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Hepatitis B: Impfen und Hygiene schützt

Hepatitis B – Impfen und Hygiene schütztEine Hepatitis B-Erkrankung verläuft oft unauffällig und bleibt häufig unbemerkt. Wird sie nicht erkannt, besteht die Gefahr einer Chronifizierung. Dann drohen Leberzirrhose und Leberkrebs.

Das hochinfektiöse Hepatitis B-Virus gehört weltweit zu den häufigsten viralen Infektionserregern. Laut Gesundheitsministerium sind weltweit 350 Millionen Menschen infiziert. In Österreich tragen 0,4 – 0,5 Prozent der Bevölkerung das Virus, das sind rund 40.000 Menschen.

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Was ist Hepatitis B?

Bei Hepatitis B handelt es sich um eine durch eine Virusinfektion hervorgerufene Leberentzündung. Die Infektion kann – abhängig vom Alter, vom Zustand des Immunsystems und der Infektionsdosis – von selbst wieder ausheilen oder zu einer fortschreitend chronischen Leberentzündung bis zur Leberzirrhose und Leberkrebs führen.
Die Inkubationszeit beträgt 30 bis 180 Tage. Eine Ansteckungsgefahr besteht auch in dieser Zeit, unabhängig von möglichen Symptomen. Sie bleibt solange bestehen, wie Erreger im Blut vorhanden sind.

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Risikofaktoren und Übertragung

Hepatitis B-Viren können über Blut und Speichel übertragen werden sowie während des Geburtsvorganges von der infizierten Mutter auf das Neugeborene. Vom Blut chronisch infizierter Virenträger kann jahrelang eine Ansteckungsgefahr ausgehen. Auch Muttermilch kann für eine Übertragung verantwortlich sein. Die Viren können auch durch winzige Verletzungen der Haut oder der Schleimhäute übertragen werden. „Da das Virus hochinfektiös ist, kann bereits das Benutzen einer mit Viren verunreinigten Zahnbürste oder Nagelschere ausreichen um sich anzustecken“, so OA Dr. Wolfgang Schöfer, Internist am LKh Schärding.
Der häufigste Übertragungsweg ist ungeschützter Geschlechtsverkehr. Dies erklärt den hohen Anteil akuter Erkrankter in der Gruppe junger Erwachsener. Ansteckungsquellen sind zudem Hygienemängel bei Infizierten und im medizinischen Bereich, aber auch Piercings und Tätowierungen, wenn die Hygienevorkehrungen mangelhaft sind. Risikogruppen sind Drogenabhängige (bei Mehrfachnutzung von verunreinigtem Drogenbesteck), Ärzte und Pflegepersonal und bestimmte Patientengruppen wie etwa Dialysepatienten. Bei Blut- oder Plasmaspenden dagegen besteht in den Industrienationen ein nur geringes Restrisiko.

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Symptome und Verlauf

Eine Hepatitis-B-Erkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Bei einem Drittel der Erwachsenen und 90 Prozent der Säuglinge und Kinder bemerkt man gar keine Symptome. Bei einem weiteren Drittel treten unspezifische Symptome auf, man fühlt sich dabei so, als wäre man ein wenig krank. Nur bei einem Drittel treten die typischen Merkmale einer Hepatitis B auf, wie gelbe Augen und gelbe Haut, Brechreiz, heller Stuhl und dunkler Urin. „Weniger als ein Prozent der Betroffenen erleiden einen schweren Krankheitsverlauf“, so Schöfer. Zu den unspezifischen Krankheitszeichen zählen:

  • Erschöpfung
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Schmerzen im Bereich des rechten Rippenbogens
Ohne Komplikationen klingen die Beschwerden nach zwei bis sechs Wochen ab. Die meisten akuten Hepatitis-B-Erkrankungen heilen bei Erwachsenen vollständig aus und führen zu einer dauerhaften Immunität. Je jünger die Infizierten sind, desto höher die Gefahr einer Chronifizierung und damit eines schlechten Verlaufes.

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Gefahr bei chronischer Hepatitis B

Wird die Infektion nicht erkannt und heilt sie nicht von selbst aus, besteht die Gefahr, dass die Erkrankung chronisch wird und einen schweren Verlauf nimmt. „Rund ein Viertel aller chronischen Verläufe führen im Langzeitverlauf zu einer Leberzirrhose“, sagt Schöfer.
Chronisch infiziert zu sein bedeutet, dass das Virus länger als sechs Monate nach der Infektion im Blut nachweisbar ist. Die chronische Hepatitis entwickelt sich schleichend, eindeutige Beschwerden sind oft lange Zeit nicht vorhanden. In vielen Fällen dauert es Monate oder gar Jahre, bis spezifische Zeichen, die an eine Lebererkrankung denken lassen (vor allem Gelbsucht), auftreten.

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Impfen schützt

Etwa 600.000 Menschen sterben weltweit pro Jahr an den direkten Folgen einer Hepatitis B. Ein Viertel der chronischen Virusträger sterben als Erwachsene an Leberkrebs oder an Zirrhose. Die WHO empfiehlt, alle Menschen gegen Hepatitis B zu immunisieren, um diese Erkrankung weltweit auszurotten. „Am wirksamsten schützt man sich vor Hepatitis B durch eine vorbeugende Impfung. Das ist der einzige Weg, das Virus auszurotten", sagt auch Schöfer. Insbesondere Menschen mit einer Vorerkrankung der Leber oder Menschen, die eine Fernreise planen, sollten sich unbedingt impfen lassen.
Nach der Grundimmunisierung im Säuglings- bzw. Kleinkindalter wird eine Auffrischungsimpfung im siebten bis 13. Lebensjahr empfohlen. Routinemäßige Auffrischungsimpfungen sind in der Folge nur bei Risikopersonen notwendig. Bei fehlender Grundimmunisierung soll die Hepatitis B-Immunisierung spätestens im 13. Lebensjahr durchgeführt werden, da das Infektionsrisiko ab diesem Alter wieder steigt. Die Impfung kann in jedem Lebensalter nachgeholt werden. „Allerdings kommt sie bei chronischen Virusträgern zu spät“, so Schöfer.

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Behandlung

Für eine gesicherte Diagnose sind spezielle Tests in einem medizinischen Labor nötig. Akute Erkrankungen können bei komplikationslosem Verlauf zu Hause auskuriert werden, es gibt hierfür keine spezielle Therapie. Nur bei sehr schwerem Verlauf kommen antivirale Medikamente zum Einsatz. Die Entscheidung über die jeweilige Therapie muss im Einzelfall der Arzt bestimmen. „Nicht jeder chronische Patient muss behandelt werden. Sind Medikamente aber nötig um das Virus in Schach zu halten, werden diese meist langfristig eingenommen“, sagt Schöfer.

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Vorsorge

Um die Menschen im persönlichen Umfeld nicht anzustecken, empfehlen sich folgende Vorsichtsmaßnahmen:

  • Erkrankte sollten ausschließlich durch geimpfte oder durch eigene Infektion immune Angehörige gepflegt werden.
  • Beim Geschlechtsverkehr stets Kondome benützen.
  • Drogenkonsumenten sollten sterile Injektionsutensilien verwenden.
  • Kein gemeinsames Benutzen von Zahnbürsten, Nagelscheren oder Rasierer.
„Wichtig ist es, dass sich alle Familienmitglieder von Infizierten impfen lassen. Sie sind damit vor Ansteckung geschützt. Zudem sollten Betroffene sehr auf Hygiene achten und eigene Hygieneartikel verwenden, also getrennt von anderen Personen“, rät der Internist.

Dr. Thomas Hartl
März 2012


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020