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Kinderkrankheit Masern


Sie sind weder harmlos noch längst ausgerottet: Die Rede ist von Masern. Wie die hoch ansteckende Krankheit übertragen wird und wie man sich dagegen schützt, erklärt Primarius Dr. Klaus Schmitt.

 

Masern sind nicht nur für Säuglinge gefährlich, sondern auch für Kinder und Erwachsene, denn sie sind hoch ansteckend. Prim. Univ.-Prof. Dr. Klaus Schmitt, ärztlicher Direktor der Landes-Frauen- und Kinderklinik in Linz, erklärt: „Masern können, fast wie die Windpocken, über einen sehr weiten Abstand übertragen werden. Die Erkrankung hat also eine hohe Infektiosität. Diese wird beurteilt, wie viele in der Umgebung durch einen Erkrankten angesteckt werden, was natürlich auch von der Durchimpfungsrate abhängig ist. Bei Masern wird ein Faktor von über 1:12 angegeben. Das heißt, dass ein Erkrankter zwölf weitere Menschen anstecken kann, wenn die Umgebung nicht geimpft ist.“ Die Übertragung der Viren erfolgt durch Tröpfchen, die etwa beim Sprechen, Husten oder Niesen auftreten.

 

Typischer Ausschlag

Erste Krankheitszeichen sind hohes Fieber sowie ein starker, meist eitriger Schnupfen. Zusätzlich können auch eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) und Husten auftreten. Nach etwa drei Tagen fiebern die Betroffenen ab und bekommen kurz darauf erneutes Fieber. „Mit dem neuerlichen Anfiebern kommt dann das typische Masernexanthem“, erklärt der Primar. Dabei handelt es sich um kleine Flecken, die im Gesicht oder hinter den Ohren beginnen und sich dann über den ganzen Körper ausbreiten. Sie bleiben einige Tage bestehen und heilen dann mit Hautschuppen ab. Zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen vergehen neun bis elf Tage. Die Betroffenen sind allerdings zirka zwei Tage vor Auftreten des Exanthems sowie bis zum Abflauen des Ausschlags ansteckend.

 

Schwere Komplikationen

Zu diesen Symptomen können noch andere hinzukommen. Denn Masern führen bei einigen Betroffenen zu mitunter schweren Komplikationen. „Wir unterscheiden zwischen Akut- und Spätkomplikationen. Die Masernviren hemmen unser Immunsystem. Daher können viel leichter bakterielle Infekte auftreten. Unmittelbar im Anschluss an die Maserninfektion sehen wir unter anderem vermehrt Ohren-, Rachen- oder Lungenentzündungen mit durchaus schwerem Verlauf“, so Dr. Schmitt. Zu den akuten Komplikationen zählt auch eine Hirnentzündung (akute Enzephalitis) mit Beeinträchtigung der Bewusstseinslage sowie mit motorischen und sensorischen Ausfällen. Ferner können Bronchiektasen auftreten. Dabei handelt es sich um Erweiterungen der Bronchien, die sich nicht zurückbilden. Dadurch wird das Lungengewerbe in diesen Bereichen schwer geschädigt.

 

Tödliche Hirnentzündung

Als Spätkomplikation nennt der Mediziner die subakute sklerosierende Panenzephalitis. „Dabei kommt es Monate bis Jahre nach der Maserninfektion zu einer chronischen Hirnentzündung und zu einem langsamen Abbau der Gehirnleistungen. Betroffene Kinder fallen anfangs oft durch Gangstörungen auf. In weiterer Folge machen sich zusätzliche motorische und sensorische Ausfälle bemerkbar. Die Erkrankung führt unweigerlich zum Tod“, erklärt Schmitt.

 

Keine kausale Therapie

Da es sich um eine Virusinfektion handelt, können Masern nicht mit Antibiotika behandelt werden – es gibt also keine kausale Therapie. Die Behandlung beinhaltet daher lediglich Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden, wie etwa eine strikte Bettruhe oder die Einnahme von Medikamenten, um Husten oder Fieber zu lindern. Tritt zusätzlich eine bakterielle Infektion auf, können Antibiotika verabreicht werden. Der Facharzt für Kinderheilkunde hält zudem fest: „Die beste vorbeugende Therapie ist die Impfung. Diese ist wichtig, um die Akut- und Spätkomplikationen zu verhindern und um sicherzustellen, dass ein Erkrankter die Umgebung nicht gefährdet. Dazu müsste die Durchimpfungsrate etwa 90 bis 95 Prozent betragen. Das haben wir in Österreich sicher nicht erreicht.“

 

Impfung schützt lebenslang

Die Impfung wird als Kombinationsimpfstoff gegen Masern-Mumps-Röteln (MMR) verabreicht. Beim Impfstoff handelt sich eine Lebendimpfung. Das bedeutet, dass die Erreger in abgeschwächter Form eine Reaktion des Immunsystems hervorrufen und vor einer tatsächlichen Erkrankung mit den Viren schützen. Die Impfung wird für Kinder ab dem 11. Lebensmonat empfohlen. Sie besteht aus zwei Teilimpfungen, zwischen denen vier Wochen liegen sollten, und kann in jedem Alter nachgeholt werden. Nach den zwei Teilimpfungen sind keine Auffrischungen mehr notwendig.

 

Dass vorwiegend Kinder an Masern erkranken, stimmt nur bedingt. Schmitt dazu: „Ein typisches Alter des Auftretens gibt es nicht mehr, da zwar in Österreich viele, aber durchaus nicht ausreichend viele Kinder geimpft sind. Eines kann aber gesagt werden: Dass durch die Durchimpfung natürlich die Erkrankungen im Schnitt später auftreten als früher. Es können aber auch Erwachsene mit sehr schweren Verläufen erkranken.“

 

MMag. Birgit Koxeder-Hessenberger

Februar 2015

 

Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020