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Schilddrüsenerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis

Schilddrüsenerkrankung Hashimoto-ThyreoiditisKlein, aber oho: Die Schilddrüse ist zwar kein großes Organ, sie ist aber für viele Stoffwechselvorgänge im Körper unerlässlich. Eine Funktionsstörung – wie sie bei der Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis auftreten kann – hat vielfältige Auswirkungen: Nach anfänglichen Symptomen wie Schwitzen oder Unruhe können langfristig Konzentrationsstörungen, Gewichtszunahme oder Haarausfall auftreten. Dr. Wolfgang Buchinger vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz-Eggenberg verrät, was hinter der Erkrankung steckt.

Bei „Hashimoto-Thyreoiditis“ – auch als chronische Autoimmunthyreoiditis (AIT) bezeichnet – handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. „Das körpereigene Immunsystem produziert Antikörper gegen Teile der Schilddrüsenzellen. Es handelt sich somit um eine Fehlreaktion“, erklärt Buchinger von der Schilddrüsenambulanz der Internen Abteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Graz-Eggenberg. Die Krankheit ist nach dem japanischen Arzt Hakaru Hashimoto benannt. Er hat die Krankheitssymptome als Erster beschrieben. Frauen, vor allem ältere nach der Menopause, sind häufiger betroffen als Männer.

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Kleines Organ mit großer Wirkung

Die Aufgaben der Schilddrüse sind vielfältig: Die von ihr produzierten Hormone regulieren die Körpertemperatur sowie den Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel. Die Drüse ist für den Wasserhaushalt und Sauerstoffverbrauch verantwortlich. Sie hat aber auch wesentlichen Einfluss auf die geistige und körperliche Entwicklung, das Wachstum oder die Gehirnfunktionen und das seelische Gleichgewicht. Ist die Hormonproduktion gestört, verursacht dies verschiedene Beschwerden.

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Symptome: Von der Über- zur Unterfunktion

„Die Entzündung selbst verursacht keine Symptome. Als Folge der Entzündung kann es jedoch zum Zerfall der Zellen kommen, sodass die Hormone vermehrt freigesetzt werden“, so Buchinger. Bei vielen Betroffenen äußert sich dies am Anfang der Krankheit mit Symptomen, die durch eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) bedingt sind. Das können ein zu schneller Herzschlag, Zittrigkeit, vermehrtes Schwitzen oder häufiger Stuhlgang sein.

Sind alle Hormone im Körper schließlich abgebaut und die Schilddrüse krankheitsbedingt so geschädigt, dass sie keine weiteren Hormone mehr produzieren kann, entsteht langfristig eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) – der Stoffwechsel ist verlangsamt. Typische Beschwerden sind:

  • Müdigkeit, Antriebslosigkeit und verminderte Konzentrationsfähigkeit
  • verlangsamter Stuhlgang
  • Zyklusstörungen bei Frauen
  • trockene Haut
  • verstärktes Kältegefühl
  • Haarausfall und brüchige Nägel
  • Gewichtszunahme

Je nachdem wie sich die Schilddrüse krankheitsbedingt verändert, unterscheidet man zwei Formen: Bei der hypertrophen Form ist die Schilddrüse vergrößert (wachsende Schilddrüse), während bei der atrophen Form die Schilddrüse verkümmert (schrumpfende Schilddrüse).

Zur Diagnose stehen mehrere Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung, wie eine Tastuntersuchung durch den Arzt oder eine Blutuntersuchung, bei der sich jene Antikörper (TPO und Thyreoglobulin) feststellen lassen, die das Immunsystem ausschüttet und die die Schilddrüsenzellen zerstören. Auch ein Mangel des Schilddrüsenhormons lässt sich im Blut nachweisen. Daneben können eine Ultraschalluntersuchung oder in manchen Fällen eine Szintigraphie (bildgebende Untersuchung mit radioaktiv markierten Substanzen) notwendig sein.

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Hashimoto-Thyreoiditis und Schwangerschaft

„Wenn eine Patientin mit Hashimoto-Thyreoiditis schwanger wird, ist es wichtig, dass sie die Hormone weiterhin einnimmt“, rät der Mediziner. Nur so ist die optimale Entwicklung des Kindes gewährleistet. Schwangere sollten zudem regelmäßige Kontrollen durchführen lassen, da der Hormonbedarf während der Schwangerschaft meist höher ist.
Nähere Informationen gibt es bei der Schilddrüsenambulanz des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Graz-Eggenberg und unter www.schilddrueseninstitut.at.

MMag. Birgit Koxeder
Juli 2010


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020