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Frozen Shoulder: Wenn die Schulter „einfriert“

Frozen Shoulder: Wenn die Schulter „einfriert“Die Frozen Shoulder, auch „eingefrorene“ Schulter oder „Schultersteife“ genannt, ist eine langwierige entzündliche Erkrankung der Gelenkkapsel. Durch die Entzündung kommt es zu Verklebungen, Verhärtungen und Schrumpfungen der Bindegewebsstrukturen des Schultergelenks. Die Folge sind Schmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit der Schulter, bis hin zur vollständigen Immobilität. Ein bis drei Jahre, bisweilen auch länger, kann eine Frozen Shoulder andauern, bis die Schulter wieder „auftaut“ und die Beweglichkeit schließlich zurückkehrt. Manchmal kann auch ein Bewegungsdefizit zurückbleiben.

Zwei Arten des „Einfrierens“

Die primäre Schultersteife ist meist genetisch bedingt. Die Entzündung des Schultergelenks kann u. a. durch hormonelle Störungen, Blutzucker- oder Fettstoffwechselstörungen ausgelöst werden. Diabetiker haben eine vierfach höhere Wahrscheinlichkeit, an einer Frozen Shoulder zu erkranken. Und Frauen im vierten bis sechsten Lebensjahrzehnt sind häufiger betroffen als Männer.
Die sekundäre Schultersteife entsteht posttraumatisch oder postoperativ – also in Folge einer Verletzung oder Operation der Schulter. Auch eine (zu) lange Ruhigstellung des Gelenks mittels Gips oder Verband kann Auslöser einer Frozen Shoulder sein.

Drei Phasen der Frozen Shoulder

  • Stadium 1 (Initialphase): Die Entzündung des Gelenks führt zu heftigem Bewegungsschmerz, der sich insbesondere nachts verschlechtern kann. Eine Bewegungseinschränkung ist noch nicht bemerkbar. Dauer bis zu neun Monaten.
  • Stadium 2 (Einsteifungsphase): Der Schmerz im Gelenk lässt langsam nach – die Beweglichkeit der Schulter wird jedoch zunehmend eingeschränkt. Durch Kompensationsbewegungen und Schonhaltungen kann es zu unangenehmen Rücken- und Nackenschmerzen kommen. Dauer bis zu 15 Monaten.
  • Stadium 3 (Lösungsphase): Die Entzündung bildet sich zurück, die Beweglichkeit kommt langsam wieder. Dauer etwa neun Monate.

Genaue Diagnose

Mitunter dauert es oft lange, bis eine Frozen Shoulder diagnostiziert wird. Dabei ist gerade eine frühe Diagnose wichtig für den Heilungsverlauf. Verletzungen oder Erkrankungen mit zum Teil ähnlichen Symptomen – Arthrosen, Sehnenrisse oder Luxuationen – können mittels Röntgen-, Ultraschall- und MR ausgeschlossen werden. „Wenn der Patient länger als sechs Wochen starke Schmerzen hat und seine Schulter aktiv und passiv nicht mehr bewegbar ist, deutet das auf eine Frozen Shoulder hin“, so Dr. Gernot Aitzetmüller vom Krankenhaus der Diakonissen in Linz.

Individuell abgestimmte Behandlung

Die Behandlung einer Frozen Shoulder ist phasenabhängig. „Im ersten Stadium rate ich zu einer Cortisontherapie, um der Entzündung und der Schmerzen Herr zu werden. Im zweiten Stadium kann man mit gezielter Physiotherapie, Krankengymnastik etc. der Bewegungseinschränkung entgegenwirken“, betont Dr. Aitzetmüller. Wenn die konservative Therapie nicht greift, bleibt noch die Möglichkeit einer minimal-invasiven Operation, die verklebte Schulterkapsel wird dabei mittels Arthroskopie geöffnet. Von einer Narkosemobilisation – einer Aufdehnung der Schulter unter Narkose – raten immer mehr Mediziner ab.

Psychische Belastung

Eine Frozen Shoulder ist für den Betroffenen belastend: „Wochenlange starke Schmerzen sind das eine, dazu kommt die Einschränkung der Beweglichkeit und damit des Alltags, mit allen Folgen für Berufs- und Privatleben“, so Dr. Aitzetmüller. Da ist viel Geduld und Durchhaltevermögen gefragt.

Kommentar

„Eine Frozen Shoulder ist eine ernsthafte Erkrankung des Schultergelenks, die sich über mehrere Jahre erstrecken kann. Bei rascher Diagnose und phasenabgestimmter, individueller Behandlung können die Schmerzen eingedämmt und der Heilungsprozess beschleunigt werden. Basis dafür ist allerdings eine vertrauensvolle Beziehung zwischen dem Patienten und seinem Arzt bzw. Therapeuten.“
Dr. Gernot Aitzetmüller
Facharzt für Unfallchirurgie, Diakonissen-Krankenhaus Linz:


Michael Leithinger
August 2012


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020