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Kinderkrankheit Röteln

Kinderkrankheit RötelnRöteln zählen zu den klassischen Kinderkrankheiten. Während die Krankheit meist mild verläuft und für die Betroffenen harmlos ist, stellt sie bei ungeschützten Schwangeren eine erhebliche Gefahr für das ungeborene Kind dar.

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Weniger ansteckend als Masern

Erreger der Erkrankung ist das Rötelvirus, seine Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch über infektiöse Speicheltröpfchen. Röteln sind nicht so ansteckend wie Masern – der flüchtige Kontakt zu infizierten Personen führt bei etwa zwanzig Prozent der Personen zu einer Krankheitsübertragung, im Gegensatz dazu liegt die Ansteckungsrate bei Masern um die 98 Prozent. Die Viren kommen weltweit vor. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem fünften und 14. Lebensjahr. „Die Erkrankung und ebenso die Impfung hinterlassen eine lebenslange Immunität“, sagt Dr.Ursula Vallazza, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde in Mödling.

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Milder Verlauf

Die Symptome gleichen zuerst jenen einer leichten Grippe: Abgeschlagenheit, leichter Husten und Schnupfen. Es besteht kaum ein Krankheitsgefühl und meistens haben die Patienten nur leichtes Fieber. Nach ein bis zwei Tagen tritt der Hautauschlag auf. Er ist blassrot und breitet sich vom Gesicht abwärts über den Körper aus und ist oft nur leicht ausgeprägt. Typisch ist eine schmerzhafte Vergrößerung der Lymphknoten am Hals und im Nacken. Vor allem ältere Personen klagen zusätzlich über Gelenksschmerzen. Als sehr seltene Komplikation kann eine Gehirnentzündung auftreten – allerdings sehr viel seltener als bei Masern. Etwa zwanzig Prozent aller Infektionen verläuft klinisch stumm, das bedeutet ohne Krankheitszeichen. Eine Behandlung ist in den meisten Fällen nicht nötig.

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Für Ungeborene gefährlich

Während die Erkrankung für den Patienten selbst in den allermeisten Fällen harmlos verläuft, besteht bei ungeschützten Schwangeren eine große Gefahr für das ungeborene Kind. Nur eine Erstinfektion der Mutter während der frühen Schwangerschaft führt zu einer Infektion des Embryos. Hat sie bereits Röteln gehabt oder aufgrund einer Impfung ausreichend Antikörper gebildet, besteht keine Gefahr für das Kind. Der Schweregrad der kindlichen Erkrankung ist vor allem vom Zeitpunkt der Infektion und der Schwere der mütterlichen Erkrankung abhängig. Infektionen im ersten Monat der Schwangerschaft führen bei bis zu 60 Prozent der Kinder zu einer Schädigung – der so genannten Röteln-Embryopathie. Mit zunehmender Schwangerschaftsdauer nimmt die Häufigkeit ab und eine Infektion nach der sechzehnten Schwangerschaftswoche verursacht keine Fehlbildungen mehr. Am häufigsten kommt es beim Kind zu Herzfehlern, Trübung der Augenlinse und Innenohrschwerhörigkeit. Die Kinder sind bei der Geburt untergewichtig und in etwa 40 Prozent der Fälle geistig behindert. Es gibt bisher keine Behandlungsmöglichkeit dieser Erkrankung, daher wird bei jeder Schwangerschaft im Rahmen der Mutter-Kind-Pass Untersuchungen der Rötel-Titer – also die Menge der Antikörper gegen Röteln im Blut – bestimmt, um so herauszufinden, ob die werdende Mutter und ihr Ungeborenes ausreichend geschützt sind. In der Schwangerschaft darf nicht mit dem herkömmlichen Rötelnimpfstoff geimpft werden. „Es besteht die Möglichkeit, Antikörper gegen Röteln zu verabreichen. Allerdings ist diese Maßnahme nicht in allen Fällen erfolgreich und teuer“, gibt Vallazza zu bedenken. Im österreichischen Impfplan wird derzeit empfohlen, die Röteln-Impfung in Kombination mit Masern und Mumps bei allen Kindern im zweiten Lebensjahr zweimal durchzuführen.

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Ringelröteln

Obwohl der Name ähnlich ist, sind Ringelröteln eine völlig andere Viruserkrankung. Sie wird vom Parvovirus B 19 verursacht, ist seltener und weniger ansteckend als Röteln und tritt hauptsächlich im Schulalter auf. Ein bis vier Wochen nach der Infektion tritt ein juckender, girlandenförmiger Ausschlag im Bereich der Wangen auf und breitet sich über den restlichen Körper aus. Auch diese Erkrankung ist vor allem für Schwangere gefährlich und kann zu einer schweren Erkrankung bis hin zum Tode des Kindes führen. Es gibt bisher keine Impfung gegen Ringelröteln.


Dr. Ulli Stegbuchner

Juni 2008


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020