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Bauchfett erhöht Brustkrebsrisiko

Bauchfett erhöht Brustkrebsrisiko Frauen mit Bauchspeck in der Prämenopause, also der Vorphase zu den Wechseljahren, haben einer aktuellen Studie zufolge ein fast dreifach erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.

US-Forscher haben bei 45.799 Frauen in der Prämenopause aus der bereits 1989 gestarteten Nurses´ Health Study den Zusammenhang zwischen Brustkrebsrate und Gewichtsentwicklung analysiert und dokumentiert - online nachzulesen im Journal of the National Cancer Institute. Von 1993 bis 2005 wurden bei den Frauen 620 invasive Mammakarzinome diagnostiziert.

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Verschiedene Brustkrebs-Untergruppen

Die invasiven – also die in das gesunde Gewebe zerstörend einwachsenden Mammakarzinome - werden entsprechend ihrer Pathomorphologie in verschiedene Untergruppen eingeteilt. „Unterschiedliche Tumore haben ein unterschiedliches mikroskopisches Erscheinungsbild“, sagt OA Dr. Ernst Rechberger, Leiter des Brustgesundheitszentrums am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz. „Die verschiedenen Tumortypen unterscheiden sich in ihrer Häufigkeit, der Klinik sowie der Prognose und den daraus resultierenden möglichen Therapieoptionen.“

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Hormonrezeptor wichtig für Therapiekonzept

Der Hormonrezeptor-Status bezeichnet das Vorhanden- oder eben Nichtvorhandensein von Östrogen- (ER) und Progesteronrezeptoren in den Tumorzellen. Die Bestimmung ist für die Therapieplanung und die Prognose-Einstufung wichtig. Also zum Beispiel, ob bei Patientinnen in der Prämenophase, eine antiöstrogene Therapie oder eine Chemotherapie angewendet wird.

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Risiko verdoppelt

Bei einer ersten Analyse der Studiendaten war kein Zusammenhang zwischen der Brustkrebsrate und dem Hüft- oder Taillenumfang der Frauen gefunden worden, auch nicht unter Berücksichtigung des Body Mass Index (BMI) und der Familienanamnese für Brustkrebs. Bei einer zweiten Auswertung war das nach Berücksichtigung des Östrogen-Rezeptorstatus der Karzinome jedoch anders: Bei Frauen mit dem höchsten Taillenumfang, das heißt mit dem meisten Bauchfett, war die Rate der Östrogen-Rezeptor-negativen Mammakarzinome signifikant um den Faktor 2,75 höher als bei den Frauen mit dem wenigsten Bauchfett. Bei den Frauen mit dem größten Verhältnis von Tailleumfang zu Hüftumfang war das Risiko für Östrogen-Rezeptor-negative Mammakarzinome praktisch verdoppelt. Nicht signifikant erhöht war die Rate dieser Art von Brusttumoren hingegen bei den Frauen mit dem höchsten Hüftumfang im Vergleich zu den Frauen mit dem niedrigsten Hüftumfang.

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Hormonale Beeinflussung

Das intraabdominale Fett oder Bauchfett unterscheidet sich vom Unterhautfett vor allem in Bezug auf die hormonale Beeinflussung. Davon betroffen sind unter anderem der Insulinspiegel, die freien Fettsäuren und das Sexualhormonbindende Globulin. Veränderungen dieser Parameter wurden bereits in der Vergangenheit in verschiedenen Studien mit dem Risiko für prämenopausalen Brustkrebs in Zusammenhang gebracht.
Oberarzt Rechberger: „Es ist schon lange bekannt, dass ein erhöhter Bauchfettanteil beziehungsweise Fettsucht an sich ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen birgt und natürlich auch für Brustkrebs.“

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Fettabsaugung keine Lösung

Nun könnte „frau“ meinen, dass eine Fettabsaugung ihr Risiko vermindern würde, an (Brust)Krebs zu erkranken. Dazu Rechberger: „Generell ist eine Adipositas, also eine Fettleibigkeit, ja ein Ausdruck des persönlichen Lebensstils – das heißt, eine Bauchfettentfernung ändert nichts am Lebensstil und reduziert natürlich nicht das Risiko einer Krebserkrankung. Wer das Risiko an Krebs zu erkranken senken will, muss seinen Lebensstil ändern.“

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Falsche Ernährung

Anders als bei krebserregenden Stoffen wie Tabakrauch oder Asbest sind die Zusammenhänge zwischen Übergewicht und Krebs weniger eindeutig und beziehen sich im Augenblick vor allem auf einige wenige Krebsarten. In Zusammenhang mit Übergewicht beobachten die Wissenschaftler eine wachsende Zahl an Speiseröhrenkrebs, Darm-, Nieren-, und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Auch das Risiko für einen Tumor der Gebärmutterschleimhaut und Brustkrebs für Frauen steigt Experten schätzen demnach, dass etwa 20 bis 40 Prozent aller Krebsfälle auf Übergewicht und falsche Ernährung zurückzuführen sind.

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Persönliches Risiko senken

Dr. Rechberger: „Vor Krebs ist kein Mensch sicher. Egal, wie gesund und vernünftig man lebt - jeder kann an Krebs erkranken.“ Das ist allerdings kein Grund einfach weiter zu leben wie bisher. Denn man kann sein persönliches Risiko senken. Und das ist in den meisten Fällen gar nicht so schwer.

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Ursachenforschung

Über die Ursachen des Zusammenhangs zwischen Übergewicht und Krebs gibt es einige Vermutungen: Übergewichtige Menschen haben oft einen erhöhten Insulinspiegel. Insulin ist ein Wachstumshormon. Vor allem schnell wachsende Zellen, wie eben Tumorzellen, profitieren von einem hohen Insulinspiegel. Außerdem geben Fettzellen Hormone an den Körper ab, die das Wachstum von Krebszellen beeinflussen und fördern können. Das Fettgewebe bildet auch ein Enzym, das den Östrogenspiegel erhöht. Und Östrogen steigert die Gefährlichkeit von hormonabhängigen Krebsarten wie Brust- und Gebärmutterschleimhautkrebs.

Elisabeth Dietz-Buchner
Februar 2011


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015