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Spannungskopfschmerz: Druck im Kopf

Spannungskopfschmerz: Druck im KopfKopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz: Man unterscheidet verschiedene Arten, wobei der Spannungskopfschmerz zu den häufigsten zählt. Wie man ihn am besten behandelt und welche Maßnahmen es zur Vorbeugung gibt, erklärt Dr. Markus Wimmer.


Ziehend, drückend und ein Gefühl, als ob ein enger Helm am Kopf sitzen würde – so beschreiben viele Patienten Spannungskopfschmerzen. Dabei tritt der Schmerz meist beidseitig auf und ist von leichter bis mittlerer Intensität. Auch können sich Begleitsymptome wie eine leichte Übelkeit bemerkbar machen. Erbrechen kommt allerdings nicht vor. Im Vergleich zur Migräne treten diese Beschwerden aber seltener auf. Darüber hinaus gilt: „Typischerweise verstärkt sich der Kopfschmerz bei körperlicher Betätigung nicht, sondern wird oft sogar leichter“, sagt Dr. Markus Wimmer, oberärztlicher Leiter der Schmerzambulanz und der Station für neurologische Schmerzmedizin am AKH Linz. Die Symptome können wenige Stunden bis mehrere Tage andauern. Treten die Beschwerden mehr als 15mal pro Monat über mindestens drei Monate auf, handelt es sich um einen chronischen Spannungskopfschmerz.

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Häufigster Kopfschmerz

Die beschriebenen Symptome sind leider nicht selten, zahlreiche Menschen leiden darunter. „Obwohl der Spannungskopfschmerz der häufigste Kopfschmerz ist, gibt es in der Literatur sehr unterschiedliche Angaben zur Häufigkeit zwischen den Ländern. Die Einjahresprävalenz, also jene Personen, die innerhalb eines Jahres unter Spannungskopfschmerzen leiden, wird bei einer Studie in Dänemark von 1991 mit zirka 86 Prozent bei Frauen und 63 Prozent bei Männern angegeben. In einer großen Umfrage in Deutschland mit fast 10.000 Teilnehmern, die 2012 veröffentlich wurde, betrug die Einjahresprävalenz zirka 24 Prozent für reinen Spannungskopfschmerz. Viele Betroffene haben jedoch mehrere Kopfschmerzen parallel. Die Streubreite ist also groß“, sagt der Mediziner.

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Ursache noch nicht geklärt

Doch wie kommt es überhaupt dazu? Wimmer erklärt: „Der Spannungskopfschmerz gehört zu den primären Kopfschmerzen. Das heißt, dass es keine andere organische Ursache, wie beispielsweise eine Blutung oder Gefäßentzündung, gibt. Leider sind die Ursachen, die dazu führen, noch nicht geklärt. Verspannungen der perikraniellen Muskulatur, das sind jene Muskeln um den Kopf wie zum Beispiel an der Stirn und im Nacken, oder eine gesteigerte Schmerzempfindlichkeit sowie eine Verminderung der körpereigenen Schmerzhemmung, etwa durch Stress oder Überforderung, scheinen eine Rolle zu spielen. Ob Verspannungen der Muskulatur dafür verantwortlich sind, ist umstritten.“

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Entspannung gegen den Schmerz

Auf die Frage, wann ein Arzt aufgesucht werden soll, erklärt der Mediziner: „Prinzipiell bei wiederkehrenden erstmaligen Kopfschmerzen. Aber auch, wenn sich der Kopfschmerzcharakter stark ändert oder, wenn zusätzliche Symptome auftreten.“ Die Behandlung erfolgt zunächst ohne Medikamente: Entspannungsmethoden wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Yoga sowie Sport, Akupunktur oder die Reduzierung von Stress können Abhilfe verschaffen. „Führen diese Maßnahmen nicht zum gewünschten Ziel, ist eine medikamentöse Therapie notwendig“, so Wimmer. Mit Antidepressiva lässt sich die Schmerzschwelle anheben, man spricht von einer Schmerzschwellenmodulation. „Bei chronischen Schmerzen geht man davon aus, dass die Schmerzschwelle abgesenkt ist und Betroffene auch Reize als Schmerzen wahrnehmen, die sonst nicht schmerzhaft erlebt werden“, sagt der Mediziner. Wichtig ist zudem, zusätzlich bestehende Depressionen zu erkennen und zu behandeln. Treten die Spannungskopfschmerzen nur gelegentlich auf und sind nur von kurzer Dauer, können Kopfschmerzmittel mit den Wirkstoffen Paracetamol oder Acetylsalicylsäure eingesetzt werden.

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Gezielt vorbeugen

Um Spannungskopfschmerzen zu vermeiden, gibt Wimmer folgende Ratschläge: „Erlernen Sie Strategien zur Bewältigung von Alltagsbelastungen beziehungsweise von Termindruck. Ausdauersport und ein regelmäßiger Schlafrhythmus sind ebenfalls hilfreich. Das Gleiche gilt für physiotherapeutische Maßnahmen, wobei Manipulationen an der Halswirbelsäule abzulehnen sind.“

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Fragwürdige Selbstmedikation

Vorsicht ist bei der unkontrollierten Einnahme von Medikamenten geboten. Denn: Kopfschmerzen können auch durch bestimmte Arzneimittel hervorgerufen werden. Man spricht dann vom medikamenteninduzierten Kopfschmerz. „Eine Schmerzmittelgabe bei chronischen Spannungskopfschmerzen birgt oft die Gefahr der Entwicklung eines zusätzlichen Kopfschmerzes bedingt durch diese Medikamente bei Übergebrauch“, sagt Wimmer abschließend.

MMag. Birgit Koxeder
Mai 2013


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020