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Alptraum Schlafstörung

Alptraum SchlafstörungHilfe kommt aus dem Schlaflabor. Ein Drittel des Lebens ist einem erholsamen Schlaf zugedacht. Davon können viele Menschen aber nur träumen. Nicht jede schlaflose Nacht ist aber gleich als Schlafstörung zu beurteilen.

Stundenlang keinen Schlaf finden, nicht durchschlafen können - wem das mindestens drei Nächte pro Woche und zumindest einen Monat lang passiert, der leidet an Insomnie, einer Schlafstörung. Der versäumte Nachtschlaf führt zu Müdigkeit während des Tages und schränkt das Wohlbefinden ein - Grund genug, einen Spezialisten aufzusuchen. Beruflicher, schulischer oder familiärer Stress kann den Schlaf rauben. Viele ehemalige Schichtarbeiter leiden an Schlafproblemen, die der lange Kampf gegen die innere Uhr verursacht hat, so OA Dr. Christoph Röper, Facharzt für Neurologie und Leiter der Schlafambulanz am AKH Linz. Auch psychiatrische und innere Erkrankungen können den Schlaf stören, wie zum Beispiel Depressionen, Erkrankungen des zentralen Nervensystems oder Demenz. Männer mit Prostataleiden werden nachts oft zum Urinieren aus dem Bett gejagt. Manche Antidepressiva und Entwässerungsmittel können ebenfalls Schlafstörungen auslösen.

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Der Mond kann nichts dafür

Beim Schlafwandeln (Somnambulismus) verarbeiten und erleben die Betroffenen Trauminhalte - zum Beispiel glauben sie, auf der Flucht zu sein. Eine Behandlung ist zumeist nicht notwendig. Das Schlafwandeln tritt am häufigsten zwischen dem vierten und dem achten Lebensjahr auf. Zum Glück sind ernstere Unfälle selten, obwohl die nächtlichen Spaziergänger keinen speziellen Schutzengel haben.

Zähneknirschen im Schlaf (Bruxismus) ist im Zuge der kindlichen Gebissentwicklung normal. Im Erwachsenenalter ist es schlafstörend und schädlich für den Kauapparat. Entspannungsübungen und kieferorthopädische Maßnahmen wie Aufbiss-Schienen können hier Abhilfe schaffen. Auch ein abnormes Schlafbedürfnis, eine Hypersomnie, ist eine Schlafstörung. Bis zu zwei Prozent der Bevölkerung, so schätzt Christoph Röper, leiden mehr oder weniger stark an Narkolepsie - im Volksmund als Schlafsucht bekannt. Ein unwiderstehliches Bedürfnis zwingt sie dazu, in eintönigen Situationen einzuschlafen.

Am Restless-Legs-Syndrom, das den Betroffenen zappeln lässt und am Schlafen hindert, ist aktuellen Forschungen zufolge ein Eisenmangel schuld, der eine mangelnde Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin im Gehirn verursacht. Vermutlich liegt die Ursache so wie bei der Narkolepsie in einer genetischen Veranlagung. Rauchen, Diabetes und Nierenerkrankungen können das Problem verschlimmern. Das Restless-Legs-Syndrom kann jedoch mit Medikamenten recht gut behandelt werden.

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Erstickungsanfälle im Schlaf

Schnarchen ist häufig mit Atemaussetzern verbunden, der Schlafapnoe. Dabei erschlafft die Rachenmuskulatur bis zur völligen Blockierung der Luftwege. Das provoziert Atemstillstände, die bis zu einer Minute dauern und sich mehr als 100 Mal pro Nacht wiederholen können. Das ständige Hochschrecken mit einem lautstarken Nach-Luft-Ringen hindert am Durchschlafen. Die Betroffenen sind meist ahnungslos, bis sie der Bettpartner, der Nacht für Nacht Zeuge der beängstigenden Atempausen wird, darauf aufmerksam macht. Dann erklärt sich auch die massive Tagesmüdigkeit, die bis zur Unfallgefährdung wegen ständig drohenden Sekundenschlafs führt. Das Schlafapnoe-Syndrom ist ein ernster Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt und krankhafte Veränderungen am Herzmuskel.

Zur Diagnose einer Schlafstörung gehört die ausführliche Untersuchung in der Schlafambulanz. Bei Verdacht zum Beispiel auf eine Schlafapnoe verbringt der „Gast“ zwei Nächte im Schlaflabor und wird dazu ausgiebig verkabelt: Elektroden zur Hirnstrommessung überwachen die einzelnen Schlafstadien. Weitere Sensoren messen Atmung, Sauerstoffsättigung des Blutes, Bewegungen von Kopf, Körper und Gliedmaßen, und nicht zuletzt wird der Schlafende auch gefilmt. Weil die erste Nacht noch in ungewohnter Umgebung verbracht wird, sind die Messwerte der zweiten Nacht meist aufschlussreicher. Der Testschlaf im Schlaflabor kann zur Erlösung von jahrelangen Schlafproblemen führen.

Zur Behandlung einer leichten Schlafapnoe genügen manchmal schlafhygienische Maßnahmen wie Gewichtsreduktion und der Verzicht auf Alkohol und Nikotin. Gegen ein massives Schlafapnoe-Syndrom steht für die dauerhafte Verwendung eine so genannte CPAP-Maske zur Verfügung. Diese führt während des Schlafs unter Überdruck Sauerstoff zu und verhindert so den Verschluss der Atemwege.

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Büroschlaf ist gesund

Power Nap heißt das gute alte Mittagsschläfchen jetzt auch bei uns. Fünf bis zehn Minuten  das genügt, um wieder fit und leistungsfähig zu sein, und tut auch Schülern vor dem Nachmittagsunterricht gut. Eine kalte Gesichtswäsche hilft anschließend beim Munterwerden. Nach einer längeren Siesta hat man zu viel Mühe, danach wieder wach zu werden.


Die Schlaftablette als Leihgabe von der Nachbarin kann die falsche sein. Dann droht eine gefährliche Spirale aus Gewöhnungseffekt und Dosissteigerung. Wenn zur medikamentösen Hilfe gegriffen wird, dann keinesfalls ohne Arzt. Ein Schlaftagebuch hilft dem Arzt, gemeinsam mit dem Patienten die Art der Schlafstörung aufzuspüren und die richtige Therapie einzuleiten.

Alkohol macht schwere Lider, stört jedoch beim Durchschlafen. Sport knapp vor der Nachtruhe weckt zu sehr die Lebensgeister. Hopfen, Baldrian, Melisse im Tee oder im Badewasser, mit Bildern schöner Erinnerungen ins Traumland gleiten — jedes hilfreiche Schlafritual macht Sinn. Und wenn das Einschlafen einmal länger als 10 bis 20 Minuten dauert, ist das noch kein Grund zum Grübeln.


Klaus Stecher
Mai 2008

Foto: Bilderbox, privat

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Kommentar

Alptraum Schlafstörung„Patienten mit schwerem Schlafapnoe-Syndrom profitieren enorm von der Verwendung einer CPAP-Maske. Es verbessert sich die Schlafqualität und auch das Wohlbefinden während des Tages deutlich. Trotz häufiger Skepsis zu Beginn wollen Betroffene bald nicht mehr auf die Maske verzichten.“
OA Dr. Christoph Röper
Neurologe und Leiter der Schlafambulanz am AKH Linz

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020