große Rolle bei der Immunabwehr des Körpers“, betont Dr. Nitsche. „Denn rund 80 Prozent der immunkompetenten Zellen werden in speziellen Schleimhautarealen des Darms gebildet. Da dieses darmassoziierte Immunsystem einen großen Teil des Abwehrsystems für den Körper leistet, ist es um wo wichtiger, für eine gut funktionierenden Darm zu sorgen.

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Tipps

Verdauung beginnt im Mund:
Auch wenn Sie einen Bärenhunger haben, schlingen Sie das Essen nicht hinunter wie ein Wolf, kauen Sie jeden Bissen sorgsam.

„Fünf Mal am Tag“:

Der Darm liebt die Vitamine C und E. Oft wird auch die Zugabe von Selen geraten. Dr. Nitsche: „In unseren Nahrungsmitteln ist genug Selen vorhanden. Wer sich gesund und abwechslungsreich ernährt, hat keinen Mangel.

Dreißig Gramm Ballaststoffe:
Ballaststoffe sind in Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.

Schutz der Darmflora:
Milchsaure Produkte wie Jogurt, Kefir oder Sauerkraut unterstützen die Darmflora.

Lieber Weiß statt Rot!

Rotes Fleisch (Rind, Schwein, Wild) sollten man nur zwei Mal die Woche genießen. Lieber öfter Geflügel und Fisch essen.

Fette und Öle:
Unser Darm braucht Omega-3- (Fisch) und Omega-6-Fettsäuren (Pflanzenöl).

Verdauungsschnaps:

Zuviel Alkohol-Konsum reizt die Schleimhaut, den Magen und den (Dünn)Darm. Das Verdauungsschnapserl ist ein Ammenmärchen und belastet nur die Leber.

Hüftgold und Rettungsreifen:
Ein großer Taillen- oder Hüftumfang forciert das metabolische Syndrom, fördert den Diabetes II, Bluthochdruck und Darmkrebs.

Sport:

Regelmäßige sportliche Betätigung kann das Darmkrebs-Risiko deutlich senken. Empfehlenswert sind unter anderem Nordic-Walking, Schwimmen, Radfahren, Joggen.

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Vorsorge nützen

Darmkrebs gehört zu den wenigen Krebserkrankungen, deren Entstehung man vermeiden kann. Bei einer rechtzeitig durchgeführten Darmspiegelung können so genannte Polypen erkannt und entfernt werden – bevor sie noch bösartig werden. Darum sollten Sie ab dem 45. Lebensjahr jährlich zum Arzt gehen und den Test auf Blut im Stuhl machen lassen (okkultes Blut). Ab dem 50. Lebensjahr: alle fünf bis zehn Jahre sollte eine Spiegelung des gesamten Dickdarms durchgeführt werden. Ratsam ist die sanfte Darmspiegelung. Menschen, bei denen eine genetische Disposition für Darmkrebs vorliegt, sollten mit der Vorsorgeuntersuchung schon ab dem 40. Lebensjahr beginnen bzw. zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des Elternteils. Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sollen spätestens 15 Jahre nach Einsetzen der chronischen Erkrankung (etwa Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) eine komplette Darmspiegelung vornehmen lassen und dann jährlich.

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Keine Abführmittel

Abführmittel (außer es liegt eine medizinische Indikation vor) machen den Darm nur träge. Von Verstopfung spricht man übrigens erst dann, wenn man drei Tage lang keinen Stuhlgang hatte. Was manchmal hilft: Morgens auf nüchternen Magen ein halbes Glas warmes Wasser ohne Kohlensäure (über Nacht stehen lassen) trinken.

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Fasten und entschlacken

„Damit verhält es sich ähnlich wie bei den Darmspülungen“, erklärt Dr. Nitsche. Für gesunde Menschen ist dies nicht notwendig. Wer das sich das ganze Jahr über der Völlerei hingibt und glaubt, in der Fastenzeit die Ernährungssünden wieder wettzumachen, der irrt sich. Besser ist ab und an aufs üppige Abendessen zu verzichten oder zwischendurch einen Fasttag einzulegen.“

Elisabeth Dietz-Buchner
April 2011


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015