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Malaria: Achillesferse des Erregers gefunden

Malaria_Achillesferse des Erregers gefundenWissenschaftler haben Mechanismen entdeckt, mit denen die Malaria-Parasiten im Blut ihrer Opfer überleben. Das könnte Wege für die Entwicklung neuer Medikamente zur Behandlung der tödlichen Krankheit ebnen.

Die Studie ist auf der Seite „Nature Communications“ (Englisch – http:// www.nature.com/ncomms/journal/v2/n11/full/ncomms1558.html ) veröffentlicht. Sie wurde von einem internationalen Team um Prof. Christian Doerig, neu bestellter Vorstand der Monash Universität Department für Mikrobiologie, Victoria, Australien, und Professor Andrew Tobin von der Universität Leicester in Großbritannien durchgeführt. Forscher des französischen Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale (Inserm) waren ebenfalls beteiligt.

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800.000 Tote pro Jahr

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind derzeit weltweit mehr als 225 Million Menschen mit Malaria infiziert. Jährlich sterben knapp 800.00 Menschen an der Krankheit, die meisten in Afrika, wo alle 45 Sekunden ein Kind an der Seuche stirbt. Die Übertragung des Malaria-Parasits, Plasmodium falciparum, geschieht durch den Stich der weiblichen Anopheles-Mücke.
Doerig leitete die Studie am Zentrum für Molekulare Parasitologie in Glasgow und an der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne in der Schweiz, bevor er vor kurzem nach Australien wechselte. „Wir haben gezeigt, dass eine Gruppe von Enzymen, die so genannten Protein-Kinasen, bestimmend für das Überleben des Malaria-Parasiten im menschlichen Blutkreislauf sind. Wenn wir diese Protein-Kinasen in ihrer Funktion blockieren, töten wir die Malaria-Parasiten“, so Doerig. „Wir suchen nun Moleküle, die verhindern, dass die Protein-Kinasen ihre Arbeit tun können. Diese Medikamente werden neue Wege eröffnen, um den Malaria-Parasiten zu töten.“

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Plasmodium entwickelt schnell Resistenzen

Doerig stellt fest, dass es bisher schwierig ist, Malaria zu behandeln, weil der Parasit schnell Resistenzen gegen neue Behandlungsmethoden entwickelt. „Wir verfügen bereits über Belege, dass der Parasit Resistenzen gegen die modernsten Medikamente entwickelt.“
Prof. Tobin hält fest, dass die Forschungsergebnisse der Anpassungsfähigkeit des Parasiten entgegenwirken werden. „Das ist gewiss ein großer Moment in unserem Kampf gegen diese schreckliche Seuche, die hauptsächlich die Ärmsten der Welt trifft. Um die katastrophalen Effekte einer verbreiteten Resistenz gegen Malaria-Medikamente zu vermeiden, brauchen wir eine kontinuierliche Pipeline von neuen Malaria-Medikamenten. Unsere Entdeckung stellt einen Weg dar, um diese Pipeline zu füllen“, so Tobin.

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Essenzielle Enzyme attackieren

Die Forscher haben eine spezielle Gruppe von Molekülen – Proteinkinasen – unter die Lupe genommen, Diese bioaktiven Moleküle sind für den Lebenszyklus von Plasmodium falciparum lebenswichtig, weil sie für die Anheftung von verschiedenen Eiweißen an die Zellen sorgen. Dort verändern sie die biologischen Eigenschaften der Proteine, sodass der Erreger zum Beispiel in die Zellen eindringen und dort sein Erbgut kopieren sowie seinen eigenen Stoffwechsel betreiben kann. Proteinkinasen kommen auch im menschlichen Köper vor, die Forscher haben aber herausgefunden, dass sie sich deutlich von denen des Parasits unterschieden.

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Aus der Anopheles

Das Plasmodium falciparum entwickelt sich im Darm der Anopheles-Mücke und wandert nach der Reifung (als Sporozoite) in die Speichelzellen des Insekts. Bei einem Stich der weiblichen Anopheles injiziert sie auch den Parasit in den menschlichen Körper. Die Leber des Menschen dient nun als Zwischenwirt, in der sich der Parasit vielfach teilt, um danach in die Blutbahn zu gelangen, wo sie die roten Blutkörperchen befallen und sich teilweise zu geschlechtsreifen Tieren (Gametozyten) entwickelt. Bei einem neuerlichen Stich wird er von der Mücke wieder aufgenommen. Dann beginnt im Darm der Mücke der Zyklus von neuem.

Mag. Christian Boukal
Dezember 2011


Foto: Centers for Disease Control and Prevention

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020