DRUCKEN

Eierstockentzündung: Hohe Ansteckungsgefahr

Eierstockentzündung - Hände mit KondomDie Ursache für Adnexitis – im Volksmund bekannt als Eierstock- beziehungsweise Eileiterentzündung – ist fast immer eine sexuell übertragene bakterielle Infektion. Wird Adnexitis zu spät oder überhaupt nicht behandelt, können chronische Unterbauchschmerzen, Eileiterschwanger-schaften oder sogar Unfruchtbarkeit die Folge sein.


In Europa erkranken jährlich eine Million Frauen an Adnexitis", berichtet Primar Dr. Harald Gründling, Vorstand der Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz. Ausgelöst wird die Krankheit in den meisten Fällen durch eine bakterielle Infektion.

zum Seitenanfang springen

Infektionsweg und Schutz

Dabei steigen die Erreger aus dem Muttermundkanal auf und besiedeln Gebärmutterhöhle und Eileiter. Zu den Hauptkeimen zählen die Chlamydien. Das sind Bakterien, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Es gibt freilich auch andere Infektionswege. Dr. Harald Gründling: "Lange wurde unterschätzt, dass auch eine Milieustörung in der Scheide Entzündungen verursachen kann. Bemerkbar macht sich diese bakterielle Vaginose durch fischigen Geruch und wässrigen Ausfluss." Laut Statistik haben das größte Infektions-Risiko Frauen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren, die häufig den Sexualpartner wechseln. Die Chlamydien-Infektion ist vergleichsweise sehr ansteckend. Primar Gründling: "Die Gefahr einer Ansteckung ist bei der Eierstock- und Eileiterentzündung deutlich höher als bei Aids". Wirksamen Schutz bietet das Kondom.

zum Seitenanfang springen

Symptome

Zu den Symptomen einer Adnexitis zählen beidseitige Unterleibsschmerzen, Fieber, vermehrter Ausfluss und atypische Blutungen. "Oft verläuft die Krankheit aber auch fast ohne Beschwerden und die Frauen gehen nicht zum Arzt. Viele Patientinnen, die unter Langzeitfolgen bis hin zur Unfruchtbarkeit leiden, können sich an keine Entzündungssymptome erinnern", erklärt Gründling.

zum Seitenanfang springen

Partner mitbehandelt

Wird eine Adnexitis rechtzeitig erkannt, ist meist eine ambulante Therapie mit Antibiotika möglich."Bei einer Chlamydien-Infektion muss auch der Partner behandelt werden, sonst kann es zu einer Rückinfektion kommen", betont der Gynäkologe. Da eine bakterielle Infektion mit den Hauptkeimen Chlamydien die häufigste Ursache einer Adnexitis ist, konzentriert sich die Prävention vor allem auf diesen Bereich.

zum Seitenanfang springen

Aufklärung nötig

"Jeder Teenager soll aufgeklärt werden, dass eine gynäkologische Untersuchung mit Entnahme eines Abstrichs drei bis sechs Monate nach jedem Partnerwechsel empfehlenswert ist", unterstreicht der Primar. Damit kann auch eine Infektion, die unauffällig oder ganz ohne Symptome verläuft, frühzeitig erkannt und geheilt werden. Primarius Gründling: "In Schweden haben unter anderem die Meldepflicht für Chlamydieninfektionen sowie eine breit angelegte Information der Bevölkerung zu einem deutlichen Rückgang der Infektionen geführt. Die Zahl der Eileiterschwangerschaften konnte um 40 Prozent gesenkt werden."


Cornelia Schobesberger

Juni 2006


Foto: Bilderbox, pivat

zum Seitenanfang springen

Kommentar

Kommentarbild von Primar Dr. Harald Gründling zum Printartikel "Vorsorgemaßnahmen wie die regelmäßige gynäkologische Untersuchung nach einem Partnerwechsel sind im Kampf gegen die Adnexitis besonders wichtig. Eine frühzeitige Behandlung mit der richtigen Therapie verhindert schwerwiegende Spätfolgen."
Primar Dr. Harald Gründling
Vorstand der Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020