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Osteoporose bei Männern: Wenn Knochen weichen

Osteoporose beim Mann_deSign of Life - Lendenwirbelsäule Oberschenkelhalsbrüche nach einem Sturz sind typische Folgen von Osteoporose, einer Krankheit, die bis vor wenigen Jahren noch ausschließlich als Frauenkrankheit galt. Dabei – so wissen Mediziner mittlerweile – erkrankt auch jeder zehnte Mann an dieser Krankheit, die vor allem im Alter Knochen schwinden lässt.

Rund 200 Knochen bilden das Skelett des menschlichen Körpers und sind dafür verantwortlich, dass der Mensch aufrecht gehen kann. Diese Knochen sind aber kein starres Gerüst, sondern lebendes Gewebe, das ständig auf und wieder abgebaut wird und auch erkranken kann.

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Eine der häufigsten Erkrankungen des Skeletts

Osteoporose ist eine der häufigsten Knochenerkrankungen im Erwachsenenalter. In den Industrieländern gilt sie längst als Volkskrankheit, weshalb die Weltgesundheitsorganisation WHO Osteoporose in die Liste der zehn am dringendsten zu bekämpfenden Krankheiten aufgenommen hat. Die Medizin beschreibt Osteoporose als Skeletterkrankung mit erniedrigter Knochenmasse und Verschlechterung der Mikroarchitektur des Knochens. Daraus folgt eine gesteigerte Brüchigkeit mit gehäuftem Auftreten von Knochenbrüchen. In Deutschland etwa sind Schätzungen zufolge sechs Millionen Menschen daran erkrankt, aber nur bei 40 Prozent wird die Diagnose Osteoporose gestellt und entsprechend therapiert.

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Knochen ständig ab- und aufgebaut

Die Knochenmasse nimmt ab, wenn der Knochenabbau gegenüber dem Knochenaufbau langfristig die Oberhand gewinnt. Gesteuert wird dieser lebenslange Prozess vor allem von Hormonen der Schilddrüse, der Nebenschilddrüse sowie durch Vitamin D. Eine Rolle spielen auch die Geschlechtshormone von Mann und Frau, weil sie den Knochenstoffwechsel antreiben. Im Alter zwischen 35 und 40 Jahren erreicht der menschliche Körper seine größte Knochenmasse, danach setzt der Abbau ein. Osteoporotisch wird ein Knochen aber erst dann, wenn seine Substanz um mehr als 30 bis 40 Prozent zurückgeht. Je mehr die Stabilität sinkt, desto höher wird das Risiko eines Bruches. In schlimmen Fällen können sogar Rippen bei einem Hustenanfall brechen.

 

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Erhöhte Bruchgefahr

Besonders gefährdet sind Oberschenkelhals, Unterarm, Handgelenk und die Wirbelkörper. Frauen leiden häufiger an Osteoporose als Männer, weil in den Wechseljahren die Östrogene als Schutzschild für die Knochen ausfallen. Bei Männern spielen Primärkrankheiten eine wichtige Rolle. „Insbesondere im Fall von Alkoholmissbrauch nimmt der Prozentsatz der Erkrankungen zu“, weiß Primaria Dr. Eva Ramach, Fachärztin für physikalische Medizin und Rehabilitation am Landeskrankenhaus Kirchdorf. Andere Risikofaktoren bei Männern sind reduzierte Geschlechtshormone sowie Cortison-Langzeittherapien bei Asthma oder rheumatoiden Erkrankungen. Auch ein vorgerücktes Alter von über 70 Jahren sowie Bewegungsmangel und niedriges Körpergewicht steigern das Osteoporose-Risiko.

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Messung macht sicher

Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine Osteoporose zu diagnostizieren. Mit einer Röntgenuntersuchung wird die Krankheit erst erkannt, wenn die Knochenmasse bereits um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen ist oder schon Brüche aufgetreten sind. Die gängigste Methode zur Erkennung – sowohl bei der Frau als auch beim Mann – ist die Knochendichtemessung (Osteodensitometrie). Auf sie wird der Arzt bei entsprechenden Beschwerden oder speziellen Risiken zurückgreifen. Um eine diagnostizierte Osteoporose zu behandeln und drohende Brüche zu vermeiden, steht eine Reihe wirksamer Medikamente zur Auswahl. Zuvor sollte laut Primaria Ramach bei Männern aber eine Abklärung im Labor erfolgen, um eventuelle spezielle Ursachen wie etwa eine Erkrankung der Leber auszuschließen. Die Medikamente beugen dem Abbau von Knochengewebe vor, wirken ihm entgegen, indem sie die Aktivität der knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) hemmen oder die Neubildung von Knochen begünstigen. Die medikamentöse Langzeittherapie richtet sich dabei nach dem Grad des Knochenmasseverlusts, der Art der Osteoporose und der Stärke des Knochenumsatzes.


Mag. Kornelia Wernitznig

September 2006


Foto: Bilderbox, privat


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Kommentar

Kommentarbild von Prim. Dr. Eva Ramach zum Printartikel „Die beste Maßnahme gegen Osteoporose ist, sie zu vermeiden. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang kalziumreiche Ernährung in Kombination mit körperlicher Aktivität. Der Körper speichert in den Knochen zwischen ein und 1,5 Kilo Kalzium. Wird ihm mit der Nahrung zu wenig Kalzium zugeführt, greift der Körper auf seine Kalziumreserven in den Knochen zurück, was auf Dauer die Osteoporose begünstigt.“

Prim. Dr. Eva Ramach
Fachärztin für physikalische Medizin und Rehabilitation am Landeskrankenhaus Kirchdorf

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015