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Hämorrhoiden rechtzeitig behandeln

Hämorrhoiden rechtzeitig behandelnÜber das Thema Hämorrhoiden kursieren viele falsche Vorstellungen, da es nach wie vor stark tabuisiert wird. Über Erkrankungen im Analbereich wird aus Scham kaum gesprochen. Betroffene leiden oft jahrlang, ohne zum Arzt zu gehen. Dabei können Hämorrhoiden erhebliche Probleme bereiten und den Alltag zur Qual machen.

Bereits eine leichte Vergrößerung der Gefäßpolster am Afterausgang kann zu immer wiederkehrenden Problemen führen. Im Falle eines Hämorrhoidenleidens ist ein ständiges Jucken oder auch Brennen und Nässen Begleiter im Alltag. Häufig findet man auch Blut am Toilettenpapier, am Stuhl oder an der Unterwäsche. In fortgeschrittenen Stadien bestehen ein Fremdkörpergefühl im Afterbereich sowie starke Schmerzen beim Stuhlgang.

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Bei Symptomen zum Arzt

Treten solche Hinweise auf, sollten Betroffene nicht warten, sondern einen Arzt aufsuchen. Unbehandelt droht sich das Leiden stetig zu verschlimmern. Zudem können auch andere Erkrankungen die Beschwerden verursachen, die anderenfalls nicht entdeckt werden.
Die häufigste Symptomatik ist eine Blutung im Analbereich. Die Blutung erfolgt aus der Schleimhaut, die die Hämorrhoidengefäße bedeckt. Typisch ist, dass eine Blutung nur phasenweise erfolgt und man oft wochenlang oder auch für Monate beschwerdefrei ist, bis die nächste Blutung einsetzt.
Betroffene können sich an den Hausarzt oder direkt an einen Facharzt für Chirurgie wenden, um sich ambulant behandeln zu lassen. Zuständig sind alle niedergelassenen Chirurgen. In akuten Fällen kann auch eine Akutambulanz in den Krankenhäusern aufgesucht werden. OA Dr. Wolfgang Zaglmair, Leiter der Proktologischen Ambulanz des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in Linz, rät hingegen ab, sich bloß eine rezeptfreie Salbe aus der Apotheke zu kaufen.

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Gesunde „Hämorrhoiden“

Jeder Mensch hat und braucht Hämorrhoiden. Zusammen mit der Schließmuskulatur sorgen diese Blutgefäßpolster im unteren Mastdarm für einen sicheren Verschluss des Afters. Dieser hämorrhoidale Schwellkörper gewährleistet die Feinkontinenz, er dichtet den Darm nach außen hin ab. Steht Suhl zur Entleerung an, entspannt sich der Schließmuskel, die Gefäßpolster verkleinern sich und der Stuhl wird ausgeschieden. Bei einem Hämorrhoidalleiden ist diese Feinkontinenz gestört. Durch fehlendes Entleeren dieser Gefäßpolster kommt es zur mechanischen Irritation der Schleimhaut mit Blutung.

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Andere Erkrankungen

Wenn es in der Analgegend juckt, brennt, nässt oder blutet, können auch andere Erkrankungen ursächlich sein: Etwa dermatologische Probleme, Pilzinfektionen oder Ekzeme. Vor allem ältere Menschen denken bei einer Blutspur schnell an Darmkrebs. Um einen Tumor ausschließen zu können, bedarf es jedenfalls einer fachärztlichen Untersuchung, mitunter auch einer Darmspiegelung. „Regelmäßige Darmspiegelungen sind wichtig, vor allem bei Menschen ab 50 Jahren. Je häufiger jemand diese Untersuchung machen lässt, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass die Blutung durch einen Tumor verursacht wird“, sagt Zaglmair.

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Ursachen

Neben einer genetischen Disposition ist vor allem die Ernährung für Probleme mit den Hämorrhoiden verantwortlich. Ballaststoffarme Nahrung führt zu festem Stuhl und verleitet zu übermäßigen Pressen beim Stuhlgang. Verstopfung und auch zu breiiger Stuhl begünstigen das Entstehen von Hämorrhoidenleiden ebenso wie mangelnde Bewegung und stundenlanges Sitzen. Ein sitzender Alltag begünstigt eine schlechte Ausprägung der Bauch- und Beckenbodenmuskulatur. Diese Muskulatur ist für eine normale Darmtätigkeit nötig und fördert die Stuhlentleerung. Auch Schwangerschaften können Hämorrhoiden verursachen.

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Vorbeugung

Am wichtigsten ist ein geformter Stuhl. Dieser sollte weder zu hart noch zu weich sein, da im zweiten Fall der Dehnungsreiz des Schließmuskels ausbleibt. Viel trinken (1,5 bis 2,5 Liter Flüssigkeit am Tag) fördert einen geformten Stuhl ebenso wie ballaststoffreiche Ernährung. Obst, Gemüse und Vollkorn beeinflussen den Stuhl günstig. Experten raten zudem zu regelmäßiger Bewegung und Sport.

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Pflege

Geeignete Pflegemaßnahmen sind das Waschen mit warmem Wasser oder die Verwendung von Öltüchern (wie sie in der Babypflege verwendet werden). „Seife sollte man für die Analpflege ebenso wie Feuchttücher besser nicht verwenden“, rät der Oberarzt. Denn die meisten handelsüblichen Feuchttücher reizen mit Parfümstoffen zusätzlich den After und sorgen für Hautausschläge, Rötungen, Risse und wunde Stellen. Diese können damit auch zu Analekzemen führen.

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Richtige Stuhlentleerung

Eine richtige Stuhlentleerung ist wichtig. Der Vorgang sollte möglichst schnell vor sich gehen. Nicht stundenlang sitzen und pressen oder Zeitung lesen. Kommt kein Stuhl, dann sollte man einen Stuhlgang durch Pressen nicht erzwingen.

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Angst nehmen

Hämorrhoiden sind für viele Betroffene nach wie vor ein Tabuthema. Man spricht nicht darüber und scheut sich einen Arzt aufzusuchen. „Für Scham oder Angst besteht kein Grund. Für einen Arzt ist es ein alltäglicher Vorgang, die Analregion zu untersuchen“, betont Zaglmair.

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Kein „Männer- oder Alte-Leute-Leiden“

Ein weit verbreiteter Irrtum ist es, dass nur Männer an Hämorrhoiden leiden würden. Frauen sind ebenso häufig betroffen. Da sich Frauen früher behandeln lassen, haben sie bessere Chancen, von einer konservativen Behandlung wie Verödung und Unterbindung zu profitieren und einer Operation zu entgehen.
Hämorrhoiden können in jedem Lebensalter auftreten. Unabhängig vom Geschlecht tritt das Leiden am häufigsten im mittleren Alter, zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf.

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Vier Stadien

Es lassen sich vier Stadien einer Hämorrhoiden-Erkrankung unterscheiden.
Im ersten Stadium kann bereits eine medikamentöse Behandlung mit Salben oder Zäpfchen zum Erfolg führen. Lokalanästhetika lindern den Juckreiz. „Am besten ist es, wenn man diese Hämorrhoidalknoten verödet. Diese Behandlung ist schmerzlos. Zwei bis drei Sitzungen sind zumeist ausreichend“, so Zaglmair.
Im zweiten Stadium stehen konservative Maßnahmen wie Verödung (Sklerosierung) oder Abbinden der Schleimhautabstülpungen (Ligatur) oder schmerzlose Aterien-Ligaturen zur Verfügung. Im dritten und vierten Stadium werden Hämorrhoiden mit unterschiedlichen chirurgischen Verfahren behandelt. Im vierten Stadium müssen auf jeden Fall vergrößerte Hämorrhoiden durch eine Operation entfernt werden. Verschiedene Operationstechniken stehen dabei zur Auswahl. „Eine OP im vierten Stadium ist keine einfache Operation. Bei fachmännischer Durchführung besteht aber keine Gefahr auf Inkontinenz oder gar Impotenz“, so Zaglmair.

Dr. Thomas Hartl

März 2010

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020