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Aneurysma: Gefährliche Erweiterung

Aneurysma: Gefährliche ErweiterungEin Aneurysma kann Lebensgefahr bedeuten und wird oft zu spät erkannt. Reißt das erkrankte Gefäß, bedeutet das in manchen Fällen höchste Lebensgefahr.

Das Aneurysma, eine krankhafte Erweiterung des Gefäßsystems, kann dramatische Folgen haben. Ein prominentes Opfer war etwa Albert Einstein. Er starb an einer Erweiterung der Bauchschlagader, die geplatzt war, was zu einem tödlichen Blutverlust führte. Bauchaortenaneurysmen (BAA) machen rund die Hälfte aller Aneurysmen aus. Weitere Manifestationsorte sind die Brustschlagader, die Kniekehlenarterie sowie die Schlagadern im Hals und im Gehirn. Grundsätzlich kann aber jede Arterie krankhaft erweitert sein. Das Leiden trifft etwa zwei Prozent der Bevölkerung. Bei den über 65-Jährigen sind es bereits fünf Prozent. Gefördert wird es durch Rauchen und unbehandelten Bluthochdruck. Auch eine erbliche Veranlagung zu einem schwachen Bindegewebe spielt eine Rolle. Bei jedem fünften Patienten mit Aneurysma kommt die Erkrankung bei einem nahen Verwandten vor. So etwa auch bei den Nachkommen von Albert Einstein: Dessen Sohn sowie ein Enkel litten ebenfalls an einem Bauchaortenaneurysma. Da das Bindegewebe auch bei nicht erblich belasteten Menschen mit zunehmendem Alter erschlafft, wird die Ausdehnung eines Gefäßes im vorgerückten Alter wahrscheinlicher. Aneurysmen sind nicht zwangsläufig gefährlich.

Viele Menschen leiden zeit ihres Lebens völlig unbemerkt und ohne gesundheitliche Folgen an einer Gefäßerweiterung. Wächst diese allerdings zu einer bedrohlichen Größe heran, werden die Gefäßwände wie ein Ballon bis zum Platzen gedehnt. Reißt die Hauptschlagader (Aorta) schließlich, kann durch den hohen Blutverlust schnell das Leben des Patienten in Gefahr geraten.

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Lebensrettende OP

Ein Aneurysma wird oft zufällig erkannt. Dabei wäre die Diagnose unkompliziert, erklärt Primar Dr. Afshin Assadian, leitender Gefäßchirurg am Wiener Wilhelminenspital und Sprecher des Gefäßforums Österreich: So lasse sich etwa das Bauchaortenaneurysma als häufigstes Aneurysma des Menschen einfach durch Ultraschalluntersuchungen diagnostizieren und kontrollieren. Um einen Todesfall pro Jahr zu verhindern, müsste lediglich die vergleichsweise geringe Zahl von 300 Risikopatienten vorsorglich untersucht werden.

Ab einer gewissen Größe der Bluttasche kann die rechtzeitige OP lebensrettend sein. Es gibt mittlerweile verschiedene Therapiemöglichkeiten. Das ausgeweitete Gefäß lässt sich herkömmlich operieren und „reparieren“ oder mit einer sogenannten Stent-Prothese innerhalb des Gefäßes stabilisieren. Kürzlich wurde im Wiener Wilhelminenspital erstmals eine neuartige Gefäßprothese eingesetzt, die besonders fest mit der Aortawand verbunden ist. Sie bringt vor allem bei komplexen, bis dato sehr schwierig behandelbaren Aortenkonfigurationen Vorteile.

Dr. Regina Sailer

Oktober 2012

Foto: privat,  © Christoph Droste / pixelio.de

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Kommentar

Aneurysma: Gefährliche Erweiterung„Ein Aneurysma kann entweder klassisch chirurgisch – von außen – oder über die Gefäße selbst mittels Stent behandelt werden. Neue wissenschaftliche Konzepte lassen erwarten, dass in Zukunft noch mehr Menschen von neuen Stent-Therapien profitieren werden.“
Dr. Afshin Assadian
Vorstand der Abteilung für Chirurgie am Wilhelminenspital, Wien

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020