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Somnambulismus: Schlafwandeln

Schlafwandeln – SomnambulismusIn der Fachsprache als Somnambulismus bezeichnet, zählt das Schlafwandeln zu einer von rund 90 verschiedenen Formen von Schlafstörungen. Knapp jedes dritte Kind schlafwandelt mindestens einmal im Leben, sagt Univ. Prof. Dr. Birgit Högl, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung. Auch wenn das Schlafwandeln meist nur wenige Minuten dauert, leben betroffene Menschen gefährlich.

„Schlafmediziner kennen über 90 verschiedene Arten von Schlafstörungen, eine von den sechs größeren Gruppen sind die Parasomnien, wozu auch das Schlafwandeln zählt“, erklärt Högl,. Unter Schlafwandeln versteht man das nächtliche Verlassen des Bettes im Tiefschlaf. Betroffene gehen durch die Wohnung oder erledigen bestimmte Dinge. „Eigentlich schläft das Gehirn, jedoch sind Teile davon noch aktiv, sodass man beispielsweise herumgehen kann“, so Högl. Das Schlafwandeln dauert meist nur wenige Minuten, manchmal wachen Betroffene nur kurz auf, setzten sich auf, sprechen etwas oder sehen herum. Selten dauert die Phase des Schlafwandelns bis zu einer halben Stunde. Personen, die schlafwandeln, haben meist eine starre, ausdruckslose Mimik und halten die Augen offen.

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Knapp jedes dritte Kind schlafwandelt

Kennzeichnend für das Schlafwandeln ist, dass sich Betroffene am nächsten Tag nicht mehr an den nächtlichen „Ausflug“ erinnern können – in der Fachsprache wird dies als retograde Amnesie bezeichnet. Die am häufigsten betroffenen Personen sind Kinder: „Schlafwandeln tritt sehr häufig auf, vor allem bei Kindern. 20 bis 30 Prozent sind mindestens einmal in ihrem Leben davon betroffen. Bei Erwachsenen sind rund drei von 100 Menschen Schlafwandler“, erklärt Högl.

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Gefahr im Schlaf

Die Meinung, dass man einen Schlafwandler nicht wecken soll, weil er sich ansonsten verletzt, ist nach wie vor weit verbreitet. „Die Annahme mit der vermeintlichen Sicherheit stimmt nicht, weil die Wahrnehmung von Schlafwandlern deutlich gestört ist. Es kann sein, dass in 100 Fällen alles gut geht und man beim 101. Mal aus dem Fenster fällt“, erklärt Högl, die auch den Bereich Schlafmedizin der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck leitet. Schlafwandeln sollte wegen der Verletzungsgefahr nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn das Risiko, sich während des nächtlichen Ausfluges zu verletzen, ist nicht gering. Menschen, die schlafwandeln, können über Treppen fallen, sich an herumstehenden Möbeln und scharfen Kanten verletzen oder gegen Wände laufen.

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Ursachen

Warum man schlafwandelt, ist noch nicht gänzlich erforscht. Högl sieht genetische Faktoren als mögliche Ursache: „Schlafwandeln hat einen genetischen Hintergrund. Wenn ein Kinder schlafwandelt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass auch Vater oder Mutter oder sogar beide Elternteile ebenfalls davon betroffen sind.“ Man geht jedoch auch davon aus, dass es bestimmte Faktoren gibt, die das Schlafwandeln begünstigen, wie zum Beispiel Stress oder Ängste, aber auch Alkohol oder bestimmte Medikamente.

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Untersuchung

Ob die Schlafstörung neurologische Ursachen hat, sollte im Schlaflabor abgeklärt werden. Dort werden eine Nacht lang die Gehirnströme aufgezeichnet – Mediziner können anschließend anhand der Schlafkurven die schlafwandelnden Phasen feststellen. Selbst wenn keine richtige Phase des Schlafwandels in der Zeit der Beobachtung auftritt, lässt sich anhand von kleinen Ereignissen während des Schlafes erkennen, ob man unter Somnambulismus leidet.

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Behandlungs- und Hilfsmöglichkeiten

Schlafwandelnde Personen sollten möglichst sanft wieder ins Bett geführt werden. Daneben empfiehlt es sich, diverse Vorkehrungen zur Sicherung des Schlafumfelds zu treffen. Dazu zählt, auf Stockbetten bei Kindern zu verzichten, die Wohnungstür zu verriegeln und den Schlüssel abzuziehen, kantige Möbel wegzustellen und Schutzmaßnahmen bei Fenstern vorzunehmen. Zusätzlich rät Högl: „Wichtig ist, dass man eine richtige Beratung erhält. Manchmal – in Einzelfällen – werden auch Medikamente einsetzt. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn das Schlafwandeln eine Gefahr für den Betroffenen darstellt.“ Empfehlenswert ist zudem, auf eine richtige Schlafhygiene wie regelmäßige Schlafzeiten, keine späten Mahlzeiten oder eine ausreichende Schlafdauer zu achten.

Auf die Frage, wann ärztliche Hilfe aufgesucht werden soll, antwortet die Medizinerin: „Wenn Schlafwandeln erst sehr spät – also nach der Pubertät – auftritt, wenn das Verhalten sehr auffällig ist und kein Elternteil selbst betroffen ist/war, dann sollte ein Arzt aufgesucht werden, damit andere Krankheiten wie beispielsweise Epilepsie ausgeschlossen werden können.“

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Weitere Informationen

Nähere Informationen zum Somnambulismus finden Sie auf der Internetseite der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin unter www.schlafmedizin.at.

MMag. Birgit Koxeder
Juli 2009


Foto: Bilderbox


Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020