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Unwiderstehlicher Schlafdrang: Narkolepsie

Unwiderstehlicher Schlafdrang: NarkolepsieDer Drang zu schlafen ist so groß, dass Narkoleptiker ihm kaum widerstehen können. Die Tagesmüdigkeit kann dabei so stark sein, dass Betroffene sogar beim Sprechen oder Essen einschlafen. Die umgangssprachlich als „Schlafkrankheit“ bezeichnete Erkrankung ist noch nicht heilbar. Bisher lassen sich nur die Symptome der Narkolepsie behandeln.

Bei der als Narkolepsie bezeichneten Krankheit handelt es sich um eine Störung der Schlaf-Wach-Regulation. „Narkolepsie ist keine seltene Krankheit, wie man vielleicht glauben kann. Es gibt 4.000 Betroffene in Österreich. Typisch ist ein ausgeprägtes und unwiderstehliches Schlafbedürfnis tagsüber“, so die Universitätsprofessorin Dr. Birgit Högl von der Universitätsklinik für Neurologie der Medizinischen Universität Innsbruck.

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Symptome der „Schlafkrankheit“

Neben der ausgeprägten Tagesschläfrigkeit und den Schlafattacken leiden bis zu 80 Prozent der Patienten auch unter einer so genannten Kataplexie. Darunter versteht man den kurzzeitigen Verlust der Muskelspannung (Muskeltonus). Dieser kann nur einzelne Muskeln betreffen und sich beispielsweise als Schwächegefühl in den Knien oder durch einen kurzzeitigen Verlust der Mimik äußern. Es kann aber auch zum Sturz auf den Boden kommen. „Narkoleptiker sind dabei bei Bewusstsein, können sich aber nicht bewegen. Die Kataplexie wird bei Patienten mit Narkolepsie durch Gefühlsregungen wie Lachen, Ärger oder Freude hervorgerufen“, so Dr. Birgit Högl.

Neben diesem Muskelversagen können auch noch eine Störung des Nachtschlafs, Schlaflähmungen (Schlafparalyse) unmittelbar nach dem Aufwachen oder Halluzinationen auftreten. Diese akustischen oder visuellen Sinnestäuschungen machen sich meist kurz vor dem Einschlafen bemerkbar.

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Einschränkungen im Alltag

Die Tagesschläfrigkeit kann zu starken Einschränkungen im Alltags- und Berufsleben der Betroffenen führen. Das unwiderstehliche Schlafbedürfnis macht sich meist plötzlich bemerkbar und kann mehrmals am Tag auftreten. Die Schlafattacken können auch dann einsetzen, wenn gesunde Menschen im Normalfall keinen Schlafdrang verspüren wie im Gespräch mit anderen oder während des Essens. Der Schlafdrang kann sich aber auch beim Autofahren bemerkbar machen. Narkoleptiker haben deshalb ein erhöhtes Unfallrisiko im Arbeitsumfeld oder Haushalt.

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Ursache: Autoimmunerkrankung

Die Ursache der Narkolepsie ist noch nicht gänzlich geklärt. Man geht von einer Störung jenes Teils des Zentralnervensystems aus, das den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert. Dr. Birgit Högl: „Genetische Untersuchungen lieferten Hinweise auf eine Autoimmunerkrankung. Der Körper richtet sich gegen die Hypocretin produzierenden Zellen.“ Beim Neurotransmitter Hypocretin handelt es sich um einen bestimmten Botenstoff zwischen den Nervenzellen, der in der Wachregulation eine wichtige Rolle spielt. Dementsprechend handelt es sich bei der Narkolepsie nicht um eine psychische Störung, sondern um eine neurologische Erkrankung. Durch das fehlende Verständnis der Umwelt kann es jedoch zu psychischen Folgeerkrankungen kommen.

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Keine Heilung möglich

Die Behandlung zielt darauf ab, nicht nur die Tagesschläfrigkeit, sondern auch die anderen Beschwerden wie das plötzliche Muskelversagen zu lindern. Mittlerweile gibt es viele Medikamente, die Abhilfe schaffen. Sie können zwar die Symptome beeinflussen, die Krankheit aber nicht heilen. Neben der medikamentösen Behandlung sollten Betroffene auf eine gute Schlafhygiene und regelmäßige Nickerchen tagsüber achten. „Patienten sollten mit dem Arbeitgeber reden, ob es Möglichkeiten gibt, sich kurz hinzulegen. Nach diesen kurzen Nickerchen sind sie so fit wie gesunde Menschen. Kurze Schlafpausen untertags helfen oft sehr gut, aber die Wachheit ist trotz Medikamenteneinnahme von kürzerer Dauer als bei Gesunden“, erklärt die Neurologin und fügt hinzu: „Oft vergehen Jahrzehnte, bis die Diagnose gestellt ist. Bei einer ausgeprägten Tagesmüdigkeit sollte man daher frühzeitig einen Spezialisten aufsuchen.“

MMag. Birgit Koxeder

März 2011

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020