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Rapid Arc: Strahlen fürs Leben

Rapid Arc: Strahlen fürs LebenKaum eine medizinische Disziplin hat in den letzten Jahren solche Fortschritte gemacht, wie die Radio-Onkologie. Der Rapid Arc etwa ist ein Linearbeschleuniger, mit dem selbst komplexe Tumore hochpräzise, effizient, schonend und deutlich schneller bestrahlt werden können.

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Unwissenheit macht Angst

Für viele Menschen bedeutet eine Strahlentherapie der „Gang nach Canossa“. „Das ist verständlich“, erklärt Univ.-Doz. Prim. Dr. Josef Hammer, Vorstand der Radio-Onkologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz. „Denn Strahlen sind unsichtbar, und man kann sie weder riechen noch schmecken. Und in der Bevölkerung sind noch die Erinnerungen an die schweren Nebenwirkungen der früheren Röntgen-Bestrahlungen vorhanden. Deshalb wird die Strahlentherapie von vielen Menschen als bedrohend empfunden.“ Aufklärung tut nach wie vor Not, denn es ist gerade die Radio-Onkologie, welcher in der interdisziplinären Krebstherapie sowohl im kurativen (heilenden) als auch im palliativen (schmerzlindernden) Behandlungskonzept eine große Bedeutung zukommt.

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Bildgebende Methoden

Das primäre Problem der Strahlentherapie von Tumoren, nämlich einen unsichtbaren Tumor mit ebenfalls unsichtbaren Strahlen zu behandeln, war fast 100 Jahre lang ungelöst und Ursache für die oft unbefriedigenden Ergebnisse der Strahlentherapie. Mit den seit Jahren zunehmenden Verbesserungen in den Bildgebenden Methoden der Computertomographie (CT), der Magnetresonanz (MR) und der Protonen-Emissions-Tomographie (PET) und den modernen Planungscomputern für Strahlentherapie ist beste Information über die Lage eines Tumors gegeben. „Wir wissen damit, wo wir die Dosis applizieren müssen, kennen die Dosis und die Dosisverteilung, können diese auf das notwendige Zielvolumen fokussieren und können damit auch Nebenwirkungen vermindern und vorhersagen“, sagt Hammer.

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Enorme Fortschritte

Zwei von drei aller Krebspatienten werden im Zuge ihrer Behandlung bestrahlt. In Oberösterreich sind das rund 2.200 Menschen. „Bei gut 45 Prozent aller dauerhaften Tumorheilungen ist die Strahlentherapie mitbeteiligt oder die alleinige Behandlung“, erklärt Hammer, „denn die Radio-Onkologie hat in den letzten Jahren wie kaum eine andere medizinische Disziplin Fortschritte gemacht.“

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Erneutes Tumorwachstum

Wie wichtig die Radio-Onkologie im Therapiekonzept bei Krebserkrankungen ist, wird beim Mammakarzinom deutlich. Heutzutage können Chirurgen in rund 75 bis 80 Prozent der Fälle eine brusterhaltende Operation durchführen. Voraussetzung dafür ist die unterstützende (adjuvante) Bestrahlung nach der Operation, die ein lokales Rezidiv, also ein erneutes Tumorwachstum verhindern soll.

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Gewebeschonend

Das Mehrlamellen-System des Linearbeschleunigers ermöglicht die so genannte intensitäts-modulierte Strahlentherapie (IMRT). Durch verschiedene Lamellenanordnungen innerhalb eines Bestrahlungsfeldes und mittels mehrerer solcher Felder können auf ein Tumorareal hohe Bestrahlungsdosen appliziert werden, ohne die Umgebung weiter zu belasten. Der Vorteil liegt in der Dosis-Eskalation (exzessive Dosiserhöhung innerhalb eines Organs oder Tumors). Mit dem Rapid Arc System, ein Linearbeschleuniger der neuesten Generation, wurde die IMRT erweitert. Hierbei fährt die Bestrahlungsanlage in nur zwei Minuten einmal um den Patienten und kann dabei millimetergenau das Zielvolumen erfassen und somit noch genauer bestrahlen als die bisher verfügbaren Techniken. Mit der Rapid Arc-Technik ist eine exakte Dosisverteilung möglich, so dass man eine deutlich höhere Dosis anwenden kann, ohne dass Nebenwirkungen an den Normalgeweben zu stark werden oder sich Spätfolgen erhöhen.

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Nebenwirkung verringern

Besonders vorteilhaft ist diese Technik bei Patienten mit Tumoren in unmittelbarer Nachbarschaft von strahlenempfindlichen Organen. Dazu zählen Bestrahlungen im Becken und ebenso wie der HNO-Bereich, wo die Nebenwirkungen besonders unangenehm sein können. So kann man zum Bespiel einen Patienten mit Prostatakarzinom intensiver als früher bestrahlen, weil sich durch die höhere Zielgenauigkeit Blase und Enddarm besser schonen lassen. Auch aus diesem Grund sind die Heilungsraten durch eine Strahlentherapie beim Prostatakarzinom in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen.

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Angenehmer für Patienten

Die verschiedenen Bestrahlungstechniken sind meist aufwändig und für den Patienten zeitintensiv. Der Patient muss während der Behandlung lange still liegen. Denn bislang stoppt der Strahlerkopf nach jeder Bestrahlung, bevor er eine neue Position anfährt. Das ist bei der neuen Methode anders. Bei „Rapid Arc“ müssen die Patienten zwar auch still liegen, aber nur noch wenige Minuten. Das wird natürlich vom Patienten als viel angenehmer empfunden.

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Keine falsche Hoffnungen

Trotz aller medizinischen Fortschritte ist die Heilung von Tumorerkrankungen nicht immer möglich. Jedoch kann durch die Strahlentherapie eine Linderung tumorbedingter Symptome und oft auch eine Lebensverlängerung erzielt werden. Vor allem Schmerzen (zum Beispiel Knochenschmerzen bedingt durch Metastasen) sprechen gut auf eine Bestrahlung an.

Elisabeth Dietz-Buchner

Dezember 2010

Foto: KH der Barmherzige Schwestern Linz

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020