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Hörsturz: Wie ein Wattebausch im Ohr

Hörsturz: Wie ein Wattebausch im OhrPro Jahr erleiden tausende Menschen einen Hörsturz. Pro Jahr verlieren in Österreich Tausende Menschen von einer Sekunde auf die andere ihr Hörvermögen. Über die genauen Ursachen der als Hörsturz definierten Erkrankung herrscht noch Unklarheit, daher gibt es auch noch keine Standard-Therapie.

Allgemein nehmen die Mediziner an, dass dem Hörverlust eine plötzliche Durchblutungsstörung in den Gefäßen des Innenohrs zugrunde liegt, vergleichbar mit Gefäßverschlüssen bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die Unterversorgung des Ohrs mit Blut kann unter anderem durch eine Verklumpung oder Verstopfung in den Blutgefäßen entstehen. In der Folge werden die signalverarbeitenden Haarzellen nicht mehr genügend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, was zu einer Funktionsminderung bis hin zum Absterben der Hörzellen führen kann. Auslöser können neben einer verminderten Durchblutung auch Virusinfekte, Störungen der Immunabwehr oder Funktionsstörungen der Nervenbahnen des Innenohrs sein. Nicht zuletzt wird von Experten auch Stress in Beruf und Familie als Ursache angegeben. Als mögliche Auslöser oder Verstärker einer Minderdurchblutung des Innenohrs und somit eines Hörsturzes gelten außerdem Übergewicht, Diabetes, erhöhte Blutfette, Herzerkrankungen, Blutdruckschwankungen sowie übermäßiger Nikotin- und Alkoholkonsum. Die Krankheit tritt besonders häufig im Alter zwischen 50 und 60 Jahren auf, wobei Männer und Frauen gleichermaßen betroffen sind.

Hörsturz: Wie ein Wattebausch im Ohr 







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Plötzliche Schwerhörigkeit als Alarmzeichen

Normalerweise ist beim Hörsturz zunächst nur ein Ohr in Mitleidenschaft gezogen. Im weiteren Verlauf kann er jedoch beide Ohren betreffen. Der Hörsturz ist durch ein einseitiges Druckgefühl im betroffenen Ohr charakterisiert, das mit einer plötzlichen Verschlechterung der Hörwahrnehmung einher geht. Ein Zustand, der von den Betroffenen oft als das Gefühl, „einen Wattebausch im Ohr zu haben“, beschrieben wird. „Ein Hörsturz ist für die meisten Patienten ein sehr dramatischen Ereignis. Sie wachen auf und hören plötzlich nichts mehr. Viele haben dann Angst, einen Schlaganfall erlitten zu haben“, erzählt Univ.-Prof. Dr. Klaus Böheim, Leiter der HNO-Abteilung am Landesklinikum in St. Pölten.

Eine plötzliche Hörverminderung muss sofort behandelt werden. Nur ein Facharzt kann feststellen, ob es sich tatsächlich um einen Hörsturz handelt oder andere Ursachen – die von Ohrenschmalz bis zu krankhaften Veränderungen der Hörnerven reichen können – haben kann. Wenn ein Hörsturz nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird, kann das verminderte Hörvermögen nicht wieder normalisiert werden. Im schlimmsten Fall kann dies zur völligen Taubheit führen.

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Frühe Behandlung rettet Hörvermögen

Generell gilt, dass je frührer ein Hörsturz behandelt wird, desto besser die Heilungschancen sind. Studien zufolge kehrt bei Behandlungsbeginn in der ersten Woche das Hörvermögen in mehr als 80 Prozent der Fälle vollkommen oder zumindest teilweise zurück, weil die Hörzelle eine kurzzeitige Unterversorgung in diesem Zeitraum unbeschadet überstehen kann. Bei der Behandlung gibt es keine Standard-, allerdings einige sehr wirkungsvolle Therapien. „Wir behandeln einen Hörsturz mit einer zehntägigen Infusionsbehandlung, wobei gefäßerweiternde Mittel und Cortison verabreicht werden“, so Böheim. Alle Akutmaßnahmen zielen darauf ab, die verminderte Versorgung der Hörzellen mit Blut und somit mit Sauerstoff und Nährstoffen zu verbessern. Ein weiteres, relativ neues Verfahren zur Verbesserung des Blutflusses ist die so genannte Hämapherese. Bei dieser Art der „Blutwäsche“ wird das Blut aus einer Armvene abgeleitet, dann einer Maschine zugeführt, die das Blut von den Bestandteilen befreit, die seine Fließeigenschaften verhindern. Anschließend wird es wieder dem Blutkreislauf zugeführt. Auch die hyperbare Sauerstofftherapie kommt häufig zum Einsatz. Der Patient befindet sich dabei in einer Überdruckkammer und atmet reinen Sauerstoff über eine Atemmaske ein. Durch die künstlich erzeugten Überdruckbedingungen werden Blut und Gewebe nun verstärkt mit Sauerstoff versorgt, wodurch auch mehr sauerstoffreiches Blut zum Innenohr transportiert wird.

Mag. Kornelia Wernitznig

Juli 2010

Foto: © sparkie /
pixelio.de, privat

Grafik: deSign of Life

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Kommentar:

Kommentarbild von Univ.-Prof. Prim. Dr. Klaus Böheim zum Printartikel „Ein Hörsturz wird von den meisten Menschen als sehr dramatisches Ereignis, verbunden mit der Angst vor einem Schlaganfall, empfunden. Nur durch eine genaue Diagnose und schnelle Behandlung können gute Erfolge in der Behandlung erzielt und den Patienten die Angst vor bleibender Taubheit genommen werden. Die Therapie wird in jedem Fall individuell auf den betroffenen Patienten abgestimmt.“
Univ.-Prof. Prim. Dr. Klaus Böheim
Leiter der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung am Landesklinikum St. Pölten

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020