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Gutartige Prostatavergrösserung: „Es tröpfelt“

Gutartige Prostatavergrösserung Das männliche Sexualhormon Testosteron lässt die Vorsteherdrüse bei vielen Männern ab dem fünften Lebensjahrzehnt wachsen. Wenn es zu Problemen beim Wasserlassen kommt, muss die gutartige Prostataver-größerung behandelt werden. Meist helfen Medikamente.

Normalerweise ist die Prostata etwa so groß wie eine Kastanie und wiegt 20 bis 25 Gramm. Die Drüse liegt unterhalb der Blase und umschließt die Harnröhre. Ihre Hauptaufgabe ist die Produktion eines Sekrets, das Bestandteil des Spermas ist. Dabei wird die Prostata vom Hormon Testosteron gesteuert. Dieses Hormon wird dafür verantwortlich gemacht, dass sich das Prostatagewebe mit zunehmendem Alter vermehrt und die Vorsteherdrüse anwachsen lässt. Diese Zellwucherung ist unauffällig, weswegen man von einer gutartigen Prostata-vergrößerung oder benignen Prostatahyperplasie (BPH) spricht. Zum gefürchteten Prostatakarzinom gibt es übrigens keinen Zusammenhang – außer den Haupttäter Testosteron.

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Größe einer Mandarine

Ab dem sechsten Lebensjahrzehnt haben rund 50 Prozent der Männer eine vergrößerte Prostata, im 9. Lebensjahrzehnt mehr als 90 Prozent. Bei älteren Männern ist sie eher die Regel als die Ausnahme. Priv.-Doz. Dr. Steffen Krause, der Vorstand der urologischen Abteilung am AKh Linz: „Die gutartig vergrößerte Prostata hat üblicherweise etwa die Größe einer Mandarine, es gibt allerdings auch bis zu 200 Gramm schwere Exemplare mit der Größe einer Grapefruit.“ Eigentlich könnte man die benigne Prostatahyperplasie ignorieren. In den meisten Fällen bereitet sie allerdings Beschwerden, die nicht nur die Lebensqualität einschränken, sondern unbehandelt auch gefährliche Folgen bis hin zu Harnverhalt und Nierenversagen haben können. So weit kommt es selten. Denn die meisten Männer kommen zum Arzt, wenn die Probleme mit dem Harnlassen zunehmen. Dozent Krause: „Die meisten kommen, wenn es sie stört, dass sie in der Nacht oft mehrmals aufstehen müssen. Im Gespräch kommt dann meist heraus, dass auch die anderen Symptome bereits ausgeprägt sind.“ Die gutartig vergrößerte Prostata engt nämlich die Harnröhre ein. Dadurch wird der Harnstrahl schlechter – bis es teilweise nur noch tröpfelt. Die Betroffenen haben meist ein Restharngefühl sowie verstärkten Harndrang, ähnlich wie bei einer Blasenentzündung. Häufig kann die Blase gar nicht auf einmal entleert werden, weshalb man in kurzen Abständen aufs Klo muss. Auch Nachtröpfeln nach dem Urinieren ist ein Zeichen für eine gutartig vergrößerte Prostata. Im schlimmsten Fall kann auch eine Harnsperre auftreten.

Urologe Krause: „Alle diese Symptome deuten auf eine gutartige Prostatavergrößerung hin. Mit Untersuchungen muss das aber noch objektiviert werden.“ So zum Beispiel mit der Messung des Urinstrahls, der Uroflowmetrie. Dabei sollte die maximale Harnflussrate nicht unter 10 Milliliter pro Sekunde liegen. Mit Ultraschall kann nicht nur die Größe der Prostata, sondern auch der Entleerungsgrad der Blase recht gut ausgemessen werden. Mit der Sonographie kann überdies die Nierenfunktion überprüft werden. Eine erste Abschätzung der Prostatagröße wird noch immer per Tastbefund durch den Enddarm ermittelt, wobei auch ein Prostatakrebs ausgeschlossen werden sollte. Der Harn wird untersucht, um eine eventuelle Keimbelastung feststellen zu können.

Gutartige Protata: Uroflowmetrie_Graphik 400px.







Aus dem Ergebnis der Untersuchungen und dem ärztlichen Gespräch ergibt sich, ob und wie gegen den gutartigen Tumor vorgegangen werden muss. Dozent Krause: „Wenn der Patient nicht darunter leidet, muss man gar nichts tun. Und wenn ein Harnstau droht oder schon eingetreten ist, muss man operieren, um den Widerstand bei der Blasenentleerung zu entfernen.“ Dazwischen gibt es gut wirksame medikamentöse Therapien.
Die sanfteste Form der Therapie ist die mit pflanzlichen Wirkstoffen. Dozent Krause: „Bei eher geringen Beschwerden haben wir recht gute Erfolge mit Präparaten aus Extrakten der Sägepalme und Roggenpollen.“ Die nächste Stufe der medizinischen Intervention markieren selektive Alpha-1a-Blocker. Sie führen gezielt zu einer Entspannung der Muskulatur am Ausgang der Blase und so auch zu einer Verbesserung der Symptome. Eine andere Gruppe von Medikamenten wirkt direkt auf den Stoffwechsel des männlichen Sexualhormons Testosteron und bewirkt so eine Verkleinerung der Drüse. Die Hormonblockade merkt der Patient allerdings erst nach etwa drei Monaten. Deshalb werden die beiden Medikamente häufig auch in Kombination verordnet. Dozent Krause: „Ein Großteil der Fälle lässt sich mit den Medikamenten ganz gut in den Griff bekommen. Das gilt vor allem dann, wenn die Therapie rechtzeitig eingreifen kann.“

Wenn die Medikamente nicht helfen oder Gefahr im Verzug ist, muss operiert werden. Mit der sogenannten transurethralen Resektion wird über die Harnröhre von innen mit Strom Gewebe aus der Prostata abgehobelt. Der Eingriff dauert selten länger als eine Stunde. Nach ein bis zwei Tagen wird der Harnkatheter entfernt, nach fünf Tagen kann der Patient nach Hause gehen. Dozent Steffen Krause: „Die meisten Patienten sind sehr zufrieden und haben dann in der Regel 10 bis 15 Jahre ihre Ruhe.“

Heinz Macher

Oktober 2011

Foto: Bilderbox, privat

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Kommentar

Gutartige Prostatavergrösserung_Kommentarbild Dr. Krause „Wer Probleme mit dem Wasserlassen hat, sollte das vom Urologen abklären lassen. Denn in einem frühen Stadium helfen Medikamente recht gut.“
Priv.-Doz. Dr. Steffen Krause
Vorstand der Urologischen Abteilung am AKh Linz

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015