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Heiserkeit: Wenn die Stimme versagt

Heiserkeit: Wenn die Stimme versagtWer kennt es nicht: Plötzlich versagt die Stimme und Heiserkeit macht sich breit. Wann diese Symptome vom Arzt begutachtet werden sollten und wie es überhaupt zum Versagen unseres wichtigsten Kommunikationsmittels kommt, erklärt Dr. Martin Burian vom Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz.


Die Stimme ist das wichtigste Kommunikationsmittel. Sie reagiert dabei nicht nur auf äußere Einflüsse, auch unser psychisches Befinden kann sie verändern. Wer kennt es schließlich nicht, dass die Stimme zittrig wird, wenn man nervös ist? Nach einem langen, gesprächsintensiven Tag oder einem Konzertbesuch, bei dem ordentlich mitgesungen wurde, kann es schon einmal vorkommen, dass die Stimme fehlt. Besonders häufig sind davon Menschen betroffen, die beruflich viel reden – wie etwa Lehrer, Moderatoren oder Sänger. Heiserkeit entsteht aber nicht nur durch eine Überbeanspruchung der Stimme, sondern kann auch durch zu viel Rauch oder Entzündungen, Tumoren, Polypen oder Lähmungen der Stimmbänder hervorgerufen werden.

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Schwingende Stimmlippen

Stimmstörungen werden in der medizinischen Fachsprache als Dysphonien bezeichnet. Doch wie entsteht unsere Stimme überhaupt? „Die Luft strömt bei der Ausatmung aus der Lunge Richtung Kehlkopf und bringt die Stimmlippen zum Schwingen. Das kann man sich ähnlich wie bei einer Klaviersaite vorstellen. Wenn die Saiten schwingen, entsteht ein Ton“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Burian, Leiter der Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz. An den Bewegungen der Stimmlippen sind mehr als zehn Muskeln beteiligt. Heiserkeit entsteht nun, wenn etwas beim Ablauf der Tonerzeugung nicht in Ordnung ist. „Kann die Saite eines Klaviers nicht richtig schwingen, so entsteht kein schöner Klang. Das gleiche gilt für unsere Stimme. Am häufigsten sind für Stimmstörungen Entzündungen verantwortlich, gefolgt von gut- oder bösartigen Neubildungen und Nerven-Funktionsstörungen wie Lähmungen“, so der Mediziner.

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Schreiknötchen bei Kindern

Stimmstörungen können aber bereits im Kindesalter auftreten. Sie entstehen meist, wenn die Kleinen besonders viel schreien und werden deshalb auch als „Schreiknötchen“ bezeichnet. „Darunter versteht man eine Verdickung der Stimmbänder. Durch die starken Berührungen der Stimmbänder beim Schreien bildet sich eine Gewebsverdickung, die zur Heiserkeit führt“, weiß Burian. Damit sich diese wieder zurückbildet, ist es wichtig, dass die Kinder lernen, ihre Stimme zu reduzieren. Hier kann auch eine logopädische Therapie helfen. In einigen Fällen müssen die Schreiknötchen allerdings operativ entfernt werden. Eine ähnliche Ursache von Heiserkeit haben die sogenannten „Sängerknötchen“, die bei Erwachsenen ebenfalls auf eine überlastete Stimme zurückzuführen sind.

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Bei andauender Heiserkeit zum Arzt

Dauert die Heiserkeit länger als zwei bis drei Wochen, sollte ein Arzt aufgesucht werden, weil sie auch Symptom einer schwerwiegenden Krankheit wie Kehlkopfkrebs sein kann. Als Ursachen dafür kommen starkes Rauchen oder ein übermäßiger Konsum von hochprozentigem Alkohol ebenso wie chronische Entzündungen in Frage. „90 Prozent der Patienten mit Kehlkopfkrebs sind Raucher“, bestätigt der Mediziner. Apropos Kehlkopfentzündung: Sie entsteht meist als Folge einer viralen Infektion der oberen Atemwege. Wie generell bei Heiserkeit gilt auch hier: Betroffene sollten die Stimme schonen, das bedeutet aber nicht, dass man zu flüstern beginnen soll. Das beansprucht die Stimme zusätzlich. „Liegt eine seltene, bakterielle Entzündung vor, zeigt sich das oft durch Symptome wie Atemnot oder Schwellungen. In diesem Fall sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden“, erklärt Burian.

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„Heiserkeit“ im Stimmwechsel

Die Stimme ist aber auch in der Pubertät einer Veränderung unterzogen, wenn bei Jungen der Stimmwechsel (Stimmbruch) auftritt. Unter Einwirkung des Geschlechtshormons Testosteron beginnt der Kehlkopf zu wachsen und die Stimme wird tiefer. Während dieser Phase überschlägt sie sich häufig und ist weniger belastbar, was allerdings völlig normal ist.

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So bleibt die Stimme gesund

Um sich noch lange an der eigenen Stimme zu erfreuen, sollte sie gepflegt werden. „Dazu zählt ein sorgsamer Umgang und die Vermeidung von schädlichen Substanzen, hier vor allem Nikotin und Alkohol“, so der Mediziner.

MMag. Birgit Koxeder
Jänner 2013


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020