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Höhenkrankheit: Wenn Berge krank machen

HöhenkrankheitVielen Menschen ist die Höhenkrankheit ein Begriff. Warum der Körper jedoch ab einer Höhe von meist 3.000 Metern mit Symptomen wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder beschleunigtem Herzschlag reagiert, erklärt Dr. Josef Tomasits, aus dem Allgemeinen Krankenhaus Linz und Autor des Buches „Leistungsphysiologie“.

Als Höhenkrankheit oder Bergkrankheit bezeichnet man Beschwerden, die durch den Aufenthalt in den Bergen bedingt sind, wobei diese Beschwerden schon ab einer Höhe von 2.000 Metern auftreten können. Die Symptome stellen sich zumeist innerhalb von drei bis 36 Stunden ein. Bei Bergsteigern hingegen treten die Symptome meist erst über 3.000 Meter auf. Warum einige Menschen leichter an der Höhenkrankheit leiden wie andere, ist nicht bekannt.
 

Symptome der Höhenkrankheit

Die Symptome der Höhen- oder Bergkrankheit sind uncharakteristisch und treten häufig acht Stunden oder noch später nach Höhenankunft auf. „Kopfschmerzen in der Höhe sind allein noch keine Höhenkrankheit, aber in Kombination mit Übelkeit, Schwindel, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Ödemen handelt es sich meist um eine Höhenkrankheit“, erklärt Tomasits. 

Was im Körper passiert

Je höher man als Wanderer aufsteigt, umso geringer ist der Sauerstoffgehalt in der Luft. Grund dafür ist der Luftdruck der Atmosphäre, der mit zunehmender Höhe abnimmt. Der menschliche Körper passt sich jedoch sehr rasch an die Höhe an. Bereits am zweiten Tag in derartigen Lagen produziert der Organismus vermehrt rote Blutkörperchen, die den Sauerstoff transportieren. Allerdings ist die Erhöhung der roten Blutkörperchen auch mit einer Erhöhung des Hämatokrits verbunden. Unter Hämatokrit versteht man die Potenzzahl der festen Blutbestandteile am Blutvolumen. Ist der Hämatokrit erhöht, ist die Sauerstoffversorgung verbessert. Ein erhöhter Hämatokrit-Wert bedingt jedoch auch das Risiko von Thrombosen, Hirn- oder Herzinfarkten. 

Körperfunktionen in Höhenlagen

Das Risiko für die Entwicklung von Beschwerden steigt mit zunehmender Höhe und mit Zunahme der Aufstiegsgeschwindigkeit. Die Schwellenhöhe liegt bei 2.100 Meter. 20 bis 30 Prozent aller Personen, die auf eine Höhe von 2.500 bis 3.000 Meter aufsteigen, leiden unter der Höhenkrankheit. Ab einer Höhe von 4.000 bis 4.500 Meter beträgt die Wahrscheinlichkeit, höhenkrank zu werden, bereits 50 Prozent. „Daher hat sich eine Faustregel bewährt: Über 3.000 Meter nur noch maximal 300 bis 500 Meter Höhenanstieg pro Tag und alle zwei bis drei Tage einen Ruhetag einlegen“, so der Mediziner. Vermeidet man einen weiteren Höhenanstieg, verschwinden die Symptome üblicherweise innerhalb von ein bis drei Tagen wieder. „Wenn sich der Zustand hingegen auch über Nacht nicht verbessert, bleibt nur der Abstieg als wirksamste Therapie“, rät Tomasits. Denn: „Übersieht man die Zeichen oder schleppt sich absichtlich höher, so können sich schwere Formen und eventuell ein lebensbedrohliches Hirnödem entwickeln.“ 

Frühzeichen

Zu den ersten, auftretenden Symptomen, den so genannten Frühzeichen, zählen Kopfschmerzen, Übelkeit, Leistungsabfall, Wasseransammlungen unter der Haut (Ödeme), Appetitlosigkeit oder ein beschleunigter Puls. Treten diese Symptome auf, ist es ratsam, den Aufstieg abzubrechen und eine Nachtruhe einzulegen. Sind die Beschwerden am nächsten Tag verschwunden, kann der Aufstieg fortgesetzt werden. 

Warnzeichen

Werden die Beschwerden stärker und treten Warnzeichen wie Herzjagen, Benommenheit, Schwindelgefühlen, schwere Kopfschmerzen, Atemnot in Ruhe, dunkler Verfärbung des Urins oder trockener Husten hinzu, ist Vorsicht geboten. Der Mediziner rät in diesen Fällen, sofort den Aufstieg abzubrechen, ein weiterer Anstieg führt zur Verstärkung der Beschwerden. Vom Warten auf gleicher Höher wird abgeraten.
 

Alarmzeichen

Neurologische Symptome wie starker Kopfschmerz, Erbrechen, Gang- und Stehunsicherheit, Unruhe, Verwirrtheit oder Halluzinationen sind typische Beschwerden des höheninduzierten Hirnödems, der schwerwiegendsten Höhenkrankheit. Der sofortige Abtransport beziehungsweise Abstieg des Betroffenen hat oberste Priorität. Unter 4.000 Meter tritt es jedoch nur sehr selten auf.
Ein plötzlicher Leistungsabfall mit anfänglich trockenem Husten mit eventuell blutig schaumigen Auswurf, späterer Atemnot auch im Ruhezustand mit einem Gefühl der Beklemmung in der Brust sowie eine blaue Verfärbung der Lippen sind typische Symptome für das Höhenlungenödem – es ist ebenfalls lebensbedrohlich. Dabei handelt es sich um eine Flüssigkeitsansammlung in der Lunge, die nicht vom Herzen bedingt ist. Unter 3.000 Meter ist es sehr selten. Es beginnt meist in der zweiten Nacht in einer neuen Höhe und kann auch völlig unabhängig von der Höhenkrankheit auftreten. Tomasits: „Falsche Diagnose und Unterlassen des Abstiegs führen in 50 Prozent der Fälle zum Tod des Betroffenen. Es muss so rasch und so lange es noch möglich ist, um mindestens 1.000 Höhenmeter abgestiegen werden. Die körperliche Belastung auch beim Abstieg sollte auf ein Minimum reduziert werden und möglichst aufrecht oder in sitzender Haltung erfolgen.“ 

Vorbeugung

Die Höhenkrankheit lässt sich am besten durch eine langsame Anpassung an die Höhe verhindern. Von einer vorbeugenden Einnahme von Medikamenten rät der Mediziner ab. Zudem sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine kohlenhydratreiche Ernährung geachtet werden. Der Verzicht von Alkohol wird ebenfalls empfohlen. 

Buchtipp

Weitergehende Informationen zur Leistungsphysiologie und zur Höhenkrankheit im Speziellen liefert das Buch „Leistungsphysiologie“ von Tomasits/Haber, erschienen bei Springer Wien.

MMag. Birgit Koxeder

August 2009

Foto: Bilderbox 

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020