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Nierenbeckenentzündung: Was an die Nieren geht …

NierenbeckenentzündungFalsche Hygiene und lokale Immunschwäche begünstigen Nierenbecken-Entzündungen. Es ist ein häufiges Problem in der Urologie und doch wird es oft verschwiegen oder nicht erkannt. Die Rede ist von Nierenbecken-Entzündungen. Betroffen von dieser Art der Harnwegsinfektion sind vor allem Frauen. Sie erkranken daran viermal so oft wie Männer.

Wochenlanges Baden, immer die nasse Badehose oder den nassen Badeanzug an, vielleicht noch in Zugluft gesessen oder auf einer feuchten Parkbank. Und dann kommen plötzlich die Schmerzen in der Nierengegend oder Blut im Harn. Sie denken als erstes an eine Blasenentzündung. Wenn aber noch Fieber und Schüttelfrost dazukommen, dann ist schon die Niere betroffen und meist heißt dann die Diagnose: Nierenbecken-Entzündung.

Das Nierenbecken ist jene Stelle in der Niere, an der sich der Urin sammelt, ehe er über den Harnleiter in die Blase rinnt. Kommt es zu einer Entzündung des Nierenbeckens, spricht man von einer aufsteigenden Infektion. Eine ernsthafte Erkrankung, die sofort ärztlich behandelt werden soll. Die Entzündung entsteht durch Bakterien, die an sich im Körper sind, über die Harnröhre aber wieder in die Niere aufsteigen und dort die Entzündung hervorrufen. Die Keime werden bei einem gesunden Menschen durch eine lokale Abwehr in Schach gehalten. Oben erwähnte Situationen können aber die Abwehr schwächen – und die Bakterien machen sich selbstständig.

Mit einer Nierenbecken-Entzündung ist nicht zu spaßen. „Wenn eine Nierenbecken-Entzündung nicht behandelt wird, heilt sie narbig aus und diese Narben bewirken einen Funktionsverlust des Organs, das heißt, die Filterleistung der Niere nimmt ab und es kommt zu einer Niereninsuffizienz. Es kann auch sein, dass sich bei einer ignorierten Entzündung ein Eiterherd festsetzt und zu einem Abszess ausweitet. Dieses muss dann operativ entfernt werden. Selten jedoch versagt die Niere völlig“, sagt Dr. Marc Witkowski, Facharzt für Urologie in Perchtoldsdorf. „In den meisten Fällen bewirken Darmkeime, so genannte E.Coli-Bakterien, eine Nierenbecken-Entzündung. Diese gehört unbedingt gezielt mit Antibiotika behandelt. Wer sich selbst behandelt, hat zwar vielleicht 14 Tage eine Ruhe, muss aber damit rechnen, dass er einen Rückfall bekommt.”

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Frauen erkranken häufiger

Frauen leiden vier Mal so oft an einer Nierenbecken-Entzündung als Männer. Der Grund ist leicht erklärt. Witkowski: „Frauen haben eine kürzere Harnröhre als Männer. Das erleichtert das Aufsteigen der Bakterien. Ursache für die Krankheit ist aber auch häufig falsche Hygiene.“ Frauen und Mädchen sollten sich daher immer von der Scheide in Richtung After abtrocknen und niemals in Gegenrichtung. Dadurch wird das Eindringen von Darmbakterien in die Harnröhre verhindert. Aber auch von übertriebener Hygiene rät der Urologe ab, denn jene Keime, die das Scheidenmilieu sauber halten, werden dadurch „weggespült“. Weitere Ursachen für eine Nierenbecken-Entzündung, so unwahrscheinlich es klingt: Durch Geschlechtsverkehr kann es bei Frauen zu Entzündungen kommen. Harnwegsinfektionen allgemein treten grundsätzlich häufiger im Säuglings- und Kleinkindalter auf, im Erwachsenenalter häufig in der Schwangerschaft und nach der Geburt.

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Viel trinken!

Um Nierenbecken-Entzündungen vorzubeugen gilt, wie für alle Harnwegsinfektionen: viel trinken, damit die Harnwege gut durchgespült werden. Zwei bis drei Liter pro Tag sind empfehlenswert. Und für die Badesaison rät Witkowski: „Wer empfindlich ist, sollte unbedingt die nasse Badehose gegen eine trockene tauschen und auch sonst den Unterleib möglichst warm halten.“

Mag. Lisa Ahammer
Dezember 2012

Foto: Bilderbox, privat

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Kommentar

Kommentarbild: Nierenbeckenentzündung„Eine Nierenbecken-Entzündung ist eine ernstzunehmende Harnwegsinfektion, die mit Fieber – und nicht nur wie bei der Blasenentzündung mit Schmerzen in der Nierengegend und mit Blut im Urin – gekoppelt ist. Um eine Funktionseinschränkung der Nieren zu verhindern, sollte diese unbedingt gezielt und von einem Facharzt behandelt werden.“
Dr. Marc Witkowski
Facharzt für Urologie in Perchtoldsdorf

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020