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Präeklampsie: Schwanger und schwerkrank

Präeklampsie: Schwanger und schwerkrankHinter dem schwierig auszusprechenden Wort verbirgt sich eine Krankheit, die während der Schwangerschaft auftreten kann und sich durch unterschiedliche Symptome äußert: Kennzeichnend sind ein erhöhter Blutdruck und eine vermehrte Eiweißausscheidung im Urin. Welche Auswirkungen eine Präeklampsie auf Mutter und Kind hat, erklärt Dr. Christian Dadak.

Eine Präeklampsie tritt ausschließlich in der Schwangerschaft auf und macht sich durch folgende Symptome bemerkbar: Betroffene Frauen leiden unter einem erhöhten Blutdruck (mehr als 140 zu 90 mmHG), einer sogenannten Hypertonie. „Gleichzeitig äußert sich entweder eine Proteinurie, also eine vermehrte Eiweißausscheidung über den Harn, sowie eine Niereninsuffizienz mit oder ohne einer sogenannten Oligurie“, erklärt Universitätsprofessor Dr. Christian Dadak von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Wien. Unter einer Oligurie versteht man eine verminderte Harnausscheidung.

Beschwerden ab der zweiten Schwangerschaftshälfte

Die Beschwerden treten nur in seltenen Fällen vor der 20. Schwangerschaftswoche auf, sondern äußern sich meist erst in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft. Weitere mögliche Symptome können rasch zunehmende Wassereinlagerungen – sogenannte Ödeme – sowie eine deutliche Gewichtszunahme von mehr als einem Kilogramm pro Woche sein. „Auch kann es zur Beteiligung der Leber kommen oder es äußern sich neurologisch zentrale Beschwerden wie Augenflimmern oder Kopfschmerzen“, so Dadak.

Gefährliche Komplikation: HELLP-Syndrom

Leider bleibt es bei einigen Schwangeren nicht nur bei diesen Symptomen. Eine gefährliche Komplikation ist das HELLP-Syndrom – eine schwere Form der Präeklampsie. Die Erkrankung äußert sich durch einen Zerfall der roten Blutkörperchen (Hämolyse), erhöhte Leberenzyme und eine erniedrigte Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten). „Hier ist, wenn das HELLP-Syndrom nicht behandelt wird, mit einer hohen mütterlichen und kindlichen Sterblichkeit zu rechnen“, so der Mediziner. Kennzeichnend für diese Komplikation ist meist ein Druckschmerz im Oberbauch. Sind die Symptome zu ausgeprägt, muss die Geburt frühzeitig eingeleitet werden.

Auswirkungen aufs Kind

Auf die Frage, welche Auswirkungen eine Präeklampsie auf das Ungeborene hat, erklärt der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe: „Es kann zu einer Wachstumsretardierung des Feten kommen. Das Kind hat ein zu geringes Gewicht, als es für die Schwangerschaftsdauer angemessen wäre. Zudem ist eine Frühgeburt, bei vorzeitiger Plazentalösung auch der Tod des Kindes, möglich.“

Ursache noch unklar

Die Ursachen für die auch als Gestose bezeichnete Erkrankung sind noch nicht eindeutig geklärt. „Man vermutet jedoch eine Implantationsstörung der Plazenta und eine mütterliche Disposition für diese Erkrankung“, so Dadak. So nimmt man an, dass es bei der Bildung und Einnistung des Mutterkuchens zu einer Störung kommt und der mütterliche Organismus zu stark auf die Schwangerschaft reagiert. Die Präeklampsie tritt vermehrt bei Frauen auf, die das erste Mal entbinden, aber auch bei Früh- (jünger als 15 Jahre) oder Spätgebärenden (älter als 35 Jahre) sowie bei Mehrlingsschwangerschaften. Weitere Risikofaktoren, die eine Präeklampsie begünstigen, sind bestimmte Krankheiten wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), eine chronische Nierenerkrankung, Adipositas (Fettleibigkeit) oder ein chronischer Bluthochdruck sowie eine familiäre Belastung.

Nur symptomatische Behandlung möglich

Um eine Präeklampsie so rasch wie möglich zu erkennen, wird bei den Schwangerschaftsuntersuchungen der Blutdruck gemessen, das Gewicht kontrolliert und der Eiweißgehalt im Harn untersucht. Bisher lassen sich jedoch nur die Symptome behandeln, nicht aber die Ursache beseitigen. Bei einer leichten Form der Erkrankung ist es wichtig, dass sich die betroffenen Schwangeren schonen. In einigen Fällen verschreibt der Arzt blutdrucksenkende Mittel. Bei besonders starken Beschwerden kann eine stationäre Behandlung notwendig sein. „Zusätzliche unterstützende Maßnahmen sind eine Ernährung mit viel leicht verdaulichem Eiweiß und Vitaminen bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr“, sagt Dadak. Die gute Nachricht ist: Nach der Geburt verschwinden die Beschwerden meist innerhalb von einigen Tagen, dennoch kann eine weitere Überwachung der Betroffenen notwendig sein.

MMag. Birgit Koxeder
März 2013


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020