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Bandscheibenvorfall: Spitze des Eisbergs

Bandscheibenvorfall Spitze des EisbergsSind die elastischen „Stoßdämpfer“ der Wirbelsäule defekt und tritt der Gallertkern heraus, spricht man von einem Bandscheibenvorfall. Dr. Christian Michlmayr von der Initiative „SOS Körper“ erklärt, wie ein Bandscheibenvorfall entsteht und warum er nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs ist.

Rückenschmerzen sind bei Männern die häufigste, bei Frauen die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Nur bei den wenigsten Rückenschmerzen ist tatsächlich ein Bandscheibenvorfall (medizinischer Fachausdruck: Prolaps) für die Beschwerden verantwortlich. Häufig sind es andere Ursachen wie Verspannungen der Muskulatur oder Blockierungen der Wirbelgelenke wie beim Hexenschuss (Lumbago), die zu Rückenschmerzen führen. Dennoch ist die Diagnose „Bandscheibenvorfall“ für die meisten Betroffenen niederschmetternd.

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„Stoßdämpfer“ sind defekt

Die elastischen Bandscheiben liegen jeweils zwischen zwei Wirbeln. Sie bestehen im Inneren aus einem weichen Kern und sind außen von einem Faserring umgeben. Die Bandscheiben wirken als Puffer oder Stoßdämpfer und fangen die Energie bei Belastungen ab. Wie entsteht nun ein Bandscheibenvorfall? „Man muss sich das wie einen mit Gel gefüllten Sportschuh vorstellen: Macht man mit dem Messer einen kleinen Schnitt und steigt dann darauf, tritt das Gel daraus hervor“, erklärt Michlmayr, Vizepräsident der Initiative SOS-Körper. Tritt also der Gallertkern aufgrund einer Schwachstelle im Faserring hervor oder ganz heraus, spricht man vom Bandscheibenvorfall. „Die Bandscheibe kann gegen Strukturen wie Nerven drücken, was schließlich Schmerzen verursacht“, bestätigt der Mediziner. Auch Gefühlsstörungen, Lähmungserscheinungen oder ein Kribbeln können auftreten.

Ein Bandscheibenvorfall lässt sich im Großteil der Fälle konservativ mit Schmerzmitteln oder physiotherapeutischen Maßnahmen behandeln. Eine Operation ist meist nur bei anhaltenden Schmerzen oder Beschwerden wie Lähmungserscheinungen bzw. Funktionsstörungen von Harnblase oder Mastdarm notwendig.

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Bandscheibenvorfall ist Spitze des Eisbergs

„Der Bandscheibenvorfall ist meist nur die Spitze des Eisbergs. Es muss vorher schon viel passiert sein, dass es dazu kommt. Hauptursache ist das Versagen der Muskulatur, die die Wirbelsäule stabilisiert. Dadurch kommt es zur vermehrten Belastung passiver Strukturen wie der Bandscheibe, die sich in weiterer Folge abnützt. Dann reicht eine triviale Bewegung wie das Anziehen der Socken oder das Heben der Wasserflaschen aus dem Auto, um einen Bandscheibenvorfall zu verursachen“, so der Facharzt für Orthopädie. Weitere Ursachen sind Übergewicht, altersbedingte Verschleißerscheinungen oder andauernde Fehlbelastungen. Seltener sind Unfälle für einen Bandscheibenvorfall verantwortlich. Ein Bandscheibenvorfall kann sich über Jahre schmerzfrei aufbauen: Betroffene klagen lediglich über häufiger vorkommende Kreuzschmerzen. Da diese vorübergehen, wird lange kein Arzt aufgesucht.

MMag. Birgit Koxeder

Februar 2011

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020