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Hodenhochstand: Am falschen Platz...

Hoden-Hochstand: Am falschen PlatzHoden-Hochstand kann ernsthafte Folgen haben. Normalerweise haben die Hoden, die beiden männlichen Keimdrüsen, ihren Sitz im Hodensack. Noch vor der Geburt sollten sie aus der Bauchhöhle durch den Leistenkanal dorthin gewandert sein. Haben sie das nicht geschafft, muss rund um den ersten Geburtstag etwas unternommen werden. Sonst droht eine spätere Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit und ein deutlich höheres Tumor-Risiko.


Hoden-Hochstand: Graphik




Gebildet werden die beiden Hoden in der Nähe der Nieren. Während der Schwangerschaft reifen die Keimdrüsen und wandern abwärts durch die beiden Leistenkanäle in das Skrotum, den Hodensack. Diese Wanderung ist für die Arterhaltung von größter Bedeutung. Denn innerhalb des menschlichen Körpers ist es zu warm für die Spermatogonien, für jene Zellen, die die Spermien bilden. Nur in der rund drei bis vier Grad kälteren Umgebung des Hodensacks können sie ihre Aufgabe erfüllen. Und genau aus diesem Grund ist es auch so wichtig, dass rechtzeitig kontrolliert wird, ob die Hoden auch tatsächlich dort sind, wo sie sein sollen.



Hoden-Hochstand: Hodenanomalie




Univ. Doz. Dr. Josef Oswald von der Kinderurologie Innsbruck: „Die Urzellen werden im ersten bis zweiten Lebensjahr nur dann in samenbildende Spermatogonien umgewandelt wenn sie im Hodensack eine verminderte Temperatur vorfinden. Wenn sie es wegen eines Hodenhochstandes zu warm haben, treten Fruchtbarkeits-Schäden auf, die nicht mehr repariert werden können." Hodenhochstand nennt man jede Lage eines oder beider Hoden außerhalb des Hodensackes. Er kommt bei drei bis vier Prozent der Knaben vor, bei Frühgeborenen sogar bis zu 20 Prozent. Ungefähr bei der Hälfte der Fälle löst sich das Problem innerhalb des ersten Lebensjahres von selbst. Ohne fremde Hilfe rutschen die Hoden in die richtige Lage und bleiben dort. Die Hilfe eines Arztes ist erst dann notwendig, wenn auch beim einjährigen Buben noch keine Keimdrüsen im Skrotum zu ertasten sind. Zum Abtasten ein Tipp: Am besten geht es im warmen Bad, wenn das Baby entspannt und das Gewebe weich ist. Dr. Oswald: „Wenn die Hoden auch nach einem Jahr noch nicht dort sind, wo sie sein sollen, muss gehandelt werden. Nur so können dem kleinen Mann spätere Schwierigkeiten erspart werden."

Der Arzt wird dann feststellen, um welche Art des Hodenhochstandes es sich handelt. Von einem Bauchhoden spricht man, wenn die Keimdrüse weder sicht- noch tastbar im Bauchraum geblieben ist. Leistenhoden nennt man den Hoden-Hochstand, wenn der Hoden unbeweglich im Leistenkanal steckt, Gleithoden, wenn er sich nach unten bewegen lässt, aber gleich wieder hochschnellt. Eine Übergangsform stellt der Pendelhoden dar, der nicht als Hochstand gilt: Dabei liegt der Hoden meist im Hodensack, zieht sich aber bei Berührung oder Kälte reflexartig in den Leistenkanal zurück, um nach einiger Zeit wieder nach unten zu rutschen. Werden vom Arzt ein Hoden-Hochstand diagnostiziert und die Hoden lokalisiert, kann die passende Therapie gewählt werden. Einerseits kann mit einer Hormon-Therapie die Reifung der Hoden beschleunigt werden, wodurch sie in manchen Fällen nach einiger Zeit in die richtige Lage rutschen. In anderen Fällen wird ein chirurgischer Eingriff nötig sein. Häufig wird auch eine Kombination der beiden Therapiemethoden gewählt. Die Standardoperation dauert pro Hoden rund 30 Minuten und wird in Vollnarkose durchgeführt – in vielen Fällen bereits in einer Tagesklinik. Dr. Oswald: „Der kleine Patient ist im Normalfall am nächsten Tag bereits schmerzfrei."

Heinz Macher

Oktober 2012

Foto: Bilderbox, illumed.com, privat

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Kommentar

Kommentarbild Hoden-Hochstand, Dr. Oswald„Es ist unbedingt notwendig zu überprüfen, ob die Hoden am richtigen Platz sind. Sind sie das um den ersten Geburtstag herum noch nicht, drohen später irreparable Schäden für die Fruchtbarkeit und ein erhöhtes Krebsrisiko."
Univ. Doz. Dr. Josef Oswald
Kinderurologie Innsbruck

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020