DRUCKEN

Verletzliche Hoden


Hodenverletzung.jpg Bei ernsthaften Verletzungen der Hoden ist rasche ärztliche Hilfe besonders wichtig. Nicht nur Kampfsportarten, sondern beispielsweise auch Fußball, Schifahren und Mountain-Biken können die Hoden schädigen. Bei ärgeren Verletzungen geht es um möglichst rasche ärztliche Hilfe.


Warum befinden sich ausgerechnet die empfindlichen Hoden nicht gut geschützt innerhalb des Körpers? Diese Frage hat sich schon so mancher Mann nach einem schmerzhaften Schlag oder Tritt gestellt. Tatsächlich gibt es einen guten Grund für die exponierte Lage dieses Körperteils: In den Hoden werden die Samenzellen gebildet. Die dafür erforderliche Temperatur liegt um drei bis fünf Grad Celsius unter der Körpertemperatur. Innerhalb des Körpers wären die Temperaturen für eine optimale Spermienproduktion also zu hoch. Damit wird auch verständlich, warum zu enge und dadurch "aufheizende" Kleidung die Fruchtbarkeit eines Mannes verringern kann. Neben sehr knapp sitzenden Jeans machen vor allem Tritte oder Schläge den Hoden zu schaffen. Gefährlich sind hier besonders Kampfsportarten. Auch das Fußballspielen, Zweiradfahren und das Schifahren (Schistöcke) bergen Risiken. Raufereien sind ein weiterer Grund für Schädigungen des Hodens. Die Palette reicht hier von relativ harmlosen Prellungen, über Einrisse, Verletzungen an der Haut des Hodensacks bis hin zum seltenen kompletten Abriss eines Hodens. Kleinere Verletzungen lassen sich durch Ruhigstellung und den Einsatz von Medikamenten in den Griff bekommen. Größere Risse werden operativ versorgt: Dabei wird die Hodenkapsel wieder verschlossen. Offene Hodenverletzungen müssen sofort chirurgisch behandelt werden, um den Hoden noch zu retten.

up

Mountainbiker sind gefährdet

Auch Radfahren im Gelände kann die Hoden schädigen, ergab eine Studie an der Universitätsklinik Innsbruck. Die untersuchten Männer waren fast täglich mindestens zwei Stunden mit dem Mountainbike unterwegs. Fast alle Untersuchten zeigten Hodenabnormalitäten wie Kalkeinlagerungen, Zysten und Veränderungen der Venen. Ursache dafür sind offenbar die ständigen Schläge und Stöße beim Querfeldeinfahren. Begeisterte Mountainbiker müssen dennoch nicht auf ihr Hobby verzichten, wenn sie während einer Radtour häufig Pausen einzulegen. Eine gute Polsterung von Sattel und Radfahrerhose verringern das Risiko ebenso wie Spezialsättel mit Aussparungen im Bereich der Hoden. Für Freizeitsportler, die nur ab und zu die Straße verlassen, besteht kein erhöhtes Risiko, so die beruhigende Feststellung der Wissenschaftler.

Dr. Regina Sailer

April 2006


Foto: rubrafoto, privat


Die etwa pflaumengroßen Hoden befinden sich in dem aus Bindegewebe bestehenden Hodensack (Scrotum). In den Hoden werden nicht nur die Spermien, sondern auch das wichtige männliche Geschlechtshormon Testosteron produziert. Hinter den Hoden liegen die beiden Nebenhoden. Hier werden die vom Hoden gebildeten Samen gesammelt und gespeichert.

Genügend Bewegungsfreiheit in den Kleidungsstücken: Enge und sehr knapp sitzenden Hosen können die Fruchtbarkeit eines Mannes verringern. Auch Radfahren im Gelände kann die Hoden schädigen. Daher auf optimale Ausrüstung achten. Gefederte Räder und ein Spezialsattel sind nützlich.

up

Kommentar

Kommentarbild von Univ. Doz. Dr. Doris Mack zum Printartikel "Ein dumpfer Schmerz und ein kleiner Bluterguss können Zeichen einer harmlosen Prellung des Hodens sein. Ein ausgeprägter Bluterguss, starke Schmerzen, eventuell mit Übelkeit, sind Zeichen einer stärkeren Verletzung. Vor allem dann, wenn der Hoden nach einer Verletzung beim Abtasten nicht mehr abgrenzbar ist, sollte man auf jeden Fall zum Urologen."
Univ. Doz. Dr. Doris Mack
Oberärztin an der Salzburger Landesklinik für Urologie und Andrologie

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015