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Allergien: Spritzen, Tabletten, Tropfen

Allergien: Spritzen, Tabletten, TropfenWenn die Nase läuft, die Augen tränen und die Lunge rasselt, kann eine Allergie die Ursache sein. Oft hilft dann nur noch eine Immuntherapie. Dafür stehen neben der herkömmlichen Spritze stehen auch Tropfen und Tabletten zur Verfügung.

Eine Allergie ist eine übertriebene Abwehrreaktion des Immunsystems auf einen bestimmten – normalerweise harmlosen – Umweltstoff (Allergen), mit Symptomen wie Atembeschwerden, Niesen, tränenden Augen etc. Der Organismus produziert dann bestimmte Antikörper, um sich vor dem Allergen zu schützen, das er irrtümlich als „Gefahr“ identifiziert hat.

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Gefährlicher „Etagenwechsel“

„Das Gefährliche an Allergien sind vor allem die möglichen Auswirkungen auf die Bronchien. Es kann zu einer Verengung und Verkrampfung der Bronchialmuskulatur kommen, die zu Asthmaanfällen und Atemnot führen kann“, sagt Prim. Dr. Bernhard Baumgartner, Leiter der Abteilung für Lungenkrankheiten am LKH Vöcklabruck.
Bei Heuschnupfenpatienten wird mittels Therapie versucht, einem möglichen „Etagenwechsel“ vorzubeugen. So bezeichnet man die Ausweitung der Beschwerden von Nasen, Rachen und Augen (obere Etage) auf die Lunge (untere Etage). Selten, aber lebensgefährlich ist die stärkste Reaktion, der allergische Schock.

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Hyposensibilisierung mit der Spritze

Eine wirksame Therapie ist die Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie genannt. Sie bekämpft nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursache, indem sie das Immunsystem langsam an die Allergene gewöhnt. Durch diese Ursachenbekämpfung kann es auch zu einer tatsächlichen Heilung kommen.
Eine Immuntherapie kommt zum Einsatz bei Allergien auf Pollen, Hausstaubmilben, Katzenhaare und Schimmelpilze. Bei Insektengiftallergien erweist sie sich oft als lebensrettend. Eine Hyposensibiliserung wirkt immer nur gegen eine bestimmte Allergie. Ist jemand etwa gegen Pollen und Hausstaubmilben allergisch, müsste man gegen beide Allergie sensibilisieren.
Üblich ist zumeist eine Immunisierung mittels Spritze. Bei dieser so genannten subkutanen Immuntherapie injiziert der Arzt ein Allergenextrakt unter die Haut des Oberarms. Betroffene erhalten winzige Mengen des Allergens verabreicht, das in höherer Konzentration eine heftige Reaktion auslösen würde. Aufgrund der niedrigen Dosis kann das Abwehrsystem lernen, angemessen auf das jeweilige Allergen zu reagieren. Allmählich wird das Allergen in ansteigender Dosierung zugeführt. Das Immunsystem lernt, dass das Allergen keine Gefahr darstellt und nicht durch Antikörper bekämpft werden muss. Funktioniert dieser Lernprozess, werden die allergischen Symptome im Laufe der Therapie schwächer.
In den ersten Wochen injiziert der Arzt das Allergen einmal wöchentlich, danach alle vier bis acht Wochen. Erst nach drei bis fünf Jahren ist die Behandlung abgeschlossen. Es sei denn, die Allergie bessert sich in den ersten beiden Jahren überhaupt nicht, dann wird sie vorzeitig abgebrochen.

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Immunisierung mittels Tropfen

Sublinguale Sensibilisierung (Tropfen unter die Zunge) ist nicht nur bei Gräsern, sondern auch bei anderen Allergien möglich. „Es gibt zwar nur wenige vergleichende Studien, sie dürfte aber ähnlich wirksam wie die herkömmliche Immunisierung mittels Spritze sein“, so Baumgartner. Die Therapie muss ebenfalls auf die jeweilige Allergie abgestimmt werden.
Vor allem Kinder bekommen Tropfen, wenn sie Angst vor Spritzen haben. Aber auch Erwachsene entscheiden sich für diese Art der Sensibilisierung, vor allem wegen des Zeitproblems. „Nicht alle haben Zeit, in den Anfangsmonaten jede Woche zum Arzt zu gehen. Und dies ist nötig, denn die Wirkung muss überwacht werden“, sagt Primar Baumgartner. Aber Achtung: Wer sich für Tropfen entscheidet, muss diese täglich nehmen! Und zwar jeweils morgens auf nüchternen Magen direkt unter die Zunge. Dort wird die Lösung für zwei Minuten belassen und danach geschluckt.

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Gräsertablette

Gräserpollen sind die häufigste Ursache von allergischer Rhinitis (Schnupfen). Die Hyposensibilisierung gegen eine Gräserpollenallergie kann auf drei verschiedene Arten erfolgen: Durch die Einnahme von Tabletten, Tropfen oder mittels Injektion.
Die saisonale 5-Gräser-Tablette enthält fünf der wichtigsten Gräserallergene, welche die häufigsten Auslöser von Heuschnupfen sind. Sie ist für Erwachsene und Kinder ab fünf Jahren geeignet. Man muss die Tabletten nur sechs Monate im Jahr einnehmen und zwar vor und während der Pollensaison. „Vergleichbare Tabletten wie die gegen Gräserpollen gibt es für Allergiker gegen Baumpollen, Hausstaubmilben etc. noch nicht. Daran wird zwar geforscht, das ist aber noch Zukunftsmusik“, so Baumgartner.

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Erfolgsraten

Am besten wirkt die Immunisierung bei Patienten, die nur gegen einen einzigen Auslöser allergisch sind. Hier gibt es eine Ansprechrate von 70 Prozent. Die Erfolgsrate sinkt, je mehr Stoffe eine Allergie auslösen.
Bei der Insektengiftallergie ist die Erfolgsquote beachtlich – 70 bis 100 Prozent bei Bienen und Wespen. Bei Hausstaubmilben wirkt eine Immunisierung nur bedingt: Die Erfolgsrate liegt bei mageren 30 Prozent.
Ein weiteres Erfolgskriterium ist die Zeit. Je früher eine Allergie erkannt und behandelt wird, umso besser sind die Erfolgschancen. Das Immunsystem von Kindern und Jugendlichen ist in der Regel lernfähiger als das der Erwachsenen. Zudem entwickeln sich im Laufe der Jahre häufig weitere Allergien, das wiederum lässt die Erfolgsrate der Behandlung sinken. Eine frühzeitige spezifische Immuntherapie vermindert zudem die Gefahr, dass sich weitere Allergien entwickeln. Abhängig ist der Therapieerfolg auch vom genauen Einhalten des Therapieplans.
„Die Langzeiteffekte einer Hyposensibilisierung sind jedoch unklar. Die Immunisierung wirkt nämlich nicht wie eine Schutzimpfung. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass die Allergie nach einiger Zeit wieder kommt. Die Sensibilisierung kann, muss aber nicht bis an das Lebensende anhalten. Das bedeutet, dass eine wiederholte Immunisierung in einigen Jahren nötig werden kann“, so Baumgartner.

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Wer sollte sich immunisieren lassen?

Oberste Priorität bei Bestehen einer Allergie hat das Meiden der Auslöser. Da dies oft nicht möglich ist, ist meist eine medikamentöse Therapie nötig. Finden Patienten mit dieser jedoch wegen des Schweregrades nicht das Auslangen, sollte man mit einem Allerologen über die Möglichkeit, Sinnhaftigkeit und Erfolgsaussichten einer Hypersensibilisierung sprechen.
„Immunisieren lassen sollten sich jedenfalls Asthmatiker, also Personen mit allergischem Asthma. Sobald die Bronchien angegriffen werden, sollte man unbedingt an eine Hyposensibiliserung denken. Dasselbe gilt für jeden, der massive Beschwerden hat und diese mit herkömmlichen Mitteln nicht in den Griff bekommt. Ebenso gilt das für Personen, die berufsbedingt symptomfrei sein sollten, wie Berufskraftfahrer, Piloten etc.“, sagt der Lungenfacharzt.

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Kreuzallergie: Forschung läuft

Rund 400.000 Österreicher sind von einer Birkenpollen-Allergie betroffen und etwa 70 Prozent davon leiden an einer Kreuzallergie. Das heißt, sie sind zusätzlich gegen einige Lebensmittel allergisch. Meist betrifft dies Kernobst (Apfel, Pfirsich etc.), Haselnuss, oft auch Karotten und Sellerie. Während die Pollenallergie nur für einen begrenzten Zeitraum von ein bis zwei Monaten akut ist, besteht die Nahrungsmittelallergie das ganze Jahr über.
Eine Hyposensibilisierung gegen Birkenpollen zeitigt zwar gute Erfolge, ändert jedoch nichts an einer bestehenden Kreuzallergie. Wurde die Allergie erfolgreich beseitigt, besteht demnach die Unverträglichkeit von Apfel & Co weiter. Die gute Nachricht: Laut Forscher der MedUni Wien stehe man kurz vor dem Durchbruch für eine neue, wirksamere Generation an Impfstoffen, die auch bei einer Kreuzallergie helfen können.

Dr. Thomas Hartl
August 2012

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020