DRUCKEN

Kieferzysten: Gefahr im Knochen

Kieferzysten: Gefahr im Knochen Kieferzysten können verschiedene Ursachen haben. Die Probleme, die damit verbunden sind, sind aber immer die gleichen: Die in der Regel mit Flüssigkeit gefüllten Hohlräume führen mit zunehmendem Wachstum zur Schädigung von Kieferknochen und Zähnen. Eine rechtzeitige Behandlung ist deshalb wichtig, rät Universitätsprofessor DDr. Norbert Jakse von der Medizinischen Universität Graz.

Bei Zysten handelt es sich um mit Epithel (Oberflächengewebe) ausgekleidete „Löcher“, die meist mit einer Flüssigkeit gefüllt sind. „Zysten stellen Hohlräume im Kieferknochen dar. Mit zunehmender Flüssigkeitsfüllung nehmen sie an Größe zu“, so Prof. Jakse, Leiter des Departments für Zahnärztliche Chirurgie und Röntgenologie der Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Medizinischen Universität Graz. Sie treten vor allem im mittleren Lebensalter auf. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Kieferzysten wachsen zwar langsam, verdrängen aber das benachbarte Gewebe und müssen daher in jedem Fall behandelt werden.

up

Ursachen von Kieferzysten

Häufige Ursache für eine Kieferzyste ist beispielsweise ein abgestorbener Zahn. Man spricht dann von der sogenannten radikulären Kieferzyste (Zahnwurzelzyste). „Diese Zysten sind entzündlich bedingt und entwickeln sich meist im Wurzelspitzenbereich eines Zahnes“, so Jakse. Eine weitere Form sind follikuläre Zysten. Sie entstehen aus Gewebe des Zahnsystems aus der embryonalen Zahnentwicklung. „Follikuläre Zysten stellen quasi eine Entwicklungsstörung im Rahmen der Zahn- und Kieferentwicklung dar“, sagt der Universitätsprofessor. Darüber hinaus gibt es noch weniger häufige tumoröse Erkrankungen wie etwa die Keratozyste. Bei dieser handelt es sich um einen gutartigen Tumor (keratozystischer odontogener Tumor), der aggressiver als die oben genannten Zysten in umgebende Strukturen wächst und aktiv Knochen abbaut. Der zystische Tumor kann Tochterzysten bilden und auch nach entsprechender Entfernung immer wieder – auch an anderen Stellen – auftreten. „Wenn er in mehreren Kieferregionen wächst, muss man an ein sogenanntes Gorlin-Goltz Syndrom [erblich bedingte Karzinomerkrankung, Anm.] denken. Dieses geht auch mit Hautveränderungen einher“, so Jakse.

up

Rechtzeitige Behandlung wichtig

Solange die Zysten noch klein sind, verursachen sie kaum Beschwerden. „Kieferzysten wachsen meist in die Richtung des geringsten Widerstandes im Kieferknochen, ohne Symptome zu bereiten. Der Befund wird daher meist zufällig im Rahmen einer routinemäßigen Röntgen-Untersuchung gestellt“, so Jakse. Mit zunehmendem Wachstum können sich jedoch Schmerzen einstellen, vor allem dann, wenn eine Entzündung im Spiel ist. Zudem können sich Schwellungen innerhalb der Mundhöhle, aber auch nach außen sichtbar entwickeln. Kieferzysten führen in einigen Fällen auch zu Zahnfehlstellungen oder Zahnlockerungen. Angesichts dieser Auswirkungen ist eine rechtzeitige Therapie angebracht. Unbehandelt vergrößern sie sich und es kommt zur Aushöhlung und Auftreibung des Kieferknochens. Bei fortgeschrittenen Fällen besteht darüber hinaus das Risiko eines Kieferbruches. Die Diagnose ist meist rasch gestellt. Im Röntgenbild sind Kieferzysten als scharf begrenzte, meist runde, dunkle Veränderungen feststellbar.

up

Behandlung: Ausschälung oder Fensterung

Die mit Flüssigkeit gefüllten Hohlräume im Kieferknochen lassen sich auf zwei unterschiedliche Arten behandeln: mittels Zystektomie oder Zystostomie. Bei der Zystenausschälung (Zystektomie) wird der Knochen über der Zyste abgetragen, sodass der Zystenbalg bzw. die Zystenkapsel ausgeschält werden kann. „Es bleibt eine leere Knochenhöhle zurück, die sich auf der Basis des sich entwickelnden Blutgerinnsels von selbst regeneriert und knöchern ausheilt. Es besteht keine Notwendigkeit, die nach Entfernung resultierende Knochenhöhle mit Knochenersatzmaterial aufzufüllen“, sagt der Mediziner. Wichtig ist aber, die Ursache der Zyste ebenfalls zu behandeln. Das kann eine Extraktion des schuldigen Zahnes bedeuten. In vielen Fällen lässt sich dieser aber durch eine chirurgische Wurzelspitzenresektion erhalten. „In einigen Fällen reicht auch eine konservative Wurzelbehandlung des Zahnes aus, um die Zyste auszuheilen und den Zahn zu erhalten – eine chirurgische Intervention ist dann nicht notwendig“, so der Facharzt.

Bei sehr großen Zysten wird eine andere Technik angewendet: Die Zyste wird gefenstert (Zystostomie), indem der Arzt die knöcherne Wand zur Mundhöhle hin abträgt. Dadurch wird die Flüssigkeit entleert, der Zystenbalg bleibt aber noch im Knochen erhalten. Die Zyste kann allerdings nicht mehr weiter wachsen und der Hohlraum wird allmählich kleiner. Beide Eingriffe erfolgen meist in lokaler Betäubung und können ambulant durchgeführt werden.

up

Beste Vorbeugung: gesunde Zähne

Bleibt nur noch die Frage, wie man Kieferzysten vorbeugen kann. Jakse dazu: „Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt zielen unter anderem darauf ab, Zysten bereits im Frühstadium zu erkennen und zu therapieren. Da die meisten entzündlich bedingt sind und von Zahnwurzelentzündungen ausgehen, steht bei der Vorsorge die Zahngesundheit im Vordergrund.“

MMag. Birgit Koxeder
Juli 2012


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015