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Impotenz: Wenn man(n) nicht mehr kann

Wenn man nicht mehr kann - Impotenz Wenn im Bett nichts mehr geht, ist nicht nur bei Männern Frust angesagt. Experten gehen davon aus, dass „es“ bei immerhin jedem dritten Mann im Laufe des Lebens einmal nicht mehr funktioniert. Die Ursachen der Impotenz sind vielfältig. Auch wenn mit der Erkrankung große Schamgefühle verbunden sind, ist es wichtig, dass Betroffene frühzeitig einen Spezialisten aufsuchen, rät Primar Dr. Michael Dunzinger, Leiter der Abteilung für Urologie und Andrologie am Landeskrankenhaus Vöcklabruck.

 

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Was ist Impotenz?

Grundsätzlich können zwei verschiedene Arten von Impotenz unterschieden werden. Unter „Impotentia coeundi“ wird die Unfähigkeit verstanden, eine Erektion zu erlangen oder zu erhalten, um eine zufriedenstellende sexuelle Aktivität zu erreichen. Mit dieser Form wird auch das bezeichnet, was geläufig unter Impotenz verstanden wird. Hingegen handelt es sich bei der „Impotentia generandi“ oder Sterilität um eine mangelnde Fähigkeit zur Fortpflanzung, weil die Quantität oder Qualität des Samens nicht ausreichend ist, während die Erektion normal ist.

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Enttabuisierung erkennbar

Obwohl noch immer hauptsächlich ältere Männer unter Erektionsstörungen leiden – knapp ein Drittel der Männer über 60 Jahre gibt an, Erektionsstörungen zu haben - erklärt der Experte, dass auch immer mehr jüngere Menschen Impotenz haben. „Schätzungsweise 400.000 bis 600.000 Österreicher sind von dieser Erkrankung betroffen. Nur rund zehn Prozent suchen einen Arzt auf“, erklärt der Primar. Wenn es auf der sexuellen Ebene nicht mehr richtig funktioniert, haben viele Männer nach wie vor große Schwierigkeiten damit, über ihr „Problem“ zu sprechen. Dennoch ist in den vergangenen Jahren – nicht zuletzt wegen der Einführung von „Viagra“ – eine größere Bereitschaft zum Aufsuchen eines Arztes zu verzeichnen. „Es ist eine Enttabuisierung zu bemerken. Immer mehr Männer sprechen über ihre Erektionsprobleme, oft kommen sie auch in Begleitung ihrer Partnerinnen.“ Auch spricht man immer seltener von „Impotenz“, sondern vielmehr von „erektiler Dysfunktion“ (E.D.).

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Ursachen der Impotenz

Damit es zu einer Erektion kommt, müssen viele Funktionen zusammenspielen. Betroffen sind Nerven, Blutgefäße, Hormone und natürlich auch die Psyche. Dementsprechend groß ist auch die Bandbreite an Ursachen, die für eine Impotenz in Frage kommen können. So spielen etwa das Alter, etwaige Erkrankungen wie Bluthochdruck, Zuckerkrankheit oder Fettsucht (Adipositas), psychische Probleme wie Depressionen, aber auch Nebenwirkungen von bestimmten Medikamenten wie blutdrucksenkende Mittel oder Psychopharmaka eine Rolle. Dennoch vermutet Dunzinger bei vielen Erektionsstörungen „eine ursächliche psychische Mitbeteiligung“, die beispielsweise durch Angst oder Stress verursacht werden. Auch können Erektionsstörungen oft das erste Anzeichen für eine andere Erkrankung wie beispielsweise Diabetes mellitus sein; knapp die Hälfte der Diabetiker leidet darunter. Häufig sind jedoch auch Durchblutungsstörungen der Grund für Erektionsprobleme.

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Rechtzeitig Arzt aufsuchen

Wenn „es“ nicht mehr funktioniert, ist der Leidensdruck zumeist groß, denn viele Betroffene fühlen sich ihrer Männlichkeit beraubt. Es ist deshalb von großer Wichtigkeit, nicht nur über das „Problem“ zu sprechen, sondern auch so früh wie möglich einen Urologen aufzusuchen. Dadurch sind auch die Behandlungserfolge größer. „Die erektile Dysfunktion ist ein Symptom, für das es Abhilfe gibt“, so Dunzinger.

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Behandlungsmöglichkeiten

Die Art der Behandlung richtet sich nach den Ursachen der Impotenz. Am häufigsten werden so genannte PDE-5-Hemmer eingesetzt, die 45 bis 60 Minuten vor dem Sexualverkehr geschluckt werden und vier bis 36 Stunden wirken. Bekanntestes Beispiel für einen PDE-5-Hemmer ist Viagra. Daneben sind noch Cialis und Levitra in Österreich erhältlich. Betroffene mit schweren Herz-Kreislauf Erkrankungen sollten jedoch nicht zu derartigen Medikamenten greifen.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit der Impotenz besteht in der Anwendung von Medikamenten, die vor der sexuellen Aktivität mit einer Nadel in den Schwellkörper des Penis gespritzt werden. Zusätzlich besteht noch die Möglichkeit, eine Vakuumpumpe zu verwenden. Dabei wird ein Kunststoffzylinder über den Penis angebracht, mit dem ein Vakuum erzeugt wird. Durch den dadurch verursachten Bluteinstrom versteift sich das Glied. Durch einen Ring, der im Anschluss an die Peniswurzel angebracht wird, soll der Blutrücklauf verhindert werden. Nach dem Sexualverkehr wird der Ring entfernt und der Penis erschlafft wieder. Nur in seltenen Fällen wird ein operatives Verfahren angewendet und eine Penisprothese eingesetzt, erklärt der Mediziner. Dabei werden die Schwellkörper durch zwei Silikonschläuche ersetzt. „Diese können bei Bedarf mittels eines unter der Haut liegenden Pumpensystems mit Flüssigkeit aufgefüllt werden“, so Dunzinger.

 

Mag. Birgit Koxeder

Dezember 2008


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015