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Darmpolypen: Gefährliche Gäste

Darmpolypen - gefährliche Gäste - WC-ZeichenDarmpolypen sind heimtückische Gesellen. Denn in der Regel machen sie die ersten Jahre gar nicht auf sich aufmerksam, während sie zu wachsen beginnen. Und wenn sich erste Symptome äußern, dann haben sie sich in manchen Fällen bereits zu gefährlichen Geschwüren entwickelt. Ganze 90 Prozent aller bösartigen Wucherungen in Dickdarm oder Mastdarm sind auf zunächst gutartige und harmlose Polypen zurückzuführen. Grund genug also, um diese ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen.

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Was sind Darmpolypen?

Darmpolypen sind Wucherungen der Schleimhaut, die in den Dickdarm oder Mastdarm hineinragen. Sie kommen bei etwa 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung vor und entstehen selten vor dem 30. Lebensjahr. Ab dem 50. Lebensjahr treten sie jedoch gehäuft auf. In mehr als 95 Prozent handelt es sich dabei um so genannte Adenome, die vom Drüsengewebe der Schleimhaut ausgehen. Adenome wachsen langsam, können aber nach einer gewissen Zeit entarten und bösartig werden – das kann zwischen ein und zehn Jahren dauern. Das Risiko, dass sich aus einem gutartigen Polypen ein Karzinom (Dickdarm- oder Mastdarmkrebs) entwickelt, nimmt zu, wenn er eine Größe von einem Zentimeter überschreitet.

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Entstehung von Darmpolypen

In Westeuropa und den USA haben im Vergleich zu anderen Teilen der Welt besonders viele Menschen Polypen im Darm. Offenbar spielt demnach die Ernährung beim Auftreten der Polypen eine bedeutende Rolle, insbesondere ein hoher Fettgehalt und ein geringer Anteil an Ballaststoffen in der Nahrung. Zusätzlich begünstigen Alkohol und Rauchen die Entstehung von Polypen. Außerdem gibt es einige erbliche Erkrankungen, die mit dem vermehrten und frühzeitigen Auftreten von Darmpolypen und einem gesteigerten Darmkrebsrisiko einhergehen. Hierzu zählen die Familiäre Adenomatöse Polyposis (FAP), das Gardner-Syndrom, das Peutz-Jeghers-Syndrom sowie das Lynch I- und Lynch II-Syndrom. Männer sind generell etwas häufiger als Frauen von Darmpolypen betroffen. Das kann aber auch daran liegen, dass sich Frauen tendenziell gesünder ernähren.

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Symptomatik

Kleinere Polypen machen in der Regel keine Beschwerden, weshalb sie meist zufällig entdeckt werden – bei einer aus anderen Gründen vorgenommenen Darmspiegelung (Koloskopie). Generell gilt: Je größer die Polypen, desto häufiger treten Beschwerden auf. Diese äußern sich in erster Linie durch Stuhlunregelmäßigkeiten (Durchfall oder Verstopfung). Oft finden sich bei größeren Polypen auch Spuren von Blut oder Schleim im Stuhl. Gelegentlich wird über leichte Bauchschmerzen geklagt. Größere Blutverluste können zu einer Blutarmut (Anämie) führen. Manchmal wird auch ein Gewichtsverlust beobachtet.

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Behandlung von Darmpolypen

Alle Polypen sollten sogleich entfernt und auf ihre Gut- bzw. Bösartigkeit hin untersucht werden. Sie werden in der Regel direkt bei der endoskopischen Untersuchung (Koloskopie) mit einer Schlinge umfasst und abgetrennt. Findet sich nur ein kleiner Polyp (kleiner als ein Zentimeter) ohne Zellveränderungen, so reicht nach der Entfernung eine jährliche Dickdarmspiegelung zur Kontrolle aus. Handelt es sich um eine bösartige Geschwulst, so wird je nach Tumortyp behandelt. Manchmal muss ein Teil des Darmes entfernt werden, was bei kleineren Darmabschnitten ohne Auswirkungen auf Verdauung und Stuhlverhalten bleibt. Wenn im Darm viele Polypen sind, die nicht endoskopisch entfernt werden können, muss der gesamte Dickdarm entfernt werden (Kolektomie). Bei dieser Operation wird der Dünndarm mit dem Schließmuskel des Afters verbunden. Das Stuhlverhalten ist dann erheblich verändert, da der Stuhl nun nicht mehr eingedickt werden kann. Die Aufnahme und Verwertung der Nahrung ist dadurch allerdings nicht gestört, da dies im Dünndarm geschieht.

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Vorbeugung

Da ein Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung und der Entstehung von Darmpolypen besteht, empfehlen Mediziner eine ausgewogene, fettarme und ballaststoffreiche Kost. Ballaststoffe sorgen dafür, dass sich Nahrungsbestandteile, die krebserregend sind, nicht zu lange im Darm aufhalten. Zudem sollten Alkohol und Nikotin vermieden werden. Sinnvoll ist es außerdem, auf sein Gewicht zu achten und sich regelmäßig zu bewegen.

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Jährliche Vorsorge

„Die Koloskopie (Dickdarmspiegelung) ist die exakteste Möglichkeit, Darmpolypen zu entdecken. Ab 50 ist sie daher integrierter Bestandteil der jährlichen Vorsorgeuntersuchung. Manche Polypen können nämlich mittels Darmröntgen nicht lokalisiert werden. Und zum Abtragen eines Polypen muss dann ohnedies eine Koloskopie durchgeführt werden“, erläutert Dr. Richard Janetschko, Facharzt für innere Medizin. Schmerzmittel erleichtern die endoskopische Untersuchung, die im Schnitt etwa eine halbe Stunde dauert. Durch eine jährliche Wiederholung besteht die Möglichkeit, Polypen zu lokalisieren, bevor sie bösartig werden. Zu dieser Darmkrebs-Vorsorge gehört neben der Koloskopie auch die Austastung des Enddarms (rektale Untersuchung) sowie ein Test auf verstecktes Blut im Stuhl (Hämoculttest). „Allerdings bluten nicht alle Polypen. Daher ist die Untersuchung auf verstecktes Blut im Stuhl nicht zu 100 Prozent sicher“, ergänzt Dr. Janetschko.


Michael Leithinger

November 2006


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020