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Lupus erythematodes: Tödlicher Schmetterling

Lupus erythematodes Lupus erythematodes – der „rötliche Wolf“ gefährdet vor allem junge Frauen. Eine perfekt ausgeklügelte Gesundheitspolizei, das Immunsystem, schützt uns vor Eindringlingen wie Bakterien, Pilzen, Parasiten und Viren. Eine Autoimmunerkrankung kann dieses Immunsystem aber ganz schnell außer Kontrolle bringen. Der Körper bildet dann zerstörende Antikörper gegen sich selbst oder gegen bestimmte Organe. Eine dieser Autoimmunerkrankungen, deren aggressive Auto-Antikörper im schlimmsten Fall die menschlichen Nieren zerstören und zum Tod führen können, ist der systemische Lupus erythematodes, SLE genannt.

Der systemische Lupus eryhtematodes zählt zu den rheumatischen Erkrankungen und betrifft hauptsächlich Frauen zwischen dem 18. und 45. Lebensjahr. Weil der SLE zwar keine Erbkrankheit, aber genetisch bedingt ist, wird betroffenen Frauen von einer Schwangerschaft abgeraten. Die Gefahr, dass die Krankheit an das Kind übergeben wird, ist zu groß. Der Name systemischen Lupus erythematodes – rötlicher Wolf – wurde vom schmetterlingsförmigen Gesichtsausschlag abgeleitet, wie man ihn bei vielen SLE-Patienten als eines der ersten Anzeichen für die Krankheit findet. Lupus kommt aus dem Lateinischen und heißt Wolf. „Die Bezeichnung lässt vermuten, dass es die Erkrankung schon sehr sehr lange gibt und diese die Menschen früher so entstellt hat, dass sie so furchterregend ausgeschaut haben wie Wölfe“, erzählt SLE-Experte, Rheumatologe Dr. Manfred Linkesch aus Linz. Aber nicht immer beginnt SLE mit den charakteristischen Hautveränderungen im Gesicht, die wie Schmetterlingsflügel ausschauen. Eine Vielzahl unterschiedlicher Symptome macht es Ärzten und Betroffenen oft schwer, eine Diagnose zu stellen. Mögliche erste Anzeichen eines Lupus können allgemeine Abgeschlagenheit, Schwächegefühl, Konzentrations-und Merkfähigkeitsprobleme, Lichtempfindlichkeit und Schmerzen in Gelenken und Muskeln sein. Wie bei vielen anderen Autoimmunkrankheiten kennt die Medizin auch die Ursachen vom SLE nicht.

Man vermutet ein Zusammenwirken von genetischer Veranlagung und äußeren Faktoren. Dabei spielen die weiblichen Östrogene eine wichtige Rolle. Auch Schwangerschaft, Entbindung, Sonnenbestrahlung oder die Einnahme der Pille und anderer Medikamente können SLE auslösen. Psychologische Faktoren spielen zwar keine ursächliche Rolle, Stress und psychosoziale Belastungen wirken sich aber wie bei allen Autoimmunkrankheiten ungünstig auf den Krankheitsverlauf aus.

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In schweren Fällen tödlich

Bei milden Krankheitsverläufen kommt es „nur“ zu einem reinen Hautbefall und Gelenkserkrankungen, die im Gegensatz zur Polyarthritis das Gelenk aber nicht zerstören Bei schweren Krankheitsverläufen zerstören die Auto-Antikörper unaufhaltsam innere Organe, in den meisten Fällen die Nieren. „Zum Glück kommen solch schwere Verläufe nur sehr selten vor, allerdings sind davon hauptsächlich sehr junge Frauen zwischen 18 und 20 betroffen. Die Krankheit schreitet dann aber so rasch voran, dass die Betroffenen innerhalb kürzester Zeit – zwei bis drei Jahre – auf eine Dialyse angewiesen sind und in vielen Fällen sterben“, so Linkesch. In selteneren schweren Fällen greift der SLE auch die Lunge, das Nervensystem oder das Herz an. SLE gilt bisher als nicht heilbar. Die Therapie besteht aus entzündungshemmenden Medikamenten, die wie Kortison, Immunsuppressiva und Zytostatika an unterschiedlichen Stellen im Autoimmunprozess einsetzen und das verstärkt arbeitende Abwehrsystem zu bremsen versuchen. Während vor Einführung dieser Medikamente die meisten Betroffenen starben, kann man heute das Fortschreiten der Erkrankung oft doch verhindern. Gegenwärtig konzentriert sich die medizinische Forschung an den Universitätskliniken auf die Entwicklung neuer Behandlungsverfahren für die schwersten schubweisen Formen des SLE, von denen etwa fünf Prozent aller Erkrankten betroffen sind. Je früher die Behandlung beginnt – das gilt für alle Verlaufsformen des SLE – desto besser kann der Verlauf der Erkrankung beeinflusst werden. Wenn die Erkrankung bald nach ihrem Ausbruch erkannt und behandelt wird, haben Lupus-Betroffene – einer von 2000 Menschen – heute eine normale Lebenserwartung.

Mag. Kornelia Wernitznig
Mai 2010


Foto: Bilderbox, privat

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Kommentar

Kommentarbild von Dr. Gabriela Eichbauer-Sturm zum Printartikel „Erfreulicherweise hat sich die Prognose bei SLE durch die heutigen Therapiemöglichkeiten erheblich verbessert. Wichtig bei der Betreuung der Patienten ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Hausarzt, Internist und Rheumatologen, weil trotz der in vergangener Zeit guten Therapieerfolge die Gefährlichkeit der Krankheit nicht unterschätzt werden darf.“
Dr. Gabriela Eichbauer-Sturm
Oberärztin an der zweiten Medizinischen Abteilung des AKH Linz

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015