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Hörsturz: Plötzlich still

Hörsturz: Plötzlich stillDie Ursache ist meist unbekannt. Ein Hörsturz tritt meist ganz unerwartet auf – und kann ebenso spontan wieder heilen. Die Ursachen sind oft unklar. Eines steht aber fest: Auch wenn es sich um keinen akuten Notfall handelt, sollte der Weg möglichst rasch zum Arzt führen.

Bis zu 35.000 unterschiedliche Töne kann das menschliche Ohr wahrnehmen. Diese unglaubliche Leistung wird vielen erst dann bewusst, wenn der Gehörsinn beeinträchtigt ist – wie etwa beim Hörsturz. Ohne offensichtliche Ursache kommt es dabei zu einem kompletten oder teilweisen Verlust des Hörvermögens. „Der Schweregrad kann unterschiedlich sein. Einige Patienten nehmen nur eine gewisse Tonfrequenz nicht mehr wahr, während andere gar nichts mehr hören“, weiß Univ.-Prof. Dr. Gerd Rasp, Vorstand der Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten am LKH Salzburg. „Etwa 160 bis 400 von 100.000 Menschen sind jährlich mit dieser Diagnose konfrontiert“, ergänzt sein Oberarzt Dr. Michael Pimpl.

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Ohr „verschlagen“

Dabei sind die Ursachen, die zum Hörsturz führen, vielfältig – und auch nicht immer ganz klar. Dr. Michael Pimpl: „In den meisten Fällen handelt es sich um einen sogenannten idiopathischen Hörsturz. Das heißt, dass die auslösenden Faktoren nicht bekannt sind.“ Es werden mehrere Theorien diskutiert: In Frage kommen etwa eine verminderte Durchblutung im Bereich der Sinneszellen des Ohres oder virale beziehungsweise bakterielle Infektionen. Aber auch psychische Belastungen können eine Rolle spielen – wenn man im wahrsten Sinne des Wortes zu viel um die Ohren hat. Allerdings dürfte Stress alleine kein Auslöser für einen Hörsturz sein.

Ein Hörsturz kann jeden treffen. Kennzeichnend ist, dass sich die Symptome innerhalb kurzer Zeit entwickeln. Diese werden von den Betroffenen aber sehr unterschiedlich wahrgenommen. Dr. Michael Pimpl: „Einige Patienten berichten nur über geringe Beschwerden, während andere genau feststellen können, welche Töne sie nicht mehr hören.“ Häufig wird der Hörsturz mit einem dumpfen, pelzigen Gefühl beschrieben. Das Ohr – meist ist nur eines betroffen – fühlt sich „verschlagen“ an. Professor Gerd Rasp: „Das ist vergleichbar mit einer Fahrt auf den Berg, bei der man keinen Druckausgleich durchführen kann.“ Mögliche Begleitsymptome sind Ohrensausen oder Schwindelgefühle. Allerdings ist nicht jede Hörminderung auf einen Hörsturz zurückzuführen. So können etwa auch gutartige Tumore der Gleichgewichtsnerven (Vestibularisschwannom), ein akutes Lärmtrauma oder Erkrankungen des zentralen Nervensystems ähnliche Symptome verursachen.

Der Hörsturz stellt zwar keinen akuten medizinischen Notfall dar, dennoch sollte spätestens nach einigen Tagen ein Arzt aufgesucht werden. Zu den Therapiemöglichkeiten sagt Gerd Rasp: „Besteht der Verdacht auf eine Entzündung, werden Präparate mit Kortison eingesetzt. Es ist auch eine lokale Anwendung mit Spritzen möglich. Dann sind die Nebenwirkungen viel geringer als bei der systemischen Behandlung mit Tabletten.“ Darüber hinaus können Maßnahmen zur Blutverdünnung notwendig sein, um die Durchblutung des Innenohres zu verbessern. Die Dauer der Behandlung variiert. Bei manchen Betroffenen tritt bereits nach wenigen Tagen eine Besserung ein. Ob die Symptome gänzlich verschwinden, ist unklar. „Einige Patienten erholen sich komplett, während sich bei anderen die Beschwerden nicht bessern. Im schlimmsten Fall bleiben sie taub“, erklärt Univ.-Prof. Gerd Rasp und fügt hinzu: „Bei mehr als einem Drittel der Fälle heilt ein Hörsturz sogar spontan von alleine.“

MMag. Birgit Koxeder
April 2013


Foto: © A. Reinkober / pixelio.de, privat

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Kommentar

Kommentarbild Hörsturz Plötzlich still Dr. Rasp„Beim Hörsturz kann man keine durchgängigen Risikofaktoren ausmachen, die für die breite Masse gelten. In den meisten Fällen bleiben die auslösenden Faktoren unbekannt.“
Univ.-Prof. Dr. Gerd Rasp
Vorstand der Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten am LKH Salzburg

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020